Lockheed Martin F-35 (Foto: U.S. Air Force photo by Master Sgt. Donald R. Allen).
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F-35: Schweiz hält an Lieferung fest, kämpft aber gegen Verzögerungen und politische Turbulenzen

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Trotz wachsender Bedenken und politischer Gegenwehr hält die Schweiz am geplanten Zeitplan für die Lieferung ihrer F-35A-Kampfflugzeuge fest. Die Rüstungsagentur Armasuisse bestätigte am 6. September 2025, daß die ersten Jets wie geplant ab Mitte 2027 eintreffen sollen.

Dies ist bemerkenswert, da das F-35-Programm, insbesondere die für die Schweiz relevante „Block 4“-Konfiguration, mit erheblichen Verzögerungen und technischen Problemen zu kämpfen hat. Die Entscheidung der Schweiz, den Kurs beizubehalten, wird vor dem Hintergrund eines eskalierten Handelsstreits mit den Vereinigten Staaten und politischer Kritik an den steigenden Kosten getroffen. Die Regierung in Bern steht unter Druck, das milliardenschwere Projekt zu rechtfertigen, während sie gleichzeitig die Modernisierung ihrer alternden Luftwaffenflotte vorantreibt.

Technische Probleme überschatten das F-35-Programm

Das F-35-Programm ist derzeit mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, die hauptsächlich auf das Technology Refresh 3 (TR-3)-Upgrade zurückzuführen sind. Dieses 1,9 Milliarden US-Dollar teure Hard- und Software-Modernisierungspaket, das die Grundlage für die Block 4-Fähigkeiten bildet, ist bereits drei Jahre im Verzug. TR-3 soll die Rechenleistung und Sensoren der Flugzeuge verbessern, um die Integration neuer Waffensysteme und eine verbesserte elektronische Kampfführung zu ermöglichen.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des US Government Accountability Office (GAO), des Rechnungshofes der US-Regierung, bestätigt die ernsten Probleme. Dem Bericht zufolge mußte das Pentagon 174 provisorisch gelieferte F-35-Jets entgegennehmen, die nicht voll kampffähig sind. Alle 110 Flugzeuge, die im Jahr 2024 ausgeliefert wurden, waren verspätet, mit einer durchschnittlichen Verzögerung von 238 Tagen, was fast viermal so lange ist wie im Jahr 2023. Das GAO warnte weiter, daß die vollständige Block 4-Aufrüstung mindestens fünf Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt und die Kosten um 6 Milliarden US-Dollar überschritten hat. Einige der ursprünglich geplanten Funktionen sollen erst später durch Software-Updates nachgeliefert werden.

Trotz dieser Schwierigkeiten ist Armasuisse zuversichtlich. Ein Sprecher der Agentur versicherte, daß die Schweizer Jets in einer betriebsbereiten Konfiguration ausgeliefert werden. Die Schweizer Luftwaffe soll ihre Flugzeuge mit der aktuellen F135-Triebwerkskonfiguration betreiben können, ohne daß ein baldiger Austausch erforderlich sei. Größere Upgrades am Triebwerk und Kühlsystem, die als Power and Thermal Management Upgrade (PTMU) zusammengefaßt werden, werden voraussichtlich erst ab Mitte der 2030er Jahre erwartet.

Die ersten Schweizer Piloten und Wartungstechniker sollen vor der Auslieferung im Jahr 2027 ihr Training in den Vereinigten Staaten beginnen, um die reibungslose Übernahme der Flugzeuge zu gewährleisten.

Politischer Widerstand und finanzielle Risiken

Der Kauf der F-35-Flugzeuge war von Anfang an politisch umstritten. Im September 2020 wurde das Beschaffungsprojekt in einer Volksabstimmung mit nur knapper Mehrheit von 50,1 Prozent angenommen, ein Zeichen der tiefen Spaltung in der Schweizer Bevölkerung. Seitdem ist die politische Opposition, insbesondere aus dem linken Spektrum, weiter gewachsen.

Die jüngsten Entwicklungen haben die Debatte neu entfacht. Am 1. August 2025 verhängte der US-Präsident einen Strafzoll von 39 Prozent auf Schweizer Importe, was in Bern für Empörung sorgte. Linke Abgeordnete sehen in dieser Maßnahme ein erhebliches Risiko für die Kosten des F-35-Deals, da die zusätzlichen Zölle die Gesamtkosten um bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar erhöhen könnten. Dies stellt die ursprüngliche Festpreisgarantie in Frage, die von der Schweiz vertraglich ausgehandelt wurde. Die Regierung in Bern hat bereits diplomatische Gespräche mit Washington geführt, um eine Lösung zu finden, aber die Situation bleibt angespannt.

Die Befürworter der Anschaffung argumentieren, daß eine Annullierung des Vertrags die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA nachhaltig schädigen würde. Sie betonen die dringende Notwendigkeit, die veraltete Flotte der Schweizer Luftwaffe, die noch immer auf die F/A-18 Hornet als primäres Kampfflugzeug angewiesen ist, zu modernisieren. Die Schweizer Regierung hält an dem Deal fest, weil sie dem F-35, der auch in Europa weit verbreitet ist, einen signifikanten technologischen Vorsprung gegenüber anderen Optionen bescheinigt.

Offene Fragen und die Rolle von Armasuisse

Angesichts der wachsenden Bedenken besuchte Urs Loher, der Schweizerische Rüstungschef, Anfang August 2025 die Produktionsstätten von Lockheed Martin in Fort Worth, Texas. Der Besuch, den Armasuisse als routinemäßige Konsultation zur Überwachung des Programmfortschritts und zur Klärung der industriellen Zusammenarbeit bezeichnete, war ein Versuch, die Lage zu beruhigen und Transparenz zu schaffen. Ein wichtiger Aspekt der Gespräche waren die Offset-Geschäfte, die sicherstellen sollen, daß ein Teil der Investition in die Schweizer Industrie zurückfließt und Arbeitsplätze schafft.

Die Schweizer Industrie soll Aufträge im Wert von rund 2,9 Milliarden Franken erhalten, was einen integralen Bestandteil des Vertrags darstellt. Die Überprüfung der Einhaltung dieser Vereinbarungen ist eine kontinuierliche Aufgabe für Armasuisse.

Trotz der politischen und technischen Turbulenzen hat die Schweiz ihre Position beibehalten. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht deutet darauf hin, daß die Regierung die Annahmen des Beschaffungsprozesses kritisch überprüfen wird, aber die grundsätzliche Verpflichtung zum Kauf der F-35 bleibt bestehen. Die Ankunft der ersten F-35-Jets, die aus den USA und später aus der italienischen Produktionsstätte in Cameri geliefert werden sollen, ist für die Schweiz ein wichtiger Schritt zur Stärkung ihrer Verteidigungsfähigkeit.

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