Airbus A320neo (Foto: Austrian Airlines).
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Experiment mit A320neo: Austrian Airlines fordert Emirates heraus

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In einem Experiment, das die Geschäftsstrategie der Austrian Airlines (AUA) neu ausrichtet, hat die Fluggesellschaft den sogenannten „Dubai Deal“ angekündigt. Ab dem 1. Dezember 2025 sollen fünf wöchentliche Flüge mit dem wendigen Mittelstreckenjet A320neo die Passagiere von Wien in die pulsierende Metropole im Nahen Osten bringen.

Das Angebot, das mit einem attraktiven Preis ab 314 Euro für den Hin- und Rückflug beworben wird, stellt einen radikalen Bruch mit der traditionellen Langstrecken-Strategie der AUA dar. Statt auf große, aufwendig ausgestattete Jets setzt die Airline auf Effizienz und Auslastung ungenutzter Winterkapazitäten. Der Schritt markiert einen offensiven Versuch, im hart umkämpften Markt der Flugreisen nach Dubai neue Kundengruppen zu erschließen und die Airline als attraktive Option für preissensible Reisende zu positionieren. Der Mitbewerber Emirates setzt auf dieser Route häufig Langstreckenmaschinen des Typs Airbus A380 ein und das mitunter mehrmals täglich. Wizz Air war zeitweise als Konkurrent auf dieser Route unterwegs und setzte auf A321neo. Von Erfolg gekrönt war das nicht, denn man stellte Wien-Dubai ein und erst kürzlich auch Wien-Abu Dhabi, wo man mit Etihad im Wettbewerb stand. Austrian Airlines konnte schon vor vielen Jahren mit Emirates nicht mehr mithalten und zog sich daher von der Dubai-Route zurück. Nun meint man es mit Airbus A320neo besser als Emirates mit Boeing 777 und Airbus A380 machen zu können.

Ein kühnes Experiment in der Luftfahrt

Die Entscheidung der Austrian Airlines, die Strecke nach Dubai mit dem A320neo zu bedienen, ist ein Novum im regulären Flugbetrieb der Langstrecke. Herkömmlicherweise werden Flüge dieser Distanz mit Großraumflugzeugen wie dem Airbus A330 oder der Boeing 777 bedient, die über eine größere Reichweite und eine Ausstattung verfügen, die auf lange Flugzeiten ausgelegt ist, einschließlich Bordunterhaltungssystemen. Die AUA kehrt dieses Konzept um: „Schlanke Flugzeuge, schlanker Preis“ ist das Motto, mit dem das Unternehmen den Markt herausfordern will. Der A320neo, der normalerweise auf den Mittelstrecken eingesetzt wird, soll die Effizienz und die Auslastung der Flotte optimieren.

Annette Mann, die CEO der Austrian Airlines, beschreibt das Vorhaben als einen „mutigen Schritt“, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, ungenutzte Kapazitäten im Winterflugplan zu nutzen. „Ein Flugzeug in der Luft ist immer besser als eines am Boden“, so Mann. Der Winter bringt traditionell Überkapazitäten im Mittelstreckenbereich mit sich, und anstatt die Flugzeuge am Boden zu lassen, sollen sie gewinnbringend eingesetzt werden. Die AUA hat bereits in der Vergangenheit mit kreativen Lösungen experimentiert, um sich im Wettbewerb zu behaupten, und sieht in dem „Dubai Deal“ eine Chance, etwas Neues auszuprobieren.

Das Konzept verzichtet bewusst auf Bordunterhaltungssysteme, die in den Langstreckenjets üblich sind. Dafür sollen Passagiere aber ab Dezember neue Optionen und Features erhalten, um das Flugerlebnis individuell zu gestalten. Einzelheiten zu diesen „cleveren Extras“ und „kleinen Highlights“ sind noch nicht bekannt, dürften aber auf ein Angebot abzielen, das den Mangel an fest installierter Unterhaltung kompensiert. Dies könnte beispielsweise die Möglichkeit umfassen, Filme und Serien auf dem eigenen Endgerät via WLAN-Netzwerk an Bord zu streamen. Trotz der reduzierten Ausstattung bleibt das preisgekrönte Servicekonzept der AUA an Bord, einschließlich des Bordcaterings der Austrian Melangerie.

