Die International Air Transport Association (IATA) hat ihre große Besorgnis über die vom Europäischen Parlament vorgeschlagenen Reformen der EU-Verordnung 261/2001 (Fluggastrechte) bekräftigt. Nach Ansicht des Luftfahrtverbands würden die Pläne des Parlaments die bekannten Mängel der Verordnung nicht nur verfestigen, sondern verschärfen, was letztendlich zu steigenden Kosten für Verbraucher und Fluggesellschaften führen würde, ohne die Hauptanliegen der Passagiere zu lösen.
Der Europäische Rat hatte im Juni 2025 bereits Änderungen an der Verordnung beschlossen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Luftfahrt zu stärken. Die wichtigste dieser Reformen war die Anhebung der Entschädigungsschwellen für Verspätungen, um Fluggesellschaften Anreize zu geben, verspätete Flüge durchzuführen, anstatt sie zu streichen. Konkret sollten die Schwellen für Entschädigungsansprüche von drei auf vier Stunden bei Kurzstreckenflügen und auf neun Stunden bei Langstreckenflügen erhöht werden. Das Europäische Parlament plant nun jedoch, diese Verbesserungen zu revidieren und darüber hinaus zusätzliche Maßnahmen einzuführen, wie die verpflichtende kostenlose Mitnahme eines Handgepäckstücks. Die IATA kritisiert, dass für solche Regelungen kein erkennbarer Passagierwunsch bestehe und die Kosten letztlich auf die Flugpreise umgelegt würden.
Die IATA stützt ihre Argumentation auf eine eigene Passagierumfrage vom Mai 2025, wonach 72 Prozent der Befragten den günstigsten Flugtarif bevorzugen und zusätzliche Leistungen nur bei Bedarf bezahlen möchten. Zudem hätten 97 Prozent der Passagiere ihren letzten Flug als zufriedenstellend bewertet. Eine IATA-Analyse von Eurocontrol-Statistiken zeige zudem, dass weniger als ein Prozent aller Flüge mehr als drei Stunden Verspätung aufweisen. Dies führe dazu, dass 99 Prozent der Passagiere die Kosten für ein Entschädigungssystem mittragen, von dem nur ein kleiner Teil profitiere. Generaldirektor Willie Walsh sprach in diesem Zusammenhang von einem „umgekehrten Robin Hood“, da die neuen Parlamentsbestimmungen die Mehrheit der nicht profitierenden Passagiere zusätzlich belasten würden.
Angesichts der Verlangsamung des Wachstums der Luftverkehrsverbindungen in wichtigen europäischen Märkten – wie Deutschland (0,4 %), den Niederlanden (2,9 %) und Frankreich (2,2 %) im Zeitraum 2014–2024 – sieht die IATA dringenden Handlungsbedarf für die Politik. Neben einer ausgewogenen Reform der EU-Verordnung 261/2001 fordert der Verband auch die Abschaffung von Passagiersteuern, da diese die Vernetzung beeinträchtigen. Die IATA verweist hierbei auf die angekündigte Streichung der deutschen Luftverkehrsteuer und die bereits erfolgte Abschaffung in Schweden. Ferner kritisiert der Verband die hohen Zusatzkosten für Fluggesellschaften durch europäische Vorschriften wie das Emissionshandelssystem, die die Wirtschaftlichkeit von Streckeneröffnungen gefährden. Die IATA fordert von den europäischen Politikern, die Empfehlungen des sogenannten Draghi-Berichts zur Wettbewerbsfähigkeit und die Notwendigkeit intelligenterer Regulierungen ernst zu nehmen.