Kansai International Airport (Foto: Ankou1192).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Japan: Flughafen Kansai versinkt schleichend im Meer

Werbung

Der japanische Großflughafen Kansai International hat ein Problem, denn der Airport droht regelrecht im Meer abzusaufen. Zum Preis von über 20 Milliarden U.S.-Dollar wurde dieser bis Anfang der 1990er-Jahre auf einem Gebiet, das mittels Aufschüttung entstanden ist, errichtet.

Das gebirgige Japan, aber auch die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong, haben ein Problem: Vielerorts mangelt es an Platz. Für die Errichtung des Kansai Airports hat man sich dazu entschlossen, dass das Verfahren der so genannten Landgewinnung zur Anwendung kommt. Dabei wurde ein großes Areal auf dem Meer aufgeschüttet und auf diesem wurde dann der Flughafen Kansai, der im Jahr 1994 offiziell eröffnet wurde, gebaut.

Seither hat sich das äußerst kostspielige Projekt durchaus prächtig entwickelt. Von den Passagierzahlen her gesehen ist es der drittgrößte Airport Japans. Auch im Bereich der Fracht hat man mittlerweile große Volumen, denn die abgelegene Lage mitten auf dem Meer macht viele an anderen Airports geltende Beschränkungen überflüssig.

Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass sich nach und nach konstruktive Mängel zeigen. Die Aufschüttung ist nicht so stabil wie man vor rund 30 Jahren angenommen hat. Die damalige Verdichtung des Schüttguts gibt schleichend nach. Dies kann nach Ansicht von Bauexperten erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft des drittgrößten Flughafens Japans haben.

Damals revolutionär, heute mit Mängeln behaftet

Baulich gesehen ist der Flughafen Kansai bis heute ein Unikum. Zunächst wurden Sperrmauern betoniert, die das künftige Gebiet vom Meer abtrennen sollten. Anschließend wurde das Wasser abgepumpt und das Areal dann mit diversem Schüttgut verfüllt. Dabei kam auch in einer Tiefe von etwa 20 Metern weicher Lehm zum Einsatz. Dieser sollte für die notwendige Stabilität sorgen, denn nach dem Austrocknen sollte dieser hart wie Beton werden.

Doch die Gesamtkonstruktion gibt nach. Experten vermuten, dass unterhalb des Airports, höchstwahrscheinlich am Bodengrund, seit vielen Jahren Meerwasser in unbekannter Menge eintritt. Dies kann auch eine Folge der enormen Gewichtsbelastung, die durch das Schüttgut und den darauf errichteten Flughafen entsteht, sein. Jedenfalls ist es am Lehmfundament weit weniger „hart“ wie ursprünglich geplant. Dies führt dazu, dass das Areal samt Flughafen schleichend sinkt und irgendwann unter den Meeresspiegel fallen könnte. Dies hätte zur Folge, dass der Flughafen Kansai regelrecht absaufen könnte, warnen Bauexperten.

Zwar steht der Airport zusätzlich auf Stelzen, die die Stabilität und Sicherheit erhöhen sollen, aber genau diese stehen haben dem Kenntnisstand von Experten nach ebenfalls auf nicht ausreichend verdichtetem Untergrund. Somit sinken auch die Pfähle, die von Ton, Sand und Erde umgeben sind, schleichend ab.

Belastungen steigen wegen Expansion

Dass es zum Absinken kommen wird, war den Bauherren schon in den 1980er-Jahren während der Planungsphase bekannt. Man war aber der Ansicht, dass man das Ausmaß berechnen kann und bei der Errichtung gleich berücksichtigen kann. Damals ging man davon aus, dass im Jahr 1990 – also noch vor der Inbetriebnahme – eine Absinkung um 5,7 Meter erfolgen wird. Tatsächlich waren es aber 8,2 Meter. Dies setzt sich nun seit über 30 Jahren fort und hat mittlerweile die Schätzungen der Experten um 25 Prozent überschritten. Sollten keine Gegenmaßnahmen erfolgen, so könnte – so Bauexperten – der Flughafen Kansai in den 2050er-Jahren im Meer versinken.

Möglicherweise, so warnen japanische Sachverständige, könnte es sogar schon viel früher passieren, denn Erdbeben, die in dieser Region vergleichsweise häufig auftreten, haben einen negativen Einfluss auf den Untergrund. Dazu kommt, dass die Belastungen weiter steigen werden, denn der Flughafen Kansai wurde erst im Dezember 2023 erweitert und die nächste Ausbaustufe befindet sich bereits in Bau. Das zusätzliche Gewicht wurde bei der Prognose der Bauexperten noch gar nicht berücksichtigt. Die „Sanierung“ des konstruktiven Mangels aus den 1990er-Jahren könnte sehr teuer werden, sofern diese überhaupt behebbar sind. Ein Sachverständiger bringt beispielswiese das Einspritzen von Beton ins Spiel.

Werbung

1 Comment

  • Egal , 3. Januar 2025 @ 16:10

    Milliarden, nicht Millionen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung