Der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) hat in seiner Sitzung am 3. Juli 2026 Werner Gatzer einstimmig zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Der 67-jährige Jurist und ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium übernimmt die Funktion mit sofortiger Wirkung.
Gatzer, der gegenwärtig auch dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG vorsitzt, wurde auf Vorschlag des Gesellschafters Land Brandenburg nominiert und entsandt. Er folgt auf Jörg Simon, dessen Mandat als Vertreter des Landes Berlin im Juni turnusmäßig endete. Stellvertretender Vorsitzender des Gremiums bleibt weiterhin der ver.di-Gewerkschaftssekretär Holger Rößler.
Mit der Personalie Gatzer kehrt ein erfahrener Haushalts- und Infrastrukturexperte an die Spitze des Berliner Flughafens zurück. Gatzer war bereits in seiner früheren Funktion als Bundesbeamter mit den finanziellen und strukturellen Problemen des Großprojekts BER befasst. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass seine Ernennung in eine Phase fällt, in der die Flughafengesellschaft nach den schweren wirtschaftlichen Einbrüchen der vergangenen Jahre und der hohen Verschuldung eine finanzielle Konsolidierung anstrebt. Das Land Brandenburg setzt mit diesem Vorschlag auf administrative Kontinuität und fiskalische Expertise bei der Kontrolle des staatlichen Luftfahrtunternehmens.
Kritische Stimmen aus Politik und Wirtschaft geben jedoch zu bedenken, dass die Ämterhäufung Gatzers, der zeitgleich das Kontrollgremium der krisengebeutelten Deutschen Bahn leitet, erhebliche zeitliche und operative Anforderungen mit sich bringt. Beide Staatsunternehmen stehen vor tiefgreifenden infrastrukturellen Herausforderungen und finanziellem Sanierungsdruck. Beim Flughafen BER geht es in den kommenden Jahren insbesondere um die Bewältigung des Investitionsstaus, die Optimierung der Passagierabfertigung sowie die langfristige Absicherung der Liquidität ohne fortlaufende staatliche Zuschüsse der Trägerländer Berlin und Brandenburg sowie des Bundes.
Die Neubesetzung des Postens spiegelt zudem das komplexe politische Gleichgewicht zwischen den beteiligten Bundesländern wider. Während das Land Berlin mit dem Ausscheiden von Jörg Simon den Vorsitz abgibt, übernimmt Brandenburg vereinbarungsgemäß die Führung im Kontrollgremium. Die zukünftige Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsführung unter Aletta von Massenbach und dem neu formierten Aufsichtsrat wird sich vor allem an der Umsetzung wirtschaftlicher Kennzahlen und der Stabilisierung des Flugbetriebs im dichten europäischen Luftverkehrsnetz messen lassen müssen.