Der Wettbewerb in der Metropole des Luxus

Mit dem neuen Flugangebot tritt die Austrian Airlines in den direkten Wettbewerb mit den etablierten Anbietern auf der Strecke nach Dubai. Die Route gilt als stark umkämpft, und es herrscht ein „starker und komfortabler Wettbewerb“, wie es AUA-Chefin Annette Mann ausdrückt. Hauptkonkurrent ist die Golf-Airline Emirates, die als eine der besten Fluggesellschaften der Welt gilt und die Strecke von Wien nach Dubai mit Großraumflugzeugen und einem überaus luxuriösen Service bedient. Die AUA positioniert sich mit ihrem „Dubai Deal“ bewusst als preisgünstigere Alternative und zielt auf eine neue Klientel ab, die nicht das volle Langstrecken-Servicepaket benötigt, aber dennoch den Komfort und die Verlässlichkeit einer renommierten Fluglinie schätzt.

Die neue Strategie der AUA fügt sich in einen breiteren Trend der Luftfahrtindustrie ein, in dem Fluggesellschaften zunehmend auf ein differenziertes Angebot setzen, um unterschiedliche Kundensegmente anzusprechen. Billigfluggesellschaften haben den Markt für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen revolutioniert, und nun versuchen auch traditionelle Carrier, sich in diesem Segment zu positionieren. Die AUA hat bereits ihre Flotte mit dem A320neo modernisiert und die Effizienz ihrer Kurz- und Mittelstreckenflüge gesteigert. Mit dem „Dubai Deal“ überträgt sie dieses Erfolgsmodell auf eine Langstreckenroute und testet, ob sich das Konzept auch auf einer längeren Distanz bewährt.

Der Testlauf ist auf eine begrenzte Zeit von Dezember 2025 bis März 2026 angesetzt. Die AUA betont, dass die Entscheidung über eine dauerhafte Aufnahme der Route in den Flugplan vom Erfolg dieses Experiments abhängen wird. Dies ermöglicht es der Airline, flexibel auf die Marktentwicklung zu reagieren und das Risiko eines Fehlschlags zu minimieren.

Mehr Sonnenschein im Winterflugplan

Neben dem „Dubai Deal“ erweitert die Austrian Airlines ihr Angebot für die Wintersaison 2025/2026 auch auf anderen attraktiven Fernreisezielen. Die Kapazitäten nach Malé und Mauritius werden aufgestockt, und die Flüge nach Bangkok sollen wieder zweimal täglich angeboten werden. Diese strategischen Entscheidungen spiegeln das ungebrochene Verlangen der Passagiere nach Fernreisen wider, insbesondere zu Zielen mit Sonnengarantie. Die AUA reagiert auf diese Nachfrage, um sich im Wettbewerb mit anderen Fluggesellschaften zu behaupten, die ebenfalls auf eine Expansion auf der Langstrecke setzen. Die Destination Dubai reiht sich somit ein in eine Reihe von sonnigen Winterzielen, die die AUA ihren Passagieren anbietet.

Die Tarife für den „Dubai Deal“ sind gestaffelt und bieten Reisenden Flexibilität. Der Einstiegstarif „Economy Light“ ab 314 Euro umfasst 8 kg Handgepäck, während „Economy Classic“ für 374 Euro bereits ein aufgegebenes Gepäckstück von 23 kg beinhaltet. Für Geschäftsreisende oder Kunden, die mehr Komfort wünschen, steht die „European Business Class“ zur Verfügung, die ab 699 Euro mit einem freien Mittelsitz, Do&Co-Catering und zwei aufgegebenen Gepäckstücken aufwartet. Die AUA spricht damit eine breite Palette an Kunden an, von preisbewussten Reisenden bis hin zu Vielfliegern und Meilensammlern. Das Experiment mit dem A320neo nach Dubai wird von vielen Branchenbeobachtern mit Spannung verfolgt, da es Aufschluss darüber geben könnte, wie sich Fluggesellschaften in Zukunft in einem sich wandelnden Markt positionieren werden.

Ob das Konzept aufgeht, wird sich zeigen. Jedenfalls konnte Austrian Airlines in der Vergangenheit mit dem Konkurrenten Emirates nicht mithalten und zog sich von der Dubai-Route zurück. Wizz Air war ebenfalls nicht erfolgreich und zwar weder gegen Emirates auf Wien-Dubai noch gegen Etihad auf Wien-Abu Dhabi. Jahrelang nutzte Austrian Airlines den damals sehr guten Draht zum österreichischen Verkehrsministerium, um zunächst die A380-Erstflüge zu verschleppen und später die Aufstockung der Frequenzen zu blockieren. Österreich blamierte sich damals international, weil mit fadenscheinigen Begründungen wie „keine Nachfrage“ oder „Marktverzerrungen“ die Streckengenehmigungen so lange wie irgendwie möglich durch das Ministerium verweigert wurden. Letztlich musste man nach Rechtsmitteln einknicken, wenn auch nie öffentlich und offiziell ausgesprochen ist recht klar wen die Behörden protegiert haben könnten.

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