Airbus A320 (Foto: Jetstar).
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Jetstar Asia stellt Betrieb ein: Singapurer Billigflieger kämpft mit hohen Kosten und starkem Wettbewerb

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Jetstar Asia Airways, die in Singapur ansässige Billigfluggesellschaft, wird ihren Betrieb zum 31. Juli 2025 vollständig einstellen. Diese Entscheidung wurde von den Anteilseignern, Westbrook Investments und der Qantas Group, getroffen, die ihr Gemeinschaftsunternehmen angesichts steigender Lieferantenkosten, hoher Flughafengebühren und eines sich verschärfenden Wettbewerbs in der Region auflösen.

Die Einstellung des Flugbetriebs von Jetstar Asia markiert einen weiteren Fall, in dem eine regionale Fluggesellschaft den Druck des Marktes nicht standhalten kann, und wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen im asiatisch-pazifischen Luftverkehrssektor.

Die Gründe der Einstellung: Finanzielle Belastung und mangelnde Rentabilität

Die Qantas Group, Mehrheitseigner von Jetstar Asia, bestätigte in einer Börsenmitteilung, daß Jetstar Asia den Betrieb bis Ende Juli schrittweise reduzieren und dann vollständig einstellen wird. Die Entscheidung zur Auflösung des Joint Ventures wurde primär mit der mangelnden Rentabilität begründet. Die Qantas Group führte aus, daß Jetstar Asia trotz „außergewöhnlichem Kundenservice und operativer Zuverlässigkeit“ keine vergleichbaren Renditen wie die stärker performenden Kernmärkte innerhalb der Qantas Group erzielen konnte. Für das laufende Geschäftsjahr wurde erwartet, daß die Fluggesellschaft vor der Schließungsentscheidung einen zugrundeliegenden Verlust von 35 Millionen Australischen Dollar (rund 22,8 Millionen US-Dollar) vor Zinsen und Steuern (EBIT) verzeichnen würde. Diese finanzielle Belastung war offenbar nicht länger tragbar.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Steigende Kosten für Zulieferer, die die gesamte Luftfahrtindustrie betreffen, belasten insbesondere Billigfluggesellschaften, deren Geschäftsmodell auf knappen Margen basiert. Hinzu kommen hohe Flughafengebühren in Singapur, einem der größten und modernsten Luftverkehrsdrehkreuze Asiens, die die Betriebskosten weiter in die Höhe treiben. Ein weiterer entscheidender Faktor ist der intensivierte Wettbewerb in der Region. Der südostasiatische Luftverkehrsmarkt ist bekannt für seine Dichte an Billigfluggesellschaften, die um Marktanteile kämpfen. Zahlreiche etablierte Carrier und neue Marktteilnehmer, oft mit aggressiven Preisstrategien, machen das Umfeld extrem kompetitiv. Jetstar Asia konnte sich in diesem Umfeld offenbar nicht ausreichend profitabel positionieren.

Flottenumverteilung und finanzielle Auswirkungen auf die Qantas Group

Die derzeit von Jetstar Asia Airways unter dem singapurischen Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Air Operator’s Certificate) betriebenen dreizehn Airbus A320-200 Flugzeuge werden nun innerhalb der Qantas Group umverteilt. Sie sollen in den „Kernmärkten“ des Konzerns in Australien und Neuseeland eingesetzt werden. Diese Umgliederung der Flotte soll der Qantas Group rund 500 Millionen Australische Dollar (etwa 325,5 Millionen US-Dollar) an Flottenkapital freisetzen, was ein Indiz für den Wert dieser Vermögenswerte ist und die Liquidität des Mutterkonzerns stärken könnte.

Die Qantas Group erwartet durch die Schließung von Jetstar Asia einmalige Kosten in Höhe von 175 Millionen Australischen Dollar (rund 114 Millionen US-Dollar). Diese Kosten umfassen voraussichtlich Abfindungen für Mitarbeiter, Vertragsauflösungen und andere mit der Geschäftsaufgabe verbundene Ausgaben. Der Konzern betonte jedoch, daß die Schließung ausschließlich die singapurischen Operationen unter dem IATA-Code „3K“ betrifft. Sie werde keinerlei Auswirkungen auf die australische Einheit Jetstar Airways oder das japanische Gemeinschaftsunternehmen Jetstar Japan haben, welches mit der JAL Group und Tokyo Century betrieben wird. Dies verdeutlicht, daß die Qantas Group ihre Kerngeschäfte und andere Joint Ventures in der Region als stabil und profitabel betrachtet.

Die Flotte von Jetstar Asia und ihre Routen: Ein Blick auf das bisherige Geschäft

Jetstar Asia Airways betrieb bis zuletzt eine Flotte von dreizehn Airbus A320-200 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 13,3 Jahren. Sieben dieser Flugzeuge befanden sich im Besitz der Qantas Group, während sechs von externen Leasinggebern stammten. Der Billigflieger führte von seiner Basis am Singapore Changi Airport aus 172 wöchentlich Linienflüge durch. Die meistfrequentierten Routen waren dabei Verbindungen nