Airbus A321neo (Foto: MarcelX42).
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Frontier Airlines setzt auf Kampfpreise und „All-You-Can-Fly“-Pässe

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Frontier Airlines, ein führender ultra-low-cost-carrier in den Vereinigten Staaten, verstärkt seine strategische Initiative „The New Frontier“ durch eine massive Erweiterung des Streckennetzes und die Einführung extrem aggressiver Preismodelle. Im Frühjahr 2026 nimmt die Fluggesellschaft vier neue Routen auf, die wichtige Metropolen wie Newark, Chicago O’Hare und Miami mit Freizeitzielen wie Orlando, Salt Lake City, Tucson und Pensacola verbinden.

Begleitet wird die Markteinführung von extrem niedrigen Einführungspreisen für einfache Flüge, die bereits bei $29 beginnen. Parallel dazu lanciert der Carrier den „GoWild“ All-You-Can-Fly-Jahrespass für 2026-2027 zu einem Werbepreis von lediglich $349, der potenziell anderthalb Jahre unbegrenztes Reisen über mehr als 100 Destinationen ermöglicht. Diese zweigleisige Strategie zielt darauf ab, die Kundenbindung zu vertiefen, das diskretionäre Reiseverhalten stark zu stimulieren und die Position von Frontier als nationaler Preiskämpfer in der Luftfahrtindustrie der Vereinigten Staaten zu festigen.

Strategische Routenerweiterung und Preisführerschaft

Die vier neuen Routen, die ab Anfang 2026 schrittweise eingeführt werden, zeigen eine klare Ausrichtung auf den Freizeitverkehr und die Verbindung von primären mit sekundären Märkten.

  • Newark (EWR) nach Orlando (MCO): Startet am 21. Januar 2026, dreimal wöchentlich, mit Einführungstarifen ab $39. Diese Strecke bietet Pendlern und Urlaubsreisenden an der Ostküste eine äußerst kostengünstige Option zu den wichtigsten Themenparks Floridas und steht in direkter Konkurrenz zu etablierten Carriern.
  • Salt Lake City (SLC) nach Tucson (TUS): Beginnt am 22. Januar 2026, zweimal wöchentlich, mit Startpreisen ab $59. Die Verbindung richtet sich an Reisende, die von den Rocky Mountains in die Wüstenlandschaften Arizonas reisen möchten, und erschließt neue touristische Ströme.
  • Miami (MIA) nach Chicago O’Hare (ORD): Startet am 13. Februar 2026, dreimal wöchentlich, mit Tarifen ab $49. Diese Route verbindet zwei große Metropolregionen und zielt auf den großen Markt des Wochenend- und Gelegenheitsverkehrs.
  • Orlando (MCO) nach Pensacola (PNS): Ebenfalls Start am 13. Februar 2026, zweimal wöchentlich, mit Kampfpreisen ab $29. Diese Inlandsverbindung in Florida zielt auf den innerstaatlichen Tourismus und den „Visiting Friends and Relatives“ (vfr) Verkehr, unterstützt durch extrem niedrige Einstiegspreise.

Die relativ niedrige Frequenz der neuen Strecken – meist zwei- bis dreimal pro Woche – deutet darauf hin, dass Frontier primär den Freizeitreisemarkt und nicht den Geschäftsreiseverkehr adressiert, der typischerweise tägliche Verbindungen erfordert. Die ultra-aggressiven Einführungspreise, die in manchen Fällen sogar unter den üblichen staatlichen Steuern und Gebühren liegen, dienen als mächtiges Marketinginstrument, um die Aufmerksamkeit auf die neuen Flugoptionen zu lenken und eine sofortige Auslastung der Flüge zu gewährleisten.

Der „GoWild“ Pass: Unbegrenzt Fliegen mit Einschränkungen

Das zweite Kernelement der Strategie ist die Wiederbelebung des GoWild All-You-Can-Fly Annual Pass. Der Pass für den Zeitraum 2026 bis Mai 2027 wird zu einem attraktiven Werbepreis von $349 angeboten, deutlich unter dem regulären Preis, der normalerweise $599 beträgt. Das Angebot, das eineinhalb Jahre kontinuierliches Fliegen verspricht, ist ein Front-End-Cash-Produkt: Es generiert sofortige Einnahmen für das Unternehmen und hilft, die Saisonalität der Nachfrage auszugleichen.

