Am Flughafen Frankfurt steht eine der größten baulichen Instandsetzungsmaßnahmen des laufenden Jahrzehnts bevor. Ab dem 8. März 2026 wird die zentrale Start- und Landebahn, intern als Bahn Center oder 25C/07C bezeichnet, für den gesamten Flugverkehr gesperrt. Über einen Zeitraum von rund zwei Wochen führt der Flughafenbetreiber Fraport auf einer Fläche von etwa 76.000 Quadratmetern eine tiefgreifende Erneuerung der Asphaltoberfläche durch.
Die Maßnahme ist aufgrund der enormen physischen Belastung durch landende und startende Großraumflugzeuge im Zehnjahresrhythmus notwendig und umfasst neben dem Austausch von 33.000 Tonnen Asphalt auch die Modernisierung der elektronischen Befeuerungssysteme. Um den Betrieb am verkehrsreichsten Flughafen Deutschlands während dieser Zeit aufrechtzuerhalten, wurde in enger Abstimmung mit der Deutschen Flugsicherung und den Fluggesellschaften ein Sonderflugplan entwickelt. Während die Centerbahn saniert wird, müssen die verbleibenden Pisten die Last des gesamten Verkehrs tragen, was zu temporären Änderungen in der Abwicklung der Flugrouten und der Aussetzung der üblichen Lärmpausen führt.
Logistische Meisterleistung und technischer Ablauf
Die Sanierung einer Startbahn dieser Größenordnung gleicht einer logistischen Präzisionsarbeit unter extremem Zeitdruck. Der Startschuss für die Arbeiten fällt am späten Abend des 8. März um 23:00 Uhr, unmittelbar nach Beginn des Nachtflugverbots. Bis zur geplanten Wiedereröffnung in der Nacht auf den 24. März werden rund 100 Fachkräfte im kontinuierlichen Schichtbetrieb auf dem Gelände im Einsatz sein. Die zu bearbeitende Fläche entspricht mit zehn Fußballfeldern einer Dimension, die eine immense Materialschlacht erfordert. Insgesamt müssen etwa 33.000 Tonnen Asphalt bewegt werden. Zunächst fräsen Spezialmaschinen die oberste Verschleißschicht sowie die darunter liegende Binderschicht ab, bevor der neue, hoch belastbare Asphalt in mehreren Lagen aufgebracht wird.
Die Herausforderung liegt hierbei nicht nur in der reinen Masse des Materials, sondern auch in der notwendigen Ebenheit und Griffigkeit der Oberfläche, die für die Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten essenziell ist. Fraport weist darauf hin, dass der zeitliche Ablauf stark von den meteorologischen Bedingungen abhängt. Da Asphaltarbeiten bei Frost oder starkem Regen nicht die erforderliche Qualität erreichen können, wurden Pufferzeiten eingeplant, wobei sich das Ende der Arbeiten bei extremer Witterung dennoch verschieben könnte.
Innovative Aufbereitungsverfahren und Materialwirtschaft
Ein besonderes Augenmerk liegt bei diesem Projekt auf der effizienten Verwertung der abgetragenen Baustoffe. Erstmals setzt der Flughafenbetreiber auf ein großflächiges Verfahren zur Wiederaufbereitung direkt im Umfeld des Flughafens. Rund 12.000 Tonnen der alten Asphaltdecke werden in die CargoCity Süd transportiert, dort zerkleinert und aufbereitet. In einer nahegelegenen Asphaltmischanlage in Kelsterbach wird dieses Material dem neuen Asphalt beigemischt.
Axel Konrad, Projektleiter im Zentralen Infrastrukturmanagement der Fraport AG, erläutert die wirtschaftlichen Vorteile dieses Vorgehens. Durch die direkte Wiederverwendung vor Ort können erhebliche Kosten für den Abtransport und die Beschaffung von Neumaterial eingespart werden. Dies reduziert die Anzahl der notwendigen Lkw-Fahrten auf den öffentlichen Straßen rund um das Frankfurter Kreuz deutlich und sorgt für einen geschlossenen Stoffkreislauf innerhalb der Flughafenlogistik. Die technische Qualität des Endprodukts bleibt dabei durch moderne Mischverfahren auf dem Niveau von Primärrohstoffen.
Modernisierung der elektrischen Infrastruktur
Parallel zu den Tiefbauarbeiten nutzt Fraport die Vollsperrung für eine umfassende Erneuerung der technischen Ausrüstung. Die Befeuerung der Centerbahn, also die im Asphalt eingelassenen Lichter, die den Piloten bei Nacht und schlechter Sicht den Weg weisen, wird auf modernste LED-Technik umgestellt. Insgesamt 450 Leuchteinheiten werden ausgetauscht. Diese sind nicht nur langlebiger als herkömmliche Halogenlampen, sondern weisen auch eine höhere Lichtstärke bei geringerem Wartungsaufwand auf.
Die Vorbereitungen für diesen elektrotechnischen Kraftakt liefen bereits Monate im Voraus an. Teams haben im Untergrund der Startbahn über 80 Kilometer neue Kabel verlegt, um die Stromversorgung und die digitale Steuerung der Lampen zu gewährleisten. Die Umstellung auf LED ist Teil eines flughafenweiten Programms zur technischen Modernisierung, um die Ausfallzeiten durch defekte Leuchtmittel im laufenden Betrieb zu minimieren.
Auswirkungen auf den Flugbetrieb und die Lärmpausen
Trotz der Sperrung einer der wichtigsten Bahnen soll der Flugverkehr in Frankfurt ohne größere Streichungen fortgeführt werden. Das Drehkreuz verfügt über ein System aus insgesamt vier Start- und Landebahnen, wodurch eine gewisse Flexibilität gewährleistet ist. Während der Sanierungsphase stehen die Landebahn Nord (07L/25R), die Start- und Landebahn Süd (07R/25L) sowie die Startbahn 18 West uneingeschränkt zur Verfügung. Dennoch bedeutet der Wegfall der Centerbahn eine Kapazitätsreduktion pro Stunde, die durch eine präzise Taktung der Deutschen Flugsicherung ausgeglichen werden muss.
Eine spürbare Folge für die Anwohner des Flughafens ist die vorübergehende Aussetzung der sogenannten Lärmpausen. Dieses Modell sieht normalerweise vor, dass in den Randstunden der Nacht bestimmte Bahnen abwechselnd nicht genutzt werden, um einzelnen Wohngebieten Phasen der Ruhe zu ermöglichen. Da für die Zeit der Bauarbeiten jedoch jede verfügbare Bahnkapazität benötigt wird, um Staus am Boden und in der Luft zu vermeiden, wird das gesamte Bahnsystem flexibel genutzt. Die Fluggesellschaften wurden aufgefordert, ihre Slot-Zeiten strikt einzuhalten, um die Belastung in den verbleibenden Korridoren so gering wie möglich zu halten.
Turnusgemäße Instandsetzung als Sicherheitsfaktor
Die jetzige Sanierung folgt einem festen Zyklus. Die letzte große Instandsetzung der Centerbahn fand im Jahr 2015 statt. Nach elf Jahren intensiver Nutzung zeigen sich die typischen Verschleißerscheinungen: Spurbildungen durch das hohe Gewicht der Maschinen beim Aufsetzen und Risse in der Oberfläche, die durch Temperaturwechsel entstehen. Da die Centerbahn die am stärksten frequentierte Piste des Flughafens ist, sind diese Arbeiten unvermeidlich, um den hohen internationalen Sicherheitsstandards der Luftfahrtbehörden gerecht zu werden.
Durch die Bündelung aller Maßnahmen – Asphaltierung, Markierung und Elektrotechnik – in einem kompakten Zeitraum von 16 Tagen versucht Fraport, die Beeinträchtigungen so kurz wie möglich zu halten. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Bahn über eine neue, hochfeste Deckschicht verfügen, die nach aktuellen Prognosen bis etwa 2037 den Anforderungen des modernen Luftverkehrs standhalten wird. Für Reisende bedeutet dies ab Ende März wieder einen uneingeschränkten Betrieb am größten deutschen Luftverkehrsknotenpunkt.