Der Hamburger Flughafen erprobt derzeit den Einsatz eines speziell umgebauten Gepäckschleppers mit Wasserstoffantrieb. Ziel des Praxistests ist es, die Möglichkeit der Umrüstung bestehender Fahrzeugflotten für einen emissionsarmen Bodenbetrieb zu untersuchen. Diese Maßnahme basiert auf den Ergebnissen internationaler Studien aus dem Interreg BSR HyAirport Projekt und soll die theoretischen Erkenntnisse in der Praxis überprüfen.
Der neue Prototyp wurde von der Firma HTM Hydro Technology Motors aus Bingen am Rhein entwickelt. Er basiert auf einem vorhandenen Erdgas-Modell (Mulag 4CNG) und wurde auf Wasserstoffbetrieb umgerüstet. Der Test, der sechs bis neun Monate dauern soll, konzentriert sich auf die Erprobung des Wasserstoffantriebs unter realen Bedingungen auf dem Vorfeld des Flughafens. Dabei werden die technische Funktionalität, der Verbrauch und die wirtschaftliche Machbarkeit einer breiteren Anwendung analysiert. Der Test findet bewußt während der verkehrsreichen Sommermonate statt, um ein breites Einsatzspektrum abzubilden. Aktuell sind am Hamburg Airport rund 60 Gepäckschlepper in Betrieb; einer davon fährt nun mit Wasserstoff statt Erdgas.
Die für den Test benötigte Wasserstoff-Tankinfrastruktur wird von der Firma Ryze Power mit einer mobilen Tankeinheit direkt am Flughafen bereitgestellt. Das Projekt wird technisch und wirtschaftlich begleitet, unter anderem durch Analysen im Rahmen des Norddeutschen Reallabors (NRL), einem Verbundprojekt von 50 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Bereits im Jahre 2019 war der Hamburger Flughafen an einem früheren wasserstoffbasierten Schlepperprojekt beteiligt, bei dem gemeinsam mit Mulag ein erstes Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb entwickelt wurde. Dieses Modell wurde später auch an internationalen Forschungsstandorten wie dem Flughafen Bristol, der Cranfield University und zuletzt am Flughafen Riga auf seine Wintertauglichkeit getestet. Der aktuelle Test in Hamburg geht nun einen Schritt weiter, indem ein Wasserstoff-Verbrennungsmotor in ein bereits im Betrieb befindliches Serienfahrzeug integriert wird. HTM nutzt dabei eine neuartige hybride Kombination aus Wasserstoffverbrennungsmotor und einem elektrischen Antriebssystem, das ausschließlich mit Wasserstoff betankt wird.
Die Erkenntnisse des Tests sind nicht nur für den Hamburger Flughafen von Bedeutung. Als Leadpartner des EU-geförderten Projekts BSR HyAirport, das Wasserstofflösungen im europäischen Flughafenumfeld untersucht, teilt der Flughafen seine Ergebnisse mit anderen Flughäfen, die ebenfalls ihre Fahrzeugflotten umrüsten könnten. Aktuelle Studien des Projekts beleuchten das Potential von Wasserstoff im Bodenbetrieb, insbesondere hinsichtlich Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit. Demnach bietet Wasserstoff, besonders für Fahrzeuge mit hohem Energiebedarf wie Gepäckschlepper oder Winterdienstmaschinen, Vorteile gegenüber batterieelektrischen Lösungen, wie kurze Betankungszeiten und konstante Leistung bei niedrigen Temperaturen. Das BSR-Projekt vernetzt Flughäfen in der Ostseeregion, um Wissenstransfer und technologische Lösungen für eine zukunftsfähige Flughafeninfrastruktur voranzutreiben.