Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat angekündigt, die täglichen Flugbewegungen am Chicago O’Hare International Airport für die kommende Sommersaison auf 2800 Starts und Landungen zu begrenzen.
Hintergrund dieser drastischen Maßnahme ist eine massive Ausweitung der Flugpläne durch die beiden Hauptnutzer United Airlines und American Airlines. Für den Zeitraum vom 29. März bis zum 25. Oktober 2025 haben die Fluggesellschaften an Spitzentagen bis zu 3080 Operationen angemeldet, was eine erhebliche Steigerung gegenüber den 2680 Bewegungen des Vorjahressommers darstellt. Die FAA warnt eindringlich davor, dass eine solche Belastung das Start- und Landebahnsystem, die Terminals sowie die Kapazitäten der Flugsicherung überfordern würde.
Zusätzliche Branchenanalysen deuten darauf hin, dass dieser Kapazitätssprung primär auf einen verschärften Wettbewerb um Gate-Zuweisungen und Marktanteile zwischen United und American zurückzuführen ist. United Airlines plant allein eine Steigerung ihrer Mainline-Abflüge um 20 Prozent auf bis zu 780 tägliche Flüge. Da der Flughafen O’Hare derzeit umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen im Rahmen des „O’Hare 21“-Projekts durchläuft, stehen zeitweise weniger operative Flächen zur Verfügung, was die Pünktlichkeit bei einem ungebremsten Wachstum massiv gefährden würde. FAA-Chef Bryan Bedford hat die Fluggesellschaften bereits zu Krisengesprächen einbestellt, um eine freiwillige Reduzierung der Kontingente zu erreichen und ein Chaos wie im vergangenen Jahr in Newark zu verhindern.
Die regulatorische Intervention der FAA wird von Experten als notwendiger Schritt gesehen, um die Sicherheit und Effizienz im US-Luftraum zu gewährleisten. In der Vergangenheit führten ähnliche Überkapazitäten an Knotenpunkten wie New York-JFK oder Newark zu kaskadenartigen Verspätungen im gesamten nationalen Flugnetz. Da Chicago als eines der wichtigsten Drehkreuze der Welt fungiert, hätten massive Verzögerungen dort globale Auswirkungen auf den Transatlantik- und Inlandsverkehr. Die Behörde macht deutlich, dass die Infrastruktur am Boden nicht mit dem aggressiven Expansionsdrang der Airlines Schritt halten kann, solange die personellen Ressourcen in der Flugsicherung weiterhin unterbesetzt sind. Sollten die Verhandlungen zwischen der Behörde und den Fluggesellschaften scheitern, könnte die FAA formelle Slots vergeben und damit die unternehmerische Freiheit der Airlines am Standort Chicago dauerhaft einschränken. Für Passagiere bedeutet die geplante Deckelung zwar ein potenziell stabileres Flugangebot mit weniger streichungsbedingten Ausfällen, allerdings könnten die reduzierten Kapazitäten bei gleichzeitig hoher Nachfrage zu steigenden Ticketpreisen auf den betroffenen Routen führen. Die endgültige Entscheidung über die Verteilung der 2800 täglichen Slots wird nach Abschluss der Konsultationen in den kommenden Wochen erwartet.