Die Betreibergesellschaft des Flughafens Köln/Bonn hat sich der internationalen Initiative „Hidden Disabilities Sunflower“ angeschlossen. Seit dem 9. Juli 2026 stellt das Unternehmen an seinen Informationsschaltern im Terminal 1 kostenfrei spezielle, grüne Schlüsselbänder mit einem Sonnenblumen-Symbol bereit.
Diese Kennzeichnung soll es Passagieren mit Einschränkungen wie Autismus, ADHS, Demenz oder chronischen Schmerzen ermöglichen, ihre Bedürfnisse nach mehr Zeit oder diskreter Unterstützung im Abfertigungsprozess auf freiwilliger Basis zu signalisieren. Ein formeller Nachweis oder die Vorlage eines Schwerbehindertenausweises ist für den Erhalt des Bandes nicht erforderlich.
Das Flughafenpersonal im Bereich der Bodenverkehrsdienste wurde im Vorfeld der Einführung geschult, um die Träger des Symbols frühzeitig zu erkennen und im Servicealltag sensibler zu reagieren. Die Betreibergesellschaft betont jedoch ausdrücklich, dass das Tragen des Schlüsselbandes keinen rechtlichen Anspruch auf eine bevorzugte Behandlung, eine Beschleunigung der Sicherheitskontrollen oder gesonderte, kostenlose Serviceleistungen begründet. Passagiere, die auf physische Hilfe oder eine lückenlose Begleitung angewiesen sind, müssen diesen Bedarf weiterhin wie gesetzlich vorgeschrieben vorab über die jeweilige Fluggesellschaft im Rahmen des regulären PRM-Betreuungsservice (Passengers with Reduced Mobility) anmelden.
In der Luftfahrtbranche wird die Einführung solcher Systeme mit differenzierter Resonanz beobachtet. Das im Jahr 2016 in Großbritannien entwickelte Sonnenblumen-Konzept wird mittlerweile von zahlreichen internationalen Drehkreuzen sowie von Fluggesellschaften wie der Lufthansa-Gruppe oder Ryanair unterstützt. Luftfahrtexperten weisen darauf hin, dass die rein freiwillige Kennzeichnung eine kostengünstige Möglichkeit darstellt, um den Service für bestimmte Passagiergruppen zu verbessern, ohne zusätzliche bauliche oder personalintensive Infrastrukturen zu schaffen. Es entlastet die operativen Abläufe an den Kontrollpunkten, wenn Missverständnisse zwischen Personal und Reisenden durch die visuelle Signalisierung reduziert werden.
Kritische Stimmen aus Behindertenverbänden geben jedoch zu bedenken, dass die freiwillige Kennzeichnung das strukturelle Problem des allgemeinen Personalmangels an europäischen Flughäfen nicht löst. In Phasen hoher Verkehrsbelastung, wie den Sommerferien, stoßen auch geschulte Mitarbeiter aufgrund enger Taktungen bei der Passagierabfertigung schnell an zeitliche Grenzen. Zudem birgt die Stigmatisierung durch ein sichtbares Band im öffentlichen Raum für einige Betroffene Barrieren, weshalb die Nutzung im Vorfeld oft kontrovers diskutiert wird. Die langfristige Wirksamkeit des Systems am Standort Köln/Bonn hängt somit maßgeblich davon ab, ob trotz des wirtschaftlichen Rationalisierungsdrucks im Bodenbetrieb ausreichend Zeitfenster für eine individuelle Betreuung im Terminal verbleiben.