Die juristische Aufarbeitung der staatlichen Rettungsmaßnahmen für die spanische Fluggesellschaft Plus Ultra Líneas Aéreas erreicht eine neue Eskalationsstufe. Der Wirtschaftsprüfer und gerichtliche Gutachter Pedro Martín Molina belastete die staatliche Beteiligungsgesellschaft Sepi bei einer Anhörung vor dem spanischen Senat schwer.
Molina erklärte, dass die Sepi bei der Gewährung von Finanzhilfen in Höhe von 53 Millionen Euro im Jahr 2021 wesentliche Warnsignale bezüglich der wirtschaftlichen Stabilität des Unternehmens missachtet habe. Laut Gutachten lagen der Behörde bereits zum Zeitpunkt der Entscheidung Berichte von namhaften Beratungsfirmen wie Deloitte und DC Advisory vor, die erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit der Fluglinie äußerten. Ohne den staatlichen Eingriff hätte das Unternehmen nach Einschätzung des Experten unmittelbar Insolvenz anmelden müssen.
Zusätzliche Recherchen belegen, dass die Kontroverse um Plus Ultra über rein wirtschaftliche Aspekte hinausgeht und eine politische Dimension angenommen hat. Kritiker bemängeln insbesondere den geringen Marktanteil der Fluggesellschaft, die zum Zeitpunkt der Rettung lediglich ein Prozent des internationalen Flugverkehrs in Spanien abwickelte und über eine sehr kleine Flotte verfügte. Dies warf die Frage auf, ob die Airline tatsächlich als systemrelevant im Sinne der Corona-Hilfsprogramme eingestuft werden durfte. Während die spanische Regierung die Rettung mit der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Anbindung an lateinamerikanische Märkte rechtfertigte, wiesen Oppositionsparteien wiederholt auf unklare Eigentumsverhältnisse und mögliche Verbindungen zu politischen Kreisen in Venezuela hin.
Die aktuellen Aussagen des Gutachters stützen die These, dass die internen Prüfmechanismen der staatlichen Sepi unzureichend waren oder bewusst umgangen wurden. Molina betonte vor dem Untersuchungsausschuss, dass der Abschlussprüfer der Fluggesellschaft selbst bereits vor der Pandemie Warnungen über die finanzielle Schieflage ausgesprochen hatte. Dies steht im direkten Widerspruch zu den Voraussetzungen für die staatlichen Überbrückungskredite, die eigentlich nur Unternehmen vorbehalten sein sollten, deren wirtschaftliche Probleme primär durch die Covid-19-Pandemie verursacht wurden. Die Untersuchung konzentriert sich nun darauf, ob die Verantwortlichen bei der Sepi ihre Sorgfaltspflicht verletzt haben, indem sie die negativen Expertisen der externen Berater zugunsten einer schnellen Auszahlung ignorierten.
Für die spanische Luftfahrtbranche und die politische Landschaft bleibt der Fall Plus Ultra eine Belastungsprobe. Das Verfahren könnte weitreichende Folgen für die Handhabung künftiger staatlicher Interventionen im Privatsektor haben. Sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass die Gelder unrechtmäßig flossen, drohen Rückforderungsansprüche und strafrechtliche Konsequenzen für die beteiligten Entscheidungsträger. Die Fluggesellschaft selbst versucht derweil, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, steht jedoch aufgrund der laufenden Ermittlungen und der damit verbundenen Unsicherheit bei Banken und Partnern unter massivem wirtschaftlichem Druck. Eine abschließende Entscheidung der Justiz über die Rechtmäßigkeit der Millionen-Hilfe wird in den kommenden Monaten erwartet.