Am 18. November 2025 bereiteten sich Piloten der US-amerikanischen Fluggesellschaft Allegiant Air auf ein koordiniertes, informatives Streikpostieren vor. Die von der Gewerkschaft Teamsters Local 2118 vertretenen Piloten planen, an insgesamt 22 US-Flughäfen, an denen Allegiant Crews stationiert sind, öffentlichkeitswirksame Demonstrationen abzuhalten. Ziel dieser Aktion ist es, nach fast fünf Jahren festgefahrener Tarifverhandlungen den Druck auf die Unternehmensleitung von Allegiant zu erhöhen. Die Gewerkschaft, die mehr als 1.400 Piloten vertritt, wirft dem Billigflieger vor, auf Zugeständnissen zu beharren und warnt davor, dass Allegiant angesichts der Nichtbeachtung von Forderungen nach besserer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen Gefahr läuft, erfahrenes Personal an die Konkurrenz zu verlieren.
Obwohl die Piloten im Vorfeld mit über 97 Prozent der Stimmen für die Genehmigung eines Streiks gestimmt hatten, handelt es sich bei der geplanten Aktion am Dienstag um ein informatives Streikpostieren und nicht um einen tatsächlichen Arbeitskampf. Der Flugbetrieb von Allegiant Air wird voraussichtlich normal verlaufen, da die Piloten weiterhin fliegen werden. Die Aktion, die unter dem US-amerikanischen Railway Labor Act erlaubt ist, soll die Öffentlichkeit auf den anhaltenden Arbeitskonflikt aufmerksam machen, ohne den Flugverkehr zu stören. Die gewerkschaftliche Aktion markiert einen neuen Höhepunkt in einem Arbeitsstreit, der die Stabilität der Personalbasis des Freizeitfluganbieters zunehmend infrage stellt.
Fünf Jahre Verhandlungen ohne Konsens
Die Verhandlungen zwischen den Teamsters Local 2118 und Allegiant Air ziehen sich bereits seit nahezu fünf Jahren hin, ohne dass ein Tarifvertrag zustande gekommen ist. Die Gewerkschaft kritisiert scharf die Verhandlungstaktik des Unternehmens und behauptet, Allegiant würde trotz des florierenden Luftverkehrsmarktes und der Expansion des eigenen Netzwerks weiterhin auf Konzessionen seitens der Piloten pochen.
Die Piloten argumentieren, dass ihre Bezahlung, die Verbesserung der Dienstplangestaltung und allgemein die sogenannten Quality-of-Life-Themen dringend angegangen werden müssen, um die Crews im stark umkämpften Personalmarkt halten und neue Talente gewinnen zu können. Die Teamsters weisen darauf hin, dass Piloten Allegiant verlassen und zu großen etablierten Airlines oder anderen Billigfluggesellschaften wechseln, die höhere Gehälter und transparentere, geregelte Arbeitsbedingungen bieten. Dieser Abfluss von erfahrenem Personal stellt eine direkte Bedrohung für die Betriebsstabilität und das langfristige Wachstum von Allegiant Air dar.
Die Fluggesellschaft selbst hat sich zu den Demonstrationen am Dienstag und den jüngsten Verhandlungsrunden nicht öffentlich geäußert. Details zu ihrem aktuellen Vertragsvorschlag oder eine Stellungnahme zu den Gewerkschaftsansprüchen, dass die Verhandlungen verzögert würden, wurden von Unternehmensseite nicht veröffentlicht.
Die Bedeutung des informativen Streikpostierens
Das informative Streikpostieren, das am Dienstag um 10 Uhr Ortszeit an allen 22 Allegiant-Crewbasen beginnen soll, ist ein bewusst gewähltes Mittel der Eskalation. Diese Form der Protestaktion ist nach dem US-amerikanischen Railway Labor Act (rla), der die Arbeitsbeziehungen in der Luft- und Bahnverkehrsindustrie regelt, gestattet, solange sie den regulären Betrieb nicht beeinträchtigt.
Zu den Orten der geplanten Demonstrationen zählen wichtige Crewbasen wie Las Vegas, Orlando, Cincinnati, Pittsburgh, Mesa, Appleton und Des Moines. Die Kundgebungen finden außerhalb der Flughafenterminals oder in der Nähe der Betriebsanlagen der Airline statt. Die Teamsters erwarten eine rege Beteiligung, um ein starkes Zeichen der Geschlossenheit zu setzen.
Obwohl die Piloten bereits mit einer überwältigenden Mehrheit von über 97 Prozent für die Genehmigung eines Streiks gestimmt haben, erlaubt dieser Beschluss allein keinen sofortigen Arbeitsausstand. Das rla sieht vor, dass die Piloten erst dann legal die Arbeit niederlegen dürfen, wenn sie von der National Mediation Board (nmb) aus dem Mediationsprozess entlassen wurden und eine vorgeschriebene „cooling-off“-Periode abgelaufen ist. Die Durchführung eines illegalen Streiks hätte weitreichende Konsequenzen für die Gewerkschaft und die beteiligten Piloten. Die Teamsters haben zudem separat ein Misstrauensvotum gegen die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat von Allegiant durchgeführt, was die Tiefe des Konflikts unterstreicht.
Die besondere Struktur von Allegiant Air
Allegiant Air operiert ein einzigartiges Geschäftsmodell in der US-Luftfahrtlandschaft. Die Fluggesellschaft verfolgt ein Punkt-zu-Punkt-Netzwerk und konzentriert sich stark auf Freizeitdestinationen. Sie bedient mittelgroße und kleinere Städte, die sie direkt mit großen Urlaubszentren wie Las Vegas, Orlando oder verschiedenen Zielen in Florida und Arizona verbindet. Dieses Modell ermöglicht es Allegiant, eine hohe Auslastung zu erzielen, da die Nachfrage nach Freizeitflügen weniger preissensibel ist als der Geschäftsreiseverkehr.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Flottenstrategie. Allegiant betreibt eine reine Airbus-Flotte, was Vorteile bei Wartung und Betriebseffizienz bietet. Die Piloten sind dezentral über das gesamte Streckennetz verteilt an den 22 Crewbasen stationiert. Das dezentrale Basissystem bedeutet jedoch auch eine komplexere Logistik und Herausforderungen bei der Arbeitszeiteinteilung, was die Forderungen der Piloten nach besseren Planungsregeln zusätzlich befeuert.
Die Gewerkschaft kritisiert zudem, dass Allegiant zwar das Flugnetzwerk ausgebaut und in verschiedene, nicht-flugbetriebliche Unternehmungen (beispielsweise in Hotels und Freizeitangebote) investiert habe, aber gleichzeitig die notwendigen Investitionen in das Personal verabsäumt wurden.
Ausblick auf die Verhandlungen
Das informative Streikpostieren am 18. November 2025 ist ein klarer Versuch der Teamsters, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und des Aufsichtsgremiums der nmb zu gewinnen. Das Ziel ist es, die Unternehmensleitung von Allegiant dazu zu bewegen, mit einem substanziellen und ernsthaften Vorschlag an den Verhandlungstisch zurückzukehren, der die zentralen Anliegen der Piloten hinsichtlich Vergütung und Personalbindung adressiert.
In einem Markt, in dem ein massiver Mangel an qualifizierten Piloten herrscht, ist die Fähigkeit einer Fluggesellschaft, ihr Personal zu halten, ein kritischer Faktor für ihren Erfolg und ihre Stabilität. Sollte Allegiant Air die Forderungen der Gewerkschaft weiterhin ignorieren, riskiert das Unternehmen nicht nur eine weitere Erosion seiner erfahrenen Crews, sondern auch eine Eskalation des Arbeitskampfes, die letztlich zu einem tatsächlichen, genehmigten Streik führen könnte. Die Luftfahrtindustrie und Beobachter werden die Reaktion von Allegiant auf die Demonstrationen genau beobachten, um festzustellen, ob dieser neue Druck zu einer Beschleunigung und zu einer Einigung in dem seit Jahren andauernden Tarifkonflikt führt.