Flughafen Linz (Foto: Michael David).
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Flughafen Linz verliert Frachtflüge der Turkish Airlines

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Der Flughafen Linz-Hörsching steht vor einer signifikanten Veränderung in seinem Frachtgeschäft. Ab Ende März 2026 wird die Fluggesellschaft Turkish Airlines ihre wöchentlichen Frachtflüge vom oberösterreichischen Standort abziehen. Damit verliert der Flughafen bis zu ein Viertel seiner regelmäßigen Luftfrachtverbindungen, was unmittelbare Auswirkungen auf die Einnahmen aus den Landeentgelten hat. Während die Flughafenleitung betont, dass das Frachtaufkommen durch den sogenannten Trucking-Dienst physisch am Standort erhalten bleibt, wächst der politische Druck auf das Management.

Die Opposition fordert angesichts sinkender Tonnagen und des Verlusts wichtiger Carrier eine umfassende Neuausrichtung des Airports. Trotz der aktuellen Turbulenzen bleibt der Frachtsektor das wichtigste wirtschaftliche Standbein des Flughafens, wobei insbesondere die Präsenz des Logistikriesen DHL für eine Grundauslastung der Infrastruktur sorgt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es dem Flughafen gelingt, Turkish Airlines für den Winterflugplan zurückzugewinnen oder ob sich der Trend zur Verlagerung in Richtung der osteuropäischen Drehkreuze wie Budapest verfestigt.

Logistische Neuausrichtung und die Rolle des Ersatzverkehrs

Der Rückzug von Turkish Airlines bedeutet nicht das vollständige Ende der Zusammenarbeit, wohl aber eine massive Verschiebung der Transportwege. Bisher landeten bis zu vier Frachtmaschinen pro Woche in Hörsching, um Waren direkt nach Istanbul und von dort in das weltweite Netzwerk der Airline zu transportieren. Künftig wird die Logistikkette zweigeteilt: Die Fracht aus der oberösterreichischen Industrie wird zwar weiterhin am Linzer Flughafen angeliefert, dort abgefertigt und für den Flugtransport auf Paletten vorbereitet, der Abtransport erfolgt jedoch über die Straße.

In einer ersten Phase bis Juni werden Lastwagen die Fracht zum Flughafen Wien-Schwechat bringen. Ab Juli verschiebt sich der Fokus weiter nach Osten zum Flughafen Budapest, den Turkish Airlines künftig verstärkt als regionales Frachtdrehkreuz nutzen will. Dieses Verfahren, in der Branche als Road Feeder Service bekannt, ist am Flughafen Linz bereits etabliert. Aktuell werden rund 70 Prozent des gesamten Frachtvolumens per Lkw zu anderen Flughäfen transportiert, während nur 30 Prozent direkt in Hörsching abheben. Der Sprecher des Flughafens, Ingo Hagedorn, wies darauf hin, dass diese Form des Umschlags im internationalen Luftfrachtgeschäft üblich sei, räumte jedoch ein, dass der Wegfall der direkten Flugverbindungen finanzielle Einbußen bei den Landegebühren nach sich zieht.

Wirtschaftliche Kennzahlen und die Bedeutung der Luftfracht

Die Bedeutung der Frachtsparte für den Flughafen Linz lässt sich an den Betriebszahlen des vergangenen Jahres ablesen. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 47.865 Tonnen Luftfracht umgeschlagen. Dies entsprach einem Rückgang von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024. Von diesem Gesamtaufkommen wurden 15.215 Tonnen tatsächlich geflogen, was einem Anteil von knapp 32 Prozent entspricht. Der Rest entfiel auf den Lkw-Ersatzverkehr. Der Verlust von Turkish Airlines trifft somit einen Bereich, der ohnehin bereits mit Mengenrückgängen zu kämpfen hatte.

