Die neukaledonische Fluggesellschaft Air Calédonie hat beim Handelsgericht in Nouméa Insolvenz angemeldet. Vorausgegangen war ein fast einmonatiger Stillstand des Flugbetriebs, der durch massive Blockaden auf den Außeninseln des französischen Überseeterritoriums ausgelöst wurde.
Der Vorstand der Fluggesellschaft sah sich zu diesem Schritt gezwungen, da die finanzielle Lage nach den seit dem 2. März 2026 andauernden Protesten als nicht mehr tragbar eingestuft wurde. Die Demonstrationen richten sich primär gegen Regierungspläne, den Inlandsflugbetrieb vom stadtnahen Flughafen Magenta auf den über 50 Kilometer entfernten internationalen Flughafen La Tontouta zu verlegen.
Die Protestbewegungen, die von lokalen Nutzerkollektiven und traditionellen Stammesautoritäten getragen werden, hinderten die ATR-Turboprop-Maschinen der Fluggesellschaft systematisch am Landen auf den Loyalitätsinseln Lifou, Maré und Ouvéa sowie auf der Île des Pins. Durch den vollständigen Einnahmeausfall schrumpften die Barreserven des Unternehmens auf rund drei Millionen Euro, was laut Branchenberichten kaum ausreicht, um die Gehälter der rund 200 Beschäftigten über den Monat April hinaus zu decken. Bereits vor dem Insolvenzantrag wurde etwa die Hälfte der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt, während die Airline versuchte, einen Rettungsplan mit den Gläubigern auszuhandeln.
Der Zusammenbruch der Flugverbindungen hat verheerende Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft und die medizinische Versorgung. Da der Fährbetreiber Betico zeitgleich mit technischen Defekten zu kämpfen hat, sind viele Inseln faktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Zahlreiche Tourismusbetriebe mussten bereits schließen oder ebenfalls Gläubigerschutz beantragen. Besonders kritisch stellt sich die Lage für Patienten dar, die auf Spezialbehandlungen in der Hauptstadt angewiesen sind. Am 21. März musste ein humanitärer Korridor eingerichtet werden, um 50 Kranke von der Insel Ouvéa nach Nouméa zu evakuieren, da der reguläre Linienbetrieb weiterhin blockiert bleibt.
Politisch steht Air Calédonie schon länger unter Druck; die Folgen der COVID-19-Pandemie und die schweren Unruhen im Jahr 2024 hatten die Bilanzen bereits massiv belastet. Regierungspräsident Alcide Ponga warnte vor einem endgültigen Aus des nationalen Trägers, sollte keine Einigung mit den lokalen Akteuren erzielt werden. Das Insolvenzverfahren soll nun dazu dienen, die Schulden einzufrieren und unter gerichtlicher Aufsicht einen Neustart zu versuchen. Voraussetzung dafür bleibt jedoch die Aufhebung der Blockaden an den Regionalflughäfen sowie ein politischer Konsens über die künftige Standortstrategie der Fluggesellschaft.