Die Vereinigten Staaten und China befinden sich in einem zunehmend intensiven Wettlauf um die Vorherrschaft im Luft- und Raumfahrtsektor. Der Streit um die Lieferung von F-35-Kampfjets an die Schweiz und die damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Spannungen sind nur ein lokales Symptom eines globalen Phänomens.
Während die USA ihre technologische Vormachtstellung im Rüstungsbereich mit dem F-35-Programm zu festigen versuchen, investiert China massiv in seine eigene Luftfahrtindustrie, um die Dominanz amerikanischer und europäischer Hersteller wie Boeing und Airbus zu brechen. Dieses geopolitische Tauziehen hat weitreichende Auswirkungen auf die internationale Politik, die Handelsbeziehungen und die militärische Machtverteilung. Beide Nationen setzen auf strategische Allianzen und technologische Innovation, um ihre Position zu sichern.
Der F-35-Deal als Spiegelbild globaler Spannungen
Die Entscheidung der Schweiz, den F-35A-Kampfjet von Lockheed Martin zu kaufen, ist nicht nur eine militärische, sondern auch eine politische. Obwohl das Land traditionell eine neutrale Position einnimmt, hat der Kauf des amerikanischen Kampfjets die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten vertieft. Dies geschieht in einer Zeit, in der die Spannungen zwischen den USA und China zunehmen und die USA versuchen, ihre Verbündeten enger an sich zu binden. Die Probleme des F-35-Programms, insbesondere die erheblichen Verzögerungen beim „Block 4“-Upgrade, sind ein offenes Geheimnis, wurden aber von der Schweiz in Kauf genommen. Das „Technology Refresh 3“-Upgrade, das die Basis für die neuen Fähigkeiten der Block 4-Jets bildet, ist um Jahre verzögert und 6 Milliarden US-Dollar über dem Budget. Diese Probleme sind nicht nur auf technischer, sondern auch auf politischer Ebene spürbar. Der Streit um die Strafzölle, die die USA auf Schweizer Importe erheben, könnte die Kosten für die Schweiz um bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar erhöhen, was die ursprüngliche Festpreisgarantie in Frage stellt. Dies zeigt, wie schnell wirtschaftliche Auseinandersetzungen strategische Rüstungsgeschäfte beeinflussen können.
Die Vereinigten Staaten setzen auf den F-35 als das zentrale Element ihrer militärischen Luftüberlegenheit und versuchen, diesen Standard auch bei ihren Verbündeten durchzusetzen. Für die USA ist der F-35 nicht nur ein Flugzeug, sondern auch ein strategisches Instrument, um die militärische Interoperabilität zu stärken und eine einheitliche technologische Plattform zu schaffen. Die Bemühungen der USA, das F-35-Programm trotz der Schwierigkeiten voranzutreiben, spiegeln den Druck wider, den sie spüren, um ihre technologische Vormachtstellung gegenüber aufstrebenden Mächten wie China zu behaupten.
Chinas Aufstieg als Konkurrent in der Luftfahrt
Während die USA den Markt für Kampfflugzeuge dominieren, ist China zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten im zivilen Luftfahrtsektor aufgestiegen. Der staatliche Luft- und Raumfahrthersteller COMAC (Commercial Aircraft Corporation of China) hat in den letzten Jahren massive Fortschritte gemacht und sich zum Ziel gesetzt, die globale Marktmacht von Boeing und Airbus zu brechen. Das Programm des Passagierflugzeugs C919 ist das Herzstück dieser Strategie. Die C919, die in direkter Konkurrenz zum Boeing 737 und Airbus A320 steht, hat bereits Hunderte von Bestellungen von chinesischen Fluggesellschaften erhalten. Obwohl die C919 noch weit davon entfernt ist, eine ernsthafte globale Bedrohung für Boeing und Airbus zu sein, zeigt sie Chinas Entschlossenheit, seine technologische Abhängigkeit vom Westen zu verringern und im globalen Luftverkehrsgeschäft eine führende Rolle zu spielen.
China investiert auch massiv in die Entwicklung seiner eigenen Triebwerke, Avionik und anderer kritischer Komponenten, die traditionell von westlichen Zulieferern stammen. Dies ist ein langfristiger Plan, um die gesamte Wertschöpfungskette der Luftfahrtindustrie zu kontrollieren. Die chinesische Regierung unterstützt diese Bemühungen mit enormen Subventionen und strategischen Plänen, die auf die Schaffung einer autarken Luftfahrtindustrie abzielen. Dies hat Bedenken bei den westlichen Herstellern und Regierungen ausgelöst, die befürchten, daß China durch unlautere Wettbewerbspraktiken und den Diebstahl geistigen Eigentums seine Position ausbauen könnte.
Strategische Allianzen und Technologietransfer
Das geopolitische Tauziehen um die Luftfahrt spiegelt sich auch in der internationalen Zusammenarbeit wider. Die USA setzen auf die Zusammenarbeit mit traditionellen Verbündeten, um ihre technologische Plattform zu stärken. Die Partnerschaft mit der Schweiz, die trotz der Schwierigkeiten im F-35-Programm aufrechterhalten wird, ist ein Beispiel dafür. Die USA versuchen, ihre Alliierten in ihre militärischen und technologischen Ökosysteme zu integrieren, um eine geschlossene Front gegen potenzielle Rivalen zu bilden. Die Technologie hinter dem F-35 ist hochsensibel und wird nur ausgewählten Partnern zur Verfügung gestellt.
China verfolgt eine andere Strategie. Es investiert in Länder, die traditionell nicht zu den Verbündeten der USA gehören, und bietet ihnen technologische und wirtschaftliche Zusammenarbeit an. Die chinesischen Flugzeughersteller bemühen sich, Verträge mit Fluggesellschaften aus Schwellenländern abzuschließen, um ihre Marktpräsenz zu erhöhen. Dieser Ansatz ermöglicht es China, seinen Einfluß in neuen Regionen auszubauen und neue Märkte für seine Produkte zu erschließen. Der Wettlauf um Technologietransfer und strategische Allianzen wird die zukünftige Landschaft der globalen Luftfahrt maßgeblich prägen.
Das Ringen um die Vorherrschaft in der Luftfahrt ist somit ein zentrales Element des globalen Wettbewerbs zwischen den USA und China. Während die USA versuchen, ihre etablierte Dominanz durch technologische Überlegenheit und strategische Partnerschaften zu verteidigen, fordert China diese Hegemonie mit massiven Investitionen und dem Aufbau einer autarken Industrie heraus. Die Entscheidung der Schweiz, den F-35 zu kaufen, ist ein kleiner, aber symbolträchtiger Teil dieses größeren geopolitischen Spiels.