Der Pass bietet seinen Inhabern unbegrenzte Flüge gegen eine Basisgebühr von lediglich $0.01 pro Segment zuzüglich aller anfallenden Steuern und Gebühren, die oft bei etwa $15 pro einfachem Inlandsflug beginnen. Dieses Modell ist jedoch mit wesentlichen Einschränkungen verbunden:

  • Buchungsfenster: Inlandsflüge können in der Regel erst einen Tag vor Abflug gebucht und bestätigt werden. Internationale Flüge können bis zu zehn Tage im Voraus gebucht werden. Dies belohnt spontane Reisende und jene, die zeitlich flexibel sind, schränkt aber die Planbarkeit für die meisten traditionellen Urlauber stark ein.
  • Kapazitätskontrolle: Die Verfügbarkeit von Flügen ist nicht garantiert und unterliegt Kapazitätskontrollen sowie Sperrdaten (Blackout Dates) während stark frequentierter Reisezeiten.
  • Zusatzkosten: Der GoWild-Pass deckt lediglich den Basisflugpreis ab. Zusätzliche Leistungen wie die Reservierung von Sitzplätzen, Handgepäck, aufgegebenes Gepäck oder andere Annehmlichkeiten müssen separat erworben werden, was eine wichtige Einnahmequelle für den Ultra-Low-Cost-Carrier darstellt.

Die Struktur des Passes verwandelt an der Oberfläche günstig erscheinende Reisen in eine Einnahmequelle durch diese Zusatzgebühren und die frühzeitige Generierung von Bargeld. Der Pass ist nicht übertragbar und verlängert sich automatisch, was das Risiko für den Kunden bei Nichtnutzung erhöht.

„The New Frontier“: Mehr als nur niedrige Preise

Die Initiative „The New Frontier“ repräsentiert eine umfassendere strategische Neuausrichtung von Frontier Airlines. Der Carrier versucht, seine Position von einem primär auf die Westküste fokussierten Betreiber zu einer größeren, national agierenden Fluggesellschaft auszubauen, die in den Top-20-US-Metropolregionen eine führende Rolle im Niedrigpreissegment einnehmen will. Die neuen Routen unterstreichen diese geographische Diversifikation.

Darüber hinaus zielt die Strategie auf eine Produktverbesserung ab, um die Airline für ein breiteres Kundenspektrum attraktiv zu machen, ohne das Ultra-Low-Cost-Modell zu verraten. Diese Produktverbesserungen umfassen:

  • Einführung von „First Class“-Sitzen: Ab Ende 2025 sollen luxuriöse, geräumige Sitze in den ersten beiden Reihen der Flugzeuge eingeführt werden, die den Komfort steigern sollen, aber weiterhin zu niedrigeren Preisen als bei Konkurrenten angeboten werden.
  • Verbesserte Loyalitätsprogramme: Das FRONTIER Miles Programm wird durch Vorteile wie kostenlose Begleiterreisen für Top-Status-Inhaber und die Möglichkeit, Meilen für Zusatzleistungen einzulösen, aufgewertet.

Der aggressive Vorstoß von Frontier mit extrem niedrigen Preisen und innovativen Produkten wie dem GoWild-Pass wird als direkte Herausforderung an die Konkurrenz in einem sich verschärfenden Markt gesehen. Analysten vermuten, dass Frontier mit seiner Expansion auch gezielt in Märkte vordringt, in denen Rivalen wie Spirit Airlines aufgrund ihrer eigenen finanziellen und operativen Herausforderungen Kapazitäten reduziert haben. Der Fokus liegt darauf, die Flugzeugauslastung zu maximieren und inkrementelle Freizeitreisen zu stimulieren, um die Rentabilität des Carriers trotz des extrem wettbewerbsintensiven Umfelds zu sichern.

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