Airbus A320 (Foto: Salzburg Airport Presse).
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Gerichtsstreit um Digitale Dienstleistungssteuer: Sabre verklagt British Airways in Texas

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Die langjährige Geschäftspartnerschaft zwischen der amerikanischen Reistechnologie-Firma Sabre Corporation und der britischen Fluggesellschaft British Airways (ba) steht im Zentrum eines komplexen Rechtsstreits in den Vereinigten Staaten. Sabre hat beim US Northern District Court of Texas Klage eingereicht, da die Fluggesellschaft sich weigere, die vom Technologiekonzern entrichtete britische Digital Services Tax (dst) zu erstatten.

Der Streitwert beläuft sich auf 453.863 US-Dollar, die Sabre im Jahr 2024 auf Einnahmen aus der Zusammenarbeit mit British Airways entrichtet hat. Im Kern geht es um die Auslegung eines Dienstleistungsvertrages aus dem Jahr 1991, der die Kostenerstattung für Steuern regelt. Die Klage legt offen, dass tiefgreifende Differenzen über die Natur der neuen Digitalsteuer bestehen und welche Partei die finanzielle Last tragen muss. British Airways hat sich zu dem laufenden Rechtsstreit nicht geäußert.

Dieser Konflikt beleuchtet die wachsenden Spannungen zwischen Technologieanbietern und traditionellen Unternehmen angesichts der Einführung neuer digitaler Besteuerungsmodelle weltweit. Das britische Steuersystem hat die dst 2020 eingeführt, um sicherzustellen, dass große digitale Unternehmen, die ihren Wert aus der Nutzung durch britische Anwender ziehen, einen angemessenen Beitrag leisten. Die Klage, die als „widerwillig“ von Sabre eingereicht wurde, nachdem monatelange Verhandlungen gescheitert waren, könnte einen wichtigen Präzedenzfall für die Kostenzuordnung digitaler Steuern in globalen Wirtschaftspartnerschaften schaffen.

Der Kern des Streits: Die Auslegung eines Jahrzehnte alten Vertrages

Der Dreh- und Angelpunkt der juristischen Auseinandersetzung ist der Dienstleistungsvertrag, den Sabre und British Airways bereits im Jahr 1991 geschlossen haben. Dieser Vertrag regelt die Nutzung von Sabres globalem Vertriebssystem (global distribution system, gds) für die Buchung und den Verkauf von British Airways Flügen. Sabre behauptet, die Vereinbarung verpflichte die Fluggesellschaft zur Erstattung aller Steuern, die Sabre im Rahmen dieser Partnerschaft entstehen.

Die britische Digital Services Tax (dst) ist eine Steuer von zwei Prozent auf die Bruttoeinnahmen großer Technologiekonzerne, die aus bestimmten digitalen Aktivitäten im Vereinigten Königreich stammen. Dazu gehören Suchmaschinen, soziale Medien und Online-Marktplätze. Im Jahr 2022 bestätigte die britische Steuerbehörde, dass auch gds-Systeme, wie sie Sabre betreibt, unter diese Steuer fallen können.

Sabre zahlte die besagten 453.863 US-Dollar im Jahr 2024 an die britische Steuerbehörde und stellte British Airways im August 2025 die Rechnung zur Erstattung. Die Fluggesellschaft soll die Zahlung jedoch verweigern mit der Begründung, die dst sei keine „Steuer“ im Sinne des 1991 geschlossenen Vertrages. Die unterschiedliche Interpretation des Begriffs „Steuer“ in einem Vertrag, der in einer Zeit geschlossen wurde, lange bevor digitale Einnahmen im Fokus der Besteuerung standen, bildet nun die juristische Grundlage des Streits. Sabre strebt durch die Klage eine gerichtliche Feststellung an, die bestätigt, dass die dst eine erstattungsfähige Steuer unter den Vertragsbedingungen darstellt.

