Flughafen Altenrhein (Foto: René Steuer).
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Hundert Jahre Luftfahrtgeschichte am Bodensee: Altenrhein bereitet Großereignis vor

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Der Flugplatz St. Gallen-Altenrhein begeht im Sommer 2026 ein historisches Jubiläum. Seit einem Jahrhundert dient das Areal in unmittelbarer Grenznähe zum österreichischen Vorarlberg als bedeutender Knotenpunkt für die regionale und internationale Luftfahrt. Das hundertjährige Bestehen wird am Wochenende vom 28. bis 30. August 2026 mit Feierlichkeiten gewürdigt, die sowohl die historische Entwicklung als auch die moderne aviatische Bedeutung des Standorts unterstreichen.

Die Planungen für dieses Großereignis, das unter der Leitung eines eigens gegründeten Organisationskomitees steht, laufen bereits auf Hochtouren. Im Zentrum des Interesses steht dabei eine Flugschau, die neben zivilen Exponaten auch militärische Darbietungen umfasst. Erwartet werden bis zu 70.000 Besucher, was den Flugplatz vor enorme logistische und sicherheitstechnische Herausforderungen stellt. Während die Vorfreude in Fliegerkreisen groß ist, regt sich in den angrenzenden Gemeinden auf österreichischer Seite Kritik an den geplanten Flugbewegungen.

Die Geschichte des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein ist eng mit der industriellen Entwicklung der Bodenseeregion verknüpft. Ursprünglich in den 1920er-Jahren als Werksflugplatz für die Dornier-Werke konzipiert, entwickelte sich der Standort über die Jahrzehnte zu einem modernen Regionalflughafen. Pünktlich zum Jubiläum dokumentiert ein Autorenteam unter der Leitung des Aviatikjournalisten Hansjörg Bürgi diese wechselvolle Historie in einem umfassenden Jubiläumsbuch. Die Recherchen hierzu begannen bereits über ein Jahr vor dem Festwochenende. Das Werk beleuchtet die Anfänge der Schweizer Luftfahrt um 1909 und spannt den Bogen bis in die Gegenwart. Dabei stehen nicht nur technische Aspekte im Vordergrund, sondern auch die Porträts maßgeblicher Persönlichkeiten, die den Flugplatz über Generationen hinweg geprägt haben.

Abschied der Patrouille Suisse in der Bodensee-Region

Ein besonderer Programmpunkt des Jubiläums ist der angekündigte Auftritt der Patrouille Suisse. Die renommierte Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe wird im Rahmen der Feierlichkeiten eines ihrer letzten Manöver im Bodenseeraum absolvieren. Hintergrund ist ein Beschluss des Schweizer Ständerats, die Staffel bis Ende 2027 aufzulösen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung sind die hohen Betriebskosten sowie die geplante Ausmusterung der Kampfflugzeuge vom Typ Northrop F-5E Tiger II, die das Rückgrat der Staffel bilden. Für viele Luftfahrtbegeisterte markiert der Auftritt in Altenrhein somit das Ende einer Ära. Die Staffel, die normalerweise auf dem Militärflugplatz in Emmen stationiert ist, gilt als internationales Aushängeschild der Schweizer Luftwaffe und wird am Festwochenende die Leistungsfähigkeit der militärischen Luftfahrt demonstrieren.

Die Durchführung einer Flugschau parallel zum regulären Linienbetrieb stellt die Flugsicherung vor komplexe Aufgaben. Max Mumenthaler von der Schweizer Flugsicherungsgesellschaft Skyguide erläutert die notwendigen Maßnahmen im Tower: Während der Kunstflugdarbietungen wird die Kontrollzone für jeglichen anderen Flugverkehr gesperrt. Dies bedeutet, dass in den entsprechenden Zeitfenstern weder Starts noch Landungen von Privat- oder Linienmaschinen möglich sind. Dennoch muss der Flugplan der Linienverbindungen, die Ziele wie Wien oder saisonale Urlaubsdestinationen ansteuern, in das Gesamtkonzept integriert werden. Die Trennung von Akrobatikflügen und kommerziellem Verkehr erfordert eine minutengenaue Abstimmung, die bereits Monate im Voraus vorbereitet wurde.

Sicherheit und Infrastruktur als Kostenfaktoren

Mit einem Budget von rund 1,3 Millionen Schweizer Franken ist das Jubiläumsfest eine wirtschaftliche Kraftanstrengung. Eugen Stieger vom Organisationskomitee betont, dass die hohen Kosten nicht durch die Piloten oder die teilnehmenden Flugzeuge – inklusive der Patrouille Suisse – entstehen, da diese ihre Dienste unentgeltlich zur Verfügung stellen. Der finanzielle Aufwand konzentriert sich vielmehr auf die umfangreiche Infrastruktur und die Gewährleistung der Sicherheit für die erwarteten Massen. Flugplatzleiter Sascha Raich weist darauf hin, dass die Verbindung von streng regulierter Luftfahrtsicherheit und der allgemeinen Veranstaltungssicherheit für 70.000 Gäste eine spannende, aber arbeitsintensive Phase darstellt. Finanziert wird das Event durch Sponsoring und den bereits angelaufenen Ticketverkauf.

Trotz der behördlichen Genehmigungen auf beiden Seiten der Grenze stoßen die Pläne für die Flugschau im Vorarlberger Rheindelta auf Widerstand. Die Gemeinden Gaißau, Höchst und Fußach äußerten deutliche Kritik an der Entscheidung des Landes Vorarlberg, dem Event zuzustimmen. Die Gemeindevertreter bemängeln insbesondere die Lärmbelastung durch die eingesetzten Militärjets und sehen Sicherheitsrisiken für die dicht besiedelten Gebiete in der Anflugschneise. Zudem wird auf die geografische Nähe zu sensiblen Gebieten verwiesen, was die Diskussion um die Vereinbarkeit von Großveranstaltungen und regionalen Interessen in der Grenzregion weiter befeuert. Das Organisationskomitee ist jedoch bemüht, durch Transparenz und strikte Einhaltung der Sicherheitsvorgaben die Bedenken zu entkräften und ein reibungsloses Festwochenende zu garantieren.

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