Trotz des Abzugs der türkischen Staatsairline bleibt ein wichtiger Ankerpunkt bestehen: Der deutsche Expressdienst DHL operiert weiterhin zwölfmal wöchentlich von Linz aus. Diese Kontinuität ist für den Flughafen essenziell, da die spezialisierte Abfertigung von Expressgut eine hohe Auslastung der Bodenabfertigungsdienste garantiert. Dennoch hinterlässt der Wegfall der vier wöchentlichen Turkish-Airlines-Flüge eine Lücke im Flugplan, die kurzfristig schwer zu füllen sein wird. Die Hoffnung des Managements ruht auf Verhandlungen für den Winterflugplan 2026, in der Hoffnung auf eine Rückkehr der Frachtmaschinen ab Ende Oktober.

Politische Reaktionen und Forderungen nach Restrukturierung

Die Ankündigung des Rückzugs löste in der oberösterreichischen Landespolitik heftige Debatten aus. Für die Grünen stellt die Entscheidung eine Hiobsbotschaft dar, da nun auch der bisher profitable Frachtbereich unter Druck gerät. Landessprecher Stefan Kaineder mahnte tragfähige und langfristige Strategien für die Zukunft des Flughafens an. Er sieht die Gefahr, dass der Airport schleichend an Bedeutung verliert, wenn keine neuen Geschäftsmodelle entwickelt werden.

Ähnliche Kritik kam von den Neos. Landessprecher Felix Eypeltauer forderte eine umfassende Neupositionierung und Restrukturierung des Flughafens. Er kritisierte mangelnde Transparenz über die wirtschaftliche Zukunft und betonte, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe zu erfahren, wie der Standort angesichts der globalen Veränderungen im Logistiksektor gesichert werden soll. Der Verlust der Cargo-Flüge wird hierbei als Symptom für eine tiefere strukturelle Krise gewertet, die über rein saisonale Schwankungen hinausgeht.

Die Konkurrenz der osteuropäischen Drehkreuze

Der geplante Wechsel des Abtransportpunkts von Wien nach Budapest ab Juli verdeutlicht einen größeren Trend in der europäischen Luftfahrtlogistik. Budapest hat sich in den letzten Jahren massiv als Frachtknotenpunkt positioniert und investiert stark in moderne Cargo-Terminals. Die Entscheidung von Turkish Airlines, Kapazitäten von Linz nach Budapest zu verlagern, steht im Einklang mit der Strategie vieler Carrier, ihre Frachtströme an wenigen, hochfrequentierten Standorten zu bündeln.

Für den Flughafen Linz bedeutet diese Entwicklung eine Verschärfung des Wettbewerbs. Als Regionalflughafen muss Hörsching seine Nische zwischen den großen Hubs in Wien, München und den aufstrebenden Standorten im Osten finden. Die Stärke von Linz liegt traditionell in der schnellen Abfertigung und der unmittelbaren Nähe zur starken oberösterreichischen Industrie. Ob diese Standortvorteile ausreichen, um künftig wieder mehr Fracht direkt in die Luft zu bringen, bleibt abzuwarten. Die Verlagerung auf die Straße spart den Airlines oft Kosten, erhöht jedoch die Komplexität der Logistikketten für die regionalen Unternehmen.

Ausblick auf den Winterflugplan und strategische Ziele

Das Flughafenmanagement setzt nun alles daran, die Lücke im Flugplan so gering wie möglich zu halten. Die Historie zeigt, dass Rückzüge nicht endgültig sein müssen; bereits im April 2020 kehrte Turkish Airlines nach einer Pause zum Standort zurück. Die Gespräche über eine Wiederaufnahme der Flüge im Herbst laufen bereits. Parallel dazu muss der Flughafen versuchen, die Effizienz im Bereich des Trucking-Umschlags weiter zu steigern, um die Verluste bei den Landeentgelten durch höhere Volumina in der Bodenabfertigung zumindest teilweise zu kompensieren.

Die Herausforderung für das Jahr 2026 wird darin bestehen, den Abwärtstrend beim Frachtvolumen zu stoppen. Eine Stabilisierung der Tonnagen ist die Voraussetzung dafür, dass der Flughafen Linz seine Rolle als zweitwichtigster Cargo-Standort in Österreich hinter Wien behaupten kann. Die Unterstützung durch die Gesellschafter – das Land Oberösterreich und die Stadt Linz – wird dabei entscheidend sein, um notwendige Investitionen in die Infrastruktur zu ermöglichen und den Standort für internationale Carrier attraktiv zu halten.

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