Die Regionalfluggesellschaft Air Nostrum reagiert auf die veränderte Nachfrage während der Hauptreisezeit und weitet ihr Flugangebot für die Sommermonate Juli und August temporär aus. Auf mehr als 20 Routen werden zusätzliche Kapazitäten und Frequenzen geschaffen, um den inländischen Tourismusverkehr in Spanien zu bewältigen.
Im Fokus des Sonderprogramms stehen insbesondere Verbindungen zu den Balearen, den Kanarischen Inseln sowie der spanischen Exklave Melilla. Neu in den Flugplan aufgenommen werden unter anderem Direktflüge zwischen Almería und Santander sowie zwischen Melilla und Valencia.
Einen Schwerpunkt des temporären Angebots bildet die Insel Mallorca, die mit neuen Direktverbindungen nach Girona und Logroño sowie zusätzlichen Flügen nach Vigo und Valladolid an das spanische Festland angebunden wird. Auch von Melilla aus bedient die Fluggesellschaft saisonal Ziele wie Oviedo, Santiago de Compostela und Teneriffa-Nord. Viele dieser Strecken unterliegen staatlichen Unterstützungen für Inselbewohner sowie Einwohner von Melilla und Ceuta, die von einem gesetzlichen Rabatt auf Inlandsflüge profitieren. Dies führt in den Sommermonaten regelmäßig zu einer extremen Nachfragespitze, da Reisen für Festlandspanier ohne diesen Wohnsitzrabatt auf denselben Flügen oft sehr teuer sind.
Branchenbeobachter bewerten die ausgeprägte Saisonalität des Geschäftsmodells von Air Nostrum jedoch auch kritisch. Die starke Konzentration auf die verkehrsreichen Wochen im Hochsommer birgt wirtschaftliche Risiken für die Nebensaison, in der viele dieser Nischenstrecken mangels touristischer Nachfrage unrentabel werden. Zudem führt die kurzfristige Erhöhung der Flugbewegungen in dem ohnehin überlasteten südeuropäischen Luftraum im Juli und August erfahrungsgemäß zu einer spürbaren Zunahme von Verspätungen. Da Air Nostrum primär kleinere Regionalflugzeuge wie die Bombardier CRJ1000 oder ATR 72 einsetzt, sind die Stückkosten pro angebotenem Sitzplatz im Vergleich zu den größeren Standardrumpfflugzeugen von Billigfliegern relativ hoch.
Die Durchführung des Sonderprogramms bis Ende August soll der Fluggesellschaft helfen, kurzfristig hohe Erlöse im Inlandsgeschäft zu erzielen und die eigene Marktpräsenz gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Ob die zusätzlichen Kapazitäten auf den teils strukturschwachen Routen wirtschaftlich aufgehen, bleibt abzuwarten. Der Erfolg dieser sommerlichen Frequenzverdichtung hängt maßgeblich davon ab, wie stabil die Ticketpreise trotz des intensiven Wettbewerbs im spanischen Luftverkehrsmarkt gehalten werden können.