Streik (Foto: Markus Spiske/Unsplash).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Frankreichs Himmel in der Schwebe: Neuer Fluglotsenstreik angekündigt

Werbung

Die europäische Luftfahrt steht erneut vor einer Bewährungsprobe. Eine Mehrheitsgewerkschaft der französischen Fluglotsen, die SNCTA, hat für den 18. September 2025 einen weiteren Streik angekündigt.

Die Ankündigung vom 26. August folgt auf das Scheitern eines Dialogs mit der Direction Générale de l’Aviation Civile (DGAC), der nationalen Zivilluftfahrtbehörde. Die Fluglotsen fordern eine Lohnanpassung an die Inflationsentwicklung im Jahre 2024 sowie eine grundsätzliche Überarbeitung der Arbeitsbeziehungen. Die Nachricht löst bei Fluggesellschaften und Reisenden in ganz Europa grosse Besorgnis aus, da ein ähnlicher Streik im Juli 2025 bereits zu massiven Störungen im Flugverkehr führte.

Die anhaltende Auseinandersetzung: Die Forderungen der Fluglotsen

Die Arbeitsniederlegung der Fluglotsen ist das Resultat einer langjährigen, angespannten Beziehung zwischen den Beschäftigten und der staatlichen Luftfahrtbehörde. Im Mittelpunkt der aktuellen Forderungen steht der Ausgleich der Kaufkraft. Die Gewerkschaft fordert, daß die Gehälter der Fluglotsen die Inflationsrate des vergangenen Jahres widerspiegeln. Darüber hinaus verlangen die Fluglotsen ein jährliches Treffen, um die Auswirkungen der Inflation auf ihre Entlohnung zu erörtern.

Über die finanziellen Aspekte hinaus gibt es grundlegende Beschwerden über die Art und Weise, wie der Sektor verwaltet wird. Ein Gewerkschaftsstatement spricht von einem „Klima des Mißtrauens, strafenden Praktiken und herabwürdigenden Führungsmethoden“, die das Arbeitsumfeld seit mehreren Jahren prägten. Diese Kritik deutet darauf hin, daß es sich nicht nur um einen reinen Lohnkonflikt handelt, sondern um einen tiefer liegenden Disput über die Arbeitsbedingungen und die Anerkennung der anspruchsvollen Tätigkeit. Die Kontrolle des Flugverkehrs erfordert ein Höchstmaß an Präzision, Konzentration und ständige Einsatzbereitschaft, was die Fluglotsen als extrem stressigen und verantwortungsvollen Beruf beschreiben.

Ein Nadelöhr für Europa: Die dramatischen Folgen des Juli-Streiks

Die jüngste Streikankündigung ist besonders brisant, da die Erinnerung an die massiven Störungen des Flugverkehrs im Juli noch frisch ist. Ein zweitägiger Streik der französischen Fluglotsen hatte den Flugplan über weite Teile Europas durcheinandergebracht. Ein von Eurocontrol, der Europäischen Organisation für die Sicherung der Luftfahrt, veröffentlichter Bericht beleuchtet das Ausmaß des Schadens. Demnach wurden an jedem der beiden Streiktage durchschnittlich 3713 Flüge verspätet und 1422 Flüge annulliert.

Die Störungen hatten einen Dominoeffekt, der weit über die Grenzen Frankreichs hinausging. Die geografische Lage Frankreichs macht sein Luftraum zu einem zentralen Knotenpunkt für den europäischen Flugverkehr. Flüge zwischen Nord- und Südeuropa, insbesondere zwischen Deutschland, Grossbritannien, den skandinavischen Ländern und den Destinationen in Spanien, Portugal und Nordafrika, müssen oft den französischen Luftraum durchqueren. Eine Teilschliessung dieses Korridors zwingt die Fluggesellschaften dazu, alternative Routen zu nutzen, die länger sind und zu erhöhtem Treibstoffverbrauch sowie grösseren Verspätungen führen.

