Die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG), die Dachgesellschaft der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden, hat im vergangenen Jahr den höchsten Verlust ihrer Unternehmensgeschichte verzeichnet. Der Konzern meldete einen Fehlbetrag von 53,5 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2024. Dieses negative Ergebnis, das nach Angaben der MFAG so einkalkuliert war, ist Ausdruck der notwendigen und kostenintensiven Schritte eines umfassenden Sanierungsprogramms, das zur finanziellen Stabilisierung des Unternehmens eingeleitet wurde. Die Umsatzerlöse sanken im gleichen Zeitraum um 2,9 Prozent auf 186,2 Millionen Euro, und das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (ebit) lag bei minus 39,3 Millionen Euro.
Die MFAG, deren Haupteigentümer die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt sind, befindet sich seit geraumer Zeit unter erheblichem finanziellen Druck. Nur durch die Mobilisierung neuer Bankkredite und stabilisierender Beiträge der Gesellschafter konnte im vergangenen Jahr eine akute Finanzkrise abgewendet und eine Finanzierungslücke von 145 Millionen Euro geschlossen werden. Trotz der gesicherten Finanzierung des laufenden Betriebs und der Restrukturierung bis Ende 2026 wirft die Entwicklung Fragen zur langfristigen Tragfähigkeit des Gesamtkonzerns auf, insbesondere vor dem Hintergrund eines drohenden Konflikts zwischen den Hauptgesellschaftern.
Der Sanierungskurs als Ursache des Verlusts
Der Vorstandsvorsitzende Götz Ahmelmann betonte in Interviews, dass das vergangene Jahr stark von den „notwendigen Aufwendungen für die Restrukturierung geprägt“ gewesen sei. Das Rekorddefizit von 53,5 Millionen Euro sei daher „einkalkuliert“ und nicht als Kontrollverlust zu werten. Es handelt sich hierbei um die Zusatzkosten, die durch die Beauftragung von Gutachten, Beratungsleistungen und die ersten Umsetzungsschritte des Sanierungsprogramms entstehen. Diese initialen Investitionen in die Umstrukturierung sind darauf ausgerichtet, langfristig eine höhere Wirtschaftlichkeit und eine strukturelle Gesundung des Konzerns zu erreichen.
Zu den zentralen Restrukturierungsmaßnahmen gehört die Reduktion der Personalkosten. Im laufenden Jahr wurden bereits 172 Stellen abgebaut, was ein wesentliches Element zur Senkung der laufenden Betriebskosten darstellt.
Parallel dazu plant die Mitteldeutsche Flughafen AG, ihre Einnahmen signifikant zu steigern. Ein wichtiger Erfolg in diesem Zusammenhang ist die Verlängerung des Vertrags mit dem Logistikkonzern DHL am Flughafen Leipzig/Halle (LEJ) bis ins Jahr 2053. Der Flughafen Leipzig/Halle hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Frachtdrehkreuze Europas entwickelt, was maßgeblich auf die Präsenz von DHL als Hauptnutzer zurückzuführen ist. Die langfristige Sicherung dieses Ankerunternehmens ist entscheidend für die Stabilität der Einnahmen im Frachtgeschäft, welches traditionell die Verluste des Passagiergeschäfts, insbesondere am Standort Dresden, teilweise kompensieren muss.
Gesicherte Finanzierung bis 2026 – Unsicherheit ab 2027
Die Finanzierung des laufenden Betriebs und der notwendigen Investitionen ist nach Angaben von Vorstandschef Ahmelmann bis Ende 2026 gesichert. Dies wurde durch eine Kombination aus erweiterten Banklinien und stabilisierenden Gesellschafterbeiträgen erreicht. Die Mittel der Gesellschafter für das Jahr 2025 sind bereits an die MFAG geflossen, und der Beitrag für 2026 ist verbindlich zugesagt.
Die finanzielle Rettungsaktion des vergangenen Jahres, bei der eine kritische Lücke von 145 Millionen Euro geschlossen werden musste, unterstreicht die prekäre Lage des Konzerns. Ohne die Intervention der Haupteigentümer, der Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt, wäre die Fortführung des Betriebs gefährdet gewesen.
Allerdings zeichnet sich bereits ein Konflikt zwischen den Gesellschaftern ab, der die Finanzierung ab 2027 massiv gefährden könnte. Sachsen-Anhalt hat signalisiert, sich spätestens ab 2027 nicht mehr an der Deckung der Defizite des Dresdner Flughafens (DRS) beteiligen zu wollen. Der Flughafen Dresden kämpft seit Jahren mit unzureichenden Passagierzahlen und ist strukturell defizitär. Diese Positionierung von Sachsen-Anhalt könnte die finanzielle Last für den Freistaat Sachsen, der dann allein für das Dresdner Defizit aufkommen müsste, erheblich erhöhen. Eine Trennung der Flughäfen oder eine Neudefinition der Gesellschafterverantwortung stehen damit ab 2027 auf der politischen Agenda.
Der Flughafen Leipzig/Halle als Stabilitätsanker
Die MFAG-Struktur, die zwei Flughäfen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung vereint, ist ein wesentlicher Faktor in der aktuellen Finanzdiskussion. Der Flughafen Leipzig/Halle (LEJ) hat sich in den letzten Jahren als zentrales Frachtdrehkreuz etabliert. DHL betreibt dort seinen größten globalen Hub, und auch andere Frachtunternehmen nutzen den Standort intensiv. Das Frachtgeschäft ist in der Regel widerstandsfähiger gegen Konjunkturschwankungen als der Passagierverkehr. Dieser starke Frachtarm in Leipzig/Halle dient als finanzieller Anker für den Gesamtkonzern.
Im Gegensatz dazu kämpft der Flughafen Dresden (DRS) primär als Regionalflughafen mit einem wesentlich geringeren Frachtanteil. Die anhaltend schwache Entwicklung im Passagierverkehr, insbesondere im Vergleich zu anderen mittelgroßen deutschen Flughäfen, führt zu strukturellen Verlusten.
Die Notwendigkeit, einen Sanierungskurs zu fahren und hohe Verluste zu akzeptieren, ist daher Ausdruck der Bemühungen, die Kostenstruktur des Gesamtkonzerns zu optimieren und die Abhängigkeit von den defizitären Passagierbereichen zu reduzieren, während gleichzeitig die Stärken im Frachtbereich in Leipzig/Halle maximal ausgeschöpft werden. Die Verhandlungen über die zukünftige Aufteilung der Defizitverantwortung zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt werden entscheidend dafür sein, ob die Mitteldeutsche Flughafen AG in ihrer jetzigen Form langfristig überleben kann oder ob eine strukturelle Neuordnung unvermeidlich wird.