Der Hotelmarkt in Singapur steht vor einer Umstrukturierung im gehobenen Segment. Die in Hongkong ansässige Harilela Group hat angekündigt, das bestehende Holiday Inn Singapore Orchard City Centre zu übernehmen und umfassend umzugestalten.
Ab dem Frühjahr 2027 soll die Immobilie als drittes Haus unter der hauseigenen Luxusmarke The Hari betrieben werden. Das geplante Hotel wird über 326 Zimmer verfügen und nach der Modernisierung mit einem Dachgott-Pool, einer Executive Lounge sowie verschiedenen Gastronomie- und Wellnessbereichen ausgestattet sein. Das gestalterische Konzept wird von der britischen Designerin Tara Bernerd verantwortet, die bereits die Schwesterhotels der Marke in London und Hongkong entworfen hat.
Der Gründer der Marke, Aron Harilela, begründet die Standortwahl mit der anhaltenden Relevanz Singapurs als asiatischer Luftverkehrs- und Wirtschaftsknotenpunkt. Die 1959 gegründete und bis heute in Familienbesitz befindliche Harilela Group besitzt weltweit insgesamt 15 Hotelimmobilien in Asien, Europa und den USA. Mit dem Umbau des bisherigen Franchise-Betriebs der InterContinental Hotels Group (IHG) versucht das Unternehmen, seine Eigenmarke nach den Eröffnungen in London-Belgravia (2016) und Hongkong-Wan Chai (2020) im südostasiatischen Raum zu etablieren. Ein Kernelement des Markenauftritts soll dabei eine wechselnde Kunstausstellung in den öffentlichen Bereichen des Gebäudes bilden.
Branchenanalysten betrachten das Vorhaben in Singapur jedoch mit einer gewissen Skepsis, da der Markt für Luxushotels im Stadtstaat als extrem gesättigt gilt. In unmittelbarer Nähe zur Haupteinkaufsstraße Orchard Road konkurrieren bereits zahlreiche etablierte internationale Premium-Marken um die zahlungskräftige Kundschaft. Das Holiday Inn wies als etabliertes Mittelklassehotel eine andere Zielgruppenstruktur auf, weshalb der geplante Aufstieg in das Luxussegment eine vollständige Neupositionierung im Markt erfordert. Ob sich die erhebliche Investition in den Umbau des Bestandsgebäudes angesichts steigender Bau- und Personalkosten in Singapur innerhalb eines absehbaren Zeitraums amortisiert, bleibt abzuwarten.
Zudem weisen Marktbeobachter darauf hin, dass kleinere, inhabergeführte Nischenmarken wie The Hari im globalen Wettbewerb gegenüber den großen Hotelketten und deren weitverzweigten Kundenbindungsprogrammen im Nachteil sind. Während Großkonzerne erhebliche Synergien beim weltweiten Marketing und Vertrieb nutzen können, ist ein Einzelobjekt stark von der lokalen Nachfragedynamik und der Auslastung durch Geschäftsreisende im asiatischen Raum abhängig. Der Erfolg des Projekts hängt somit maßgeblich davon ab, ob es gelingt, trotz des Verzichts auf ein globales Buchungsnetzwerk eine ausreichende Stammkundschaft an den neuen Standort zu binden.