Der Regionalflughafen Paderborn/Lippstadt führt eine umfassende Neubenennung seiner Start- und Landebahn durch. Wie die Flughafenleitung offiziell bekannt gab, ändert sich die Kennzeichnung der 2180 Meter langen Asphaltpiste grundlegend.
In südwestlicher Anflugrichtung wird die Bahn künftig unter der Nummer 23 statt bisher 24 geführt, während die Gegenrichtung in Nordost-Ausrichtung die Kennung 05 statt der alten 06 erhält. Notwendig wird diese Maßnahme durch die kontinuierliche Verschiebung des geomagnetischen Nordpols, der sich durch geophysikalische Prozesse im flüssigen äußeren Erdkern bewegt. Da sich die Pistenbezeichnungen weltweit an den Gradzahlen des Kompasses orientieren und auf die nächste Zehnerstelle gerundet werden, müssen Flughäfen ihre Kennzeichnungen anpassen, sobald die Abweichung zu groß wird.
Laut Aussage von Flughafengeschäftsführer Roland Hüser kam die Änderung für das operative Management nicht überraschend, sondern war durch kontinuierliche Messungen der zuständigen Flugsicherungsbehörden bereits seit rund zwei Jahren absehbar. Die Wanderung des Magnetpols beträgt derzeit fast 50 Kilometer pro Jahr, was im Laufe der Zeit zu einer messbaren Veränderung der magnetischen Missweisung führt. Sobald der reale Kompasskurs der Piste die Grenze zum nächsten Dekadengrad überschreitet, erlischt die Gültigkeit der alten Kennzeichnung. Für den reibungslosen und sicheren Flugbetrieb ist eine exakte Übereinstimmung der visuellen Bahnmarkierungen mit den Navigationsdaten in den Cockpits der Flugzeuge zwingend vorgeschrieben.
Die administrative und technische Umsetzung der Umbenennung erfordert einen erheblichen logistischen Aufwand auf dem gesamten Flughafengelände. Neben der großflächigen Neumarkierung auf dem Asphalt der Piste müssen sämtliche Hinweisschilder auf dem Vorfeld, den Rollwegen und an den Haltebauten ausgetauscht oder modifiziert werden. Parallel dazu erfolgt eine komplexe Anpassung der internen IT-Systeme, der Flugsicherungssoftware sowie aller nationalen und internationalen Luftfahrthandbücher und Anflugkarten. Im Zuge des Schildertausches setzt der Airport auf modernisierte LED-Technik, durch welche die elektrische Leistungsaufnahme pro Leuchtelement von ehemals 220 Watt auf 108 Watt gesenkt werden kann.
Derartige Anpassungen aufgrund der Erdmagnetismus-Dynamik sind im internationalen Luftverkehr ein wiederkehrendes Phänomen, das in den vergangenen Jahren bereits mehrere Großflughäfen weltweit betraf. Jede Änderung muss präzise mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) und der europäischen Luftfahrtbehörde Eurocontrol koordiniert werden, um Irritationen bei den Piloten im Landeanflug zu vermeiden. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt führt die Arbeiten schrittweise durch, wobei die finalen Umschaltungen in den Systemen zumeist in den verkehrsarmen Nachtstunden stattfinden, um den laufenden Linien- und Urlaubsflugverkehr nicht zu beeinträchtigen.