Die deutsche Fluggesellschaft Eurowings verzeichnet nach eigenen Angaben eine leichte, aber stabile Erholung im Geschäftsreisesegment. Wie CEO Jens Bischof auf einer Pressekonferenz auf Mallorca erklärte, seien vor allem kleine und mittelständische Unternehmen wieder verstärkt auf Dienstreisen unterwegs, während Großkonzerne weiterhin Zurückhaltung übten.
Trotz dieser positiven Entwicklung hält die Lufthansa-Tochter an ihrer nach der Pandemie eingeschlagenen Strategie fest, den Fokus auf den Tourismusmarkt zu legen. Die Neuausrichtung scheint sich auszuzahlen: Bischof äußerte sich optimistisch und rechnet für das laufende Jahr erneut mit einem dreistelligen Millionengewinn. Die strategische Fokussierung wird durch den Aufbau eines eigenen Reiseveranstalters, Eurowings Holidays, weiter untermauert, um die Margen zu erhöhen und die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu verringern.
Vom Business-Carrier zum Touristik-Spezialisten
Die Corona-Pandemie hat die Luftfahrtindustrie grundlegend verändert. Eurowings hat in dieser Zeit eine strategische Neuausrichtung vollzogen, die das Unternehmen von seiner früheren Position als primärer Business-Carrier für die Lufthansa-Gruppe wegbewegt hat. Vor der Pandemie lag der Schwerpunkt der Fluggesellschaft auf der Bedienung von Geschäftsreiseverkehr in Europa. Viele innerdeutsche und inneruropäische Strecken wurden mit hohen Frequenzen bedient, um Geschäftsreisende zu bedienen.
Mit dem Einbruch des Geschäftsreiseverkehrs und der anhaltenden Zunahme von Telekonferenzen und digitalen Meetings reagierte Eurowings strategisch und schwenkte auf den touristischen Sektor um. Die neue Aufteilung des Geschäftssegments sieht vor, daß 60 Prozent der Flüge touristische Ziele bedienen, 30 Prozent dem Geschäftsreiseverkehr dienen und die restlichen 10 Prozent für den sogenannten VFR-Verkehr (Visiting Friends and Relatives) reserviert sind. Der Standort Palma de Mallorca ist dabei, wie von Bischof betont, zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der neuen Strategie geworden. Das Streckennetz wurde entsprechend angepaßt, indem Business-Destinationen teilweise eingestellt und Frequenzen auf touristisch attraktiven Routen erhöht wurden.
Die Entscheidung scheint sich auszuzahlen. Eurowings konnte sich in einem sehr kompetitiven Markt neu positionieren und profitabel agieren. Bischof rechnet damit, daß das Unternehmen auch in diesem Jahr wieder einen Gewinn im dreistelligen Millionenbereich erzielen wird. Dieser Erfolg sei maßgeblich auf die konsequente Neuausrichtung zurückzuführen, die es der Fluggesellschaft ermöglichte, die veränderte Nachfrage der Reisenden optimal zu bedienen. Die Fokussierung auf den Ferienverkehr hat das Unternehmen unabhängiger von den schwankenden Buchungszahlen großer Konzerne gemacht.
Eurowings Holidays: Ein neues Standbein für höhere Margen
Als weiteren Schritt zur Diversifizierung und Erhöhung der Margen hat Eurowings den Aufbau eines eigenen Reiseveranstalters, Eurowings Holidays, angekündigt. Diese Initiative zielt darauf ab, nicht mehr nur den reinen Flug anzubieten, sondern komplette Reisepakete zu verkaufen, die Flüge, Hotels und andere Dienstleistungen umfassen. Jens Bischof begründete diesen Schritt mit den „höheren Margenaussichten“, die das Paketgeschäft bietet. Die Fluggesellschaft strebt an, die Konzerngewinnmarge von acht Prozent (bereinigtes EBIT) zu erreichen, und das Paketgeschäft soll hierbei eine entscheidende Rolle spielen.
Die Erwartungshaltung ist, daß der durchschnittliche Preis eines Reisepakets etwa das Dreifache des reinen Flugpreises ausmacht. Durch die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette, vom Flug bis zur Unterkunft, kann Eurowings die Margen in einem Umfang steuern, der im reinen Fluggeschäft nicht möglich ist. Das neue Geschäftsfeld positioniert Eurowings in direkter Konkurrenz zu traditionellen Reiseveranstaltern und zwingt diese, ihre eigenen Preis- und Produktstrategien zu überdenken.
Auswirkungen der wirtschaftlichen Situation in Deutschland
Die Erholung des Geschäftsreiseverkehrs, die Eurowings beobachtet, ist ein Indiz für die schrittweise Normalisierung der Wirtschaft, auch wenn sich Deutschland, so Bischof, noch nicht in einem vollen Aufschwung befindet. Die leichte, aber stabile Zunahme von Dienstreisen, insbesondere aus dem Mittelstand, könnte ein Zeichen dafür sein, daß die Unternehmen wieder bereit sind, in persönliche Kontakte zu investieren. Während große Konzerne aufgrund ihrer Größe und komplexeren Strukturen vorsichtiger agieren, zeigt der Mittelstand eine größere Flexibilität und Reisebereitschaft.
Jens Bischof machte jedoch deutlich, daß eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau im Geschäftsreiseverkehr unwahrscheinlich ist. Die Verhaltensänderungen, die durch die Pandemie ausgelöst wurden, wie die verstärkte Nutzung digitaler Kommunikationsmittel, werden anhalten. Die Fluggesellschaft hat diese Realität erkannt und ihre Strategie entsprechend angepaßt, um nicht von einem Segment abhängig zu sein, das in seiner alten Form möglicherweise nie wieder vollständig zurückkehren wird. Die neue Positionierung von Eurowings als Anbieter eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses, kombiniert mit einer Konzentration auf den wachsenden touristischen Markt, scheint der richtige Weg zu sein, um das Unternehmen in einem sich wandelnden und schwierigen Umfeld erfolgreich zu führen.