Die Digital Services Tax als globale Herausforderung

Die britische Digital Services Tax wurde am 1. April 2020 eingeführt und zielt auf Konzerne ab, die weltweit mehr als 500 Millionen britische Pfund und im Vereinigten Königreich mehr als 25 Millionen Pfund Umsatz aus entsprechenden digitalen Aktivitäten erzielen. Die dst ist eine von zahlreichen nationalen Digitalsteuern, die weltweit als temporäre Maßnahme eingeführt wurden, um die Besteuerung der digitalen Wirtschaft neu zu regeln, solange die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (oecd) keine globalen Konsenslösungen unter dem Zwei-Säulen-Modell (Pillar One und Pillar Two) etabliert hat.

Die Kontroverse um die dst ist nicht auf Sabre und British Airways beschränkt. Die Steuer wurde von den USA, wo die meisten der betroffenen Technologiekonzerne ihren Sitz haben, scharf kritisiert, da sie als Diskriminierung US-amerikanischer Unternehmen angesehen wurde. Die Steuer hat zu internationalen Handelsspannungen geführt. Für Unternehmen, die von der Steuer betroffen sind, wie Sabre, stellt die dst eine zusätzliche operative Belastung dar, die sie nun versuchen, vertragsgemäß an ihre Partner, in diesem Fall die Fluggesellschaften, weiterzugeben.

Der Ausgang des texanischen Gerichtsverfahrens könnte somit weitreichende Konsequenzen für die gesamte Luftfahrt- und Reistechnologiebranche haben. Sollte das Gericht zugunsten von Sabre entscheiden, könnte dies andere gds-Anbieter dazu ermutigen, ähnliche Forderungen an ihre Partner-Airlines zu stellen. Sollte British Airways Recht bekommen, müsste Sabre die Steuerlast möglicherweise dauerhaft selbst tragen oder versuchen, diese über andere Vertragsmechanismen auf ihre Kunden umzulegen.

Auswirkungen auf die Luftfahrtbranche und die GDS-Systeme

Die globalen Vertriebssysteme (gds), zu denen Sabre neben Amadeus und Travelport gehört, sind das zentrale Nervensystem für den globalen Flugticketverkauf. Sie vermitteln den Verkauf von Tickets über Reisebüros und Online-Plattformen und generieren dafür Einnahmen, die von der dst erfasst werden können. Die gds-Anbieter berechnen den Fluggesellschaften Gebühren für diese Dienstleistungen. Der vorliegende Rechtsstreit ist ein Indikator dafür, dass die Kostenstruktur und die Gebührenordnung in diesem kritischen Sektor unter die Lupe genommen werden.

Die Tatsache, dass der Vertrag aus dem Jahr 1991 stammt, veranschaulicht die Herausforderung, alte Vertragswerke auf neue digitale Besteuerungsformen anzuwenden, die zum Zeitpunkt ihrer Abfassung unvorstellbar waren. Juristisch wird sich die Frage stellen, ob die dst, die auf Einnahmen und nicht auf Gewinne erhoben wird, als eine indirekte oder direkte Steuer im Sinne der ursprünglichen Vereinbarung gilt.

Obwohl British Airways zu dem laufenden Verfahren schweigt – eine gängige Praxis bei anhängigen Rechtsstreitigkeiten – wird der Fall in der Luftfahrt- und Rechtsgemeinschaft aufmerksam verfolgt. Das Urteil in Texas wird nicht nur die Beziehung zwischen Sabre und British Airways klären, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Klarheit der Vertragsrisiken im Kontext der sich rasch ändernden globalen Steuerlandschaft leisten, die von zunehmenden unilateralen Digitalsteuern geprägt ist. Die Industrie steht vor der Aufgabe, ihre jahrzehntealten Partnerschaften auf die Realitäten des digitalen Zeitalters und der damit verbundenen neuen Steuerlasten anzupassen.

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