Die betroffenen Airlines: Der Schaden für Billigfluggesellschaften und Linienflieger

Die Auswirkungen des letzten Streiks trafen die Fluggesellschaften mit unterschiedlicher Härte. Laut dem Eurocontrol-Bericht war Ryanair am stärksten von den Verspätungen und Annullierungen betroffen, gefolgt von easyJet und Air France. Interessant ist die prozentuale Aufschlüsselung der verspäteten Flüge: Bei Volotea waren 34 Prozent der Flüge betroffen, bei Air France 33 Prozent, bei easyJet 25 Prozent, bei Ryanair 21 Prozent und bei Vueling 20 Prozent. Die Zahlen zeigen, wie stark Billigfluggesellschaften von den Streiks betroffen sind. Ihr Geschäftsmodell basiert auf einer hohen Auslastung der Flotte und schnellen Umstiegszeiten an den Flughäfen. Selbst eine geringe Verspätung eines einzelnen Fluges kann einen Kaskadeneffekt auslösen, der den gesamten Tagesplan einer Maschine durcheinanderbringt und Dutzende von Anschlußflügen gefährdet.

Die Reaktion der Luftfahrtbranche auf die Streiks war erwartungsgemäß scharf. Der Geschäftsführer von Ryanair, Michael O’Leary, ein bekannter Kritiker der Arbeitsniederlegungen, bezeichnete die Aktionen der französischen Gewerkschaftsmitglieder als „Freizeitbeschäftigung“. Diese polarisierende Äusserung spiegelt die wachsende Frustration der Branche wider, die sich durch die Streiks finanziell und operativ stark belastet sieht. Die Fluggesellschaften fordern seit langem eine europäische Lösung, um solche Störungen zu verhindern.

Ein europäisches Problem: Die Suche nach einer langfristigen Lösung

Fluglotsenstreiks in Frankreich sind kein neues Phänomen. Seit Jahren fordern die Airlines, aber auch die europäische Kommission, eine Reform der nationalen Gesetze, die es den Fluglotsen in Frankreich ermöglicht, den Flugverkehr in ganz Europa mit relativ geringem Aufwand zu blockieren. Bisherige Bemühungen, einen gemeinsamen europäischen Luftraum zu schaffen (Single European Sky), sind an den Widerständen der nationalen Regierungen und Interessengruppen gescheitert. Die Branche fordert eine Regulierung, die es zwingend vorsieht, im Falle eines Streiks einen Mindestdienst zu gewährleisten, um das Chaos zu minimieren. In einigen Ländern, wie etwa in Griechenland oder Spanien, gibt es bereits Gesetze, die die Arbeitnehmer zwingen, einen Teil ihrer Arbeit während eines Streiks auszuführen. Solche Massnahmen sind in Frankreich jedoch nicht in Kraft.

Die wiederkehrenden Streiks stellen eine Bedrohung für die gesamte europäische Wirtschaft dar. Sie führen nicht nur zu enormen finanziellen Verlusten für die Fluggesellschaften, sondern schädigen auch den Tourismus und haben negative Auswirkungen auf die Geschäftsreisen. Die Suche nach einer langfristigen Lösung, die die Rechte der Arbeitnehmer wahrt, ohne die Freiheit der Reisenden und die wirtschaftliche Stabilität der Luftfahrt zu gefährden, bleibt eine der größten Herausforderungen für die europäischen Gesetzgeber.

Die Sicht der Reisenden: Zwischen Enttäuschung und finanziellen Verlusten

Für die Passagiere bedeuten die Streiks nicht nur die Unannehmlichkeit von Verspätungen und Annullierungen. Viele Reisende sehen ihre Urlaubspläne gefährdet oder müssen wichtige geschäftliche Termine absagen. Hinzu kommen finanzielle Verluste für nicht erstattungsfähige Hotelbuchungen oder bereits bezahlte Mietwagen. Die Fluggesellschaften sind gemäss den EU-Verordnungen in der Regel verpflichtet, Reisenden bei Annullierungen und langen Verspätungen Hilfe zu leisten, was zu zusätzlichen Kosten für Verpflegung und Unterkunft führt. Diese Unsicherheit schädigt das Vertrauen in den Flugverkehr als zuverlässiges Transportmittel.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung