Globus (Foto: Michael Gaida/Pixabay).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Forderung nach konkreten Fristen und Maßnahmen zur Umsetzung des gemeinsamen afrikanischen Luftverkehrsmarktes

Werbung

Die Führung der ruandischen Staatsfluggesellschaft RwandAir dringt auf ein verstärktes Handeln der afrikanischen Staaten bei der Verwirklichung des gemeinsamen Luftverkehrsmarktes auf dem Kontinent. Yvonne Manzi Makolo, Hauptgeschäftsführerin der Fluggesellschaft, forderte im Vorfeld des Africa Mindset Reset Forums in Kigali die Bildung einer Initiativgruppe von Staaten, die sich auf verbindliche Zeitpläne und messbare Ergebnisse verständigen soll.

Ziel sei es, die seit Jahren festgeschriebenen Abkommen zur Liberalisierung des afrikanischen Luftraums endlich in die Praxis überzuführen. Trotz der Unterzeichnung entsprechender Rahmenvereinbarungen durch zahlreiche Länder behindern nach wie vor administrative Hürden, hohe Gebühren, blockierte Airline-Einnahmen und eine unzureichende Vernetzung den zivilen Luftverkehr innerhalb Afrikas.

Verzögerungen bei der Umsetzung des gemeinsamen Luftverkehrsmarktes

Die rechtliche Grundlage für die Öffnung des afrikanischen Luftraums bildet der Single African Air Transport Market, der im Rahmen der Agenda 2063 der Afrikanischen Union ins Leben gerufen wurde. Bislang sind 38 afrikanische Staaten dieser Vereinbarung beigetreten, und in den vergangenen Jahren wurden rechnerisch mehr als 100 innerafrikanische Flugverbindungen neu geschaffen. Dennoch hinkt die praktische Ausgestaltung den politischen Absichtserklärungen hinterher.

In einem Fachbeitrag für die East Africa Media Group wies Makolo darauf hin, dass die grundlegenden Hemmnisse der afrikanischen Luftfahrtbranche längst nicht mehr auf der Ebene der Grundsatzpolitik liegen, sondern in der mangelhaften Exekution. Der Fortschritt dürfe nicht an der Zahl unterzeichneter Protokolle gemessen werden, sondern an sinkenden Ticketpreisen, einer verbesserten Streckenführung und der Auszahlung von feststeckenden Einnahmen. Die Luftverkehrsgrenzen seien nicht von Natur aus geschlossen, sondern durch verzögerte bürokratische Prozesse bedingt.

Hohe Abgabenstruktur und blockierte Kapitalbestände im afrikanischen Luftfahrtsektor

Ein wesentliches Hindernis für die Entwicklung des Luftverkehrs innerhalb Afrikas stellt die Kostenstruktur dar. Nach Branchenerhebungen machen staatliche Steuern, Flughafengebühren und Überflugentgelte auf einigen regionalen Strecken nahezu die Hälfte des Gesamtticketpreises aus. Im Durchschnitt liegen die Abgaben und Gebühren in der afrikanischen Zivilluftfahrt um etwa 15 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt. Dies führt dazu, dass Flüge zwischen afrikanischen Metropolen für breite Bevölkerungsschichten unerschwinglich bleiben.

Ein weiteres drängendes Problem ist die Repatriierung von Einnahmen internationaler und regionaler Fluggesellschaften. Nach Daten der International Air Transport Association blieben im März 2026 Einnahmen in Höhe von knapp 774 Millionen US-Dollar in verschiedenen afrikanischen Staaten blockiert. Aufgrund von Devisenmangel und staatlichen Kapitalverkehrskontrollen können Fluggesellschaften erzielte Erlöse aus dem Ticketverkauf in einigen Ländern nicht in Hartwährung auf ihre Heimatkonten überweisen. Dies schränkt die finanzielle Handlungsfähigkeit der betroffenen Carrier stark ein und bremst Investitionen in neue Strecken.

Defizite bei der Netzabdeckung und Hindernisse bei Kooperationen

Die mangelnde Marktöffnung spiegelt sich auch in der tatsächlichen Netzabdeckung wider. Lediglich 19 Prozent der innerafrikanischen Städteverbindungen werden durch Direktflüge bedient. Für Passagiere, die zwischen verschiedenen Regionen des Kontinents reisen wollen, bedeutet dies häufig zeitraubende Umsteigeverbindungen. In vielen Fällen sind Afrikas Fluggesellschaften eher in der Lage, Kooperationen und Codeshare-Abkommen mit außerafrikanischen Anbietern aus Europa oder der Golfregion einzugehen als mit Partnern auf dem eigenen Kontinent. Dies führt zu dem Effekt, dass Passagiere bei Reisen zwischen zwei afrikanischen Orten nicht selten den Umweg über Drehkreuze außerhalb Afrikas nehmen müssen.

Um diese Strukturschwächen zu beheben, schlägt die Führung von RwandAir drei Prioritäten vor. Neben der zeitnahen Freigabe der blockierten Finanzeinnahmen wird eine engere kommerzielle Zusammenarbeit der afrikanischen Fluggesellschaften durch Interline-Abkommen und die verstärkte Einräumung von Streckenrechten der fünften Freiheit gefordert. Diese Rechte erlauben es einer Fluggesellschaft, Passagiere zwischen zwei Drittstaaten an Bord zu nehmen. Zudem wird eine Abstimmung zwischen dem Luftverkehrsmarkt SAATM und dem Protokoll der Afrikanischen Union über die freie Personenfortbewegung gefordert, um Grenzkontrollen und Visabestimmungen für Reisende zu vereinfachen.

Perspektiven für den afrikanischen Luftverkehrsmarkt

Die Diskussionen im Rahmen des Africa Mindset Reset Forums am 25. August 2026 und 26. August 2026 in der ruandischen Hauptstadt Kigali haben gezeigt, dass der Druck auf die Regierungen des Kontinents wächst. Die Aufrechterhaltung protektionistischer Maßnahmen zum Schutz nationaler Fluggesellschaften verhindert den Aufbau funktionierender Luftverkehrsknotenpunkte.

Ob die Initiative zu einer schnelleren Harmonisierung der Bestimmungen führt, hängt von der Bereitschaft der einzelnen Mitgliedstaaten ab, nationale Sonderregelungen abzubauen. Experten betonen, dass ein funktionierender Luftverkehrsmarkt eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone darstellt. Ohne verlässliche und bezahlbare Transportwege bleibt das wirtschaftliche Austauschpotenzial der Region begrenzt.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung