Insolvenz (Foto: Pixabay/Ratfink1973).
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Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bei der Revo Hospitality Group

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Die europäische Hotellandschaft steht am Beginn des Jahres 2026 vor einer Zäsur. Die Revo Hospitality Group, die erst im vergangenen Jahr durch die Umfirmierung der bekannten HR Group entstand und als größter Multibrand-Hotelbetreiber des Kontinents gilt, hat am 16. Januar 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenzanträge in Eigenverwaltung für rund 140 ihrer Gesellschaften gestellt.

Dieser Schritt folgt auf eine Phase massiver Expansion, die das Unternehmen zuletzt an die Grenzen seiner finanziellen Belastbarkeit geführt hat. Betroffen sind vor allem die operativen Einheiten in Deutschland und Österreich, die insgesamt rund 125 Hotels mit etwa 5.500 Mitarbeitern umfassen. Trotz der Einleitung des Verfahrens soll der Hotelbetrieb vollumfänglich fortgeführt werden, während spezialisierte Sanierungsexperten versuchen, das Unternehmen durch eine Neustrukturierung und die Suche nach internationalen Investoren zu retten. Die Krise des Branchenführers verdeutlicht die ökonomischen Risiken aggressiver Wachstumsstrategien in einem Marktumfeld, das hinter den Umsatzprognosen der vergangenen Jahre zurückgeblieben ist.

Strukturelle Überdehnung nach Jahren des Wachstums

Die Geschichte der Revo Hospitality Group war über zwei Jahrzehnte hinweg von einem beispiellosen Aufstieg geprägt. Was im Jahr 2008 mit einem einzelnen Hotelstandort in Leipzig begann, entwickelte sich bis zum Jahr 2020 zu einem Portfolio von 51 Häusern. In der Zeit nach der globalen Pandemie forcierte das Unternehmen unter der Leitung der Gründer und Anteilseigner eine Expansionswelle, die das Netzwerk auf insgesamt 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern anwachsen ließ. Mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 1,3 Milliarden Euro und einer Belegschaft von 8.300 Mitarbeitern besetzte die Gruppe eine dominante Stellung als Partner großer internationaler Marken wie Accor, Marriott und Hilton.

Doch dieser rasante Zuwachs brachte interne Schwierigkeiten mit sich. Das Management räumte ein, dass die Integration der zahlreichen neu akquirierten Betriebe zu kostspieligen Doppelstrukturen und administrativen Ineffizienzen geführt habe. Bereits im September 2025 verdichteten sich Berichte über punktuelle Zahlungsschwierigkeiten. Die finanzielle Schieflage verschärfte sich drastisch, als die Übernachtungszahlen im Geschäftsjahr 2025 deutlich hinter den internen Prognosen zurückblieben. Da der erwartete Umsatz nicht realisiert werden konnte und gleichzeitig die hohen Fixkosten der Pachtverträge sowie die Integrationsaufwendungen die Liquidität belasteten, konnte die entstandene Finanzlücke weder aus dem laufenden Cashflow noch durch zusätzliche Kreditaufnahmen geschlossen werden.

Konflikt mit Lizenzgebern und operative Stabilisierung

Ein deutliches Warnsignal für den Markt war die vorübergehende Sperrung der Buchungssysteme durch den strategischen Partner Accor nur wenige Tage vor dem Insolvenzantrag. Solche Maßnahmen gelten in der Hotellerie als letztes Mittel, wenn vertragliche Verpflichtungen oder Zahlungsziele über einen längeren Zeitraum nicht eingehalten werden. Für ein Unternehmen, das maßgeblich von der Sichtbarkeit auf globalen Buchungsplattformen abhängt, bedeutete dieser Schritt einen massiven operativen Einschnitt. Im Zuge der Einleitung des Eigenverwaltungsverfahrens konnten diese Systeme am vergangenen Wochenende jedoch wieder geöffnet werden, sodass der Vertrieb und die Online-Reservierungen für die betroffenen Häuser aktuell gesichert sind.

Um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, wurden die Rechtsanwälte Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von der spezialisierten Kanzlei GT Restructuring in die Geschäftsführung der betroffenen Gesellschaften berufen. Ihre Aufgabe ist es, in enger Abstimmung mit den wesentlichen Stakeholdern – darunter Immobilieneigentümer, Banken und Lieferanten – einen Sanierungsplan zu erarbeiten. Ein erster wichtiger Schritt zur Sicherung der operativen Kapazität ist die beantragte Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes durch die Agentur für Arbeit. Damit sind die Gehälter der rund 5.500 betroffenen Angestellten in Deutschland und Österreich für den Zeitraum von Januar bis März 2026 abgesichert.

Investorensuche und Aussichten für die Gläubiger

Das erklärte Ziel der Eigenverwaltung ist die geordnete Überführung der profitablen Unternehmensteile auf neue Investoren. Die Sanierer zeigen sich zuversichtlich, dass das Interesse internationaler Kapitalgeber durch das strukturierte Verfahren eher steigen wird, da eine Insolvenz in Eigenverwaltung die Möglichkeit bietet, Altlasten rechtssicher abzubauen und das Unternehmen auf ein gesundes finanzielles Fundament zu stellen. Bis zum Sommer 2026 soll die wirtschaftliche Neuordnung abgeschlossen sein. Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die Revo-Gruppe trotz ihrer aktuellen Probleme über ein hochwertiges Portfolio an Standorten verfügt, das für Private-Equity-Gesellschaften oder konkurrierende Hotelgruppen von hohem strategischem Wert ist.

Dennoch blickt die Zulieferindustrie und die Immobilienwirtschaft mit Sorge auf das Verfahren. Bei Sanierungen dieser Größenordnung müssen ungesicherte Gläubiger oft erhebliche Verluste hinnehmen. Branchenübliche Quoten liegen in vergleichbaren Fällen häufig bei lediglich 15 Prozent der ursprünglichen Forderungen. Dies bedeutet, dass Lieferanten, Dienstleister und auch die Eigentümer der Hotelimmobilien, die auf ausstehende Pachtzahlungen warten, mit Ausfällen in Millionenhöhe rechnen müssen. Für viele mittelständische Partner der Revo-Gruppe könnte dies eine erhebliche wirtschaftliche Belastung darstellen.

Auswirkungen auf den europäischen Hotelmarkt

Die Insolvenz des Marktführers im Multibrand-Segment wird voraussichtlich zu einer Konsolidierung des gesamten Sektors führen. Das Modell, bei dem ein Betreiber zahlreiche Hotels unter verschiedenen Flaggen internationaler Ketten führt, steht nun unter verstärkter Beobachtung durch Banken und Investoren. Die Krise bei Revo zeigt, dass Größe allein in einem volatilen Markt kein Garant für Stabilität ist, wenn die operative Integration nicht mit dem Akquisitionstempo Schritt hält. Experten gehen davon aus, dass künftige Pachtverträge und Finanzierungen im Hotelsektor strengeren Prüfmechanismen unterworfen werden.

Gleichzeitig bietet der Fall Revo eine Chance für eine Marktbereinigung. Hotels an weniger attraktiven Standorten könnten im Zuge der Sanierung abgestoßen oder umgeflaggt werden, während Kernbetriebe gestärkt aus dem Verfahren hervorgehen könnten. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob es den Sanierungsexperten gelingt, das Vertrauen der Geschäftspartner zurückzugewinnen und einen finanzstarken Partner zu finden, der bereit ist, das Erbe der HR Group in eine stabilere Zukunft zu führen. Der Hotelbetrieb für die Gäste bleibt derweil uneingeschränkt bestehen, was für die Aufrechterhaltung des Markenwerts der betriebenen Häuser von existenzieller Bedeutung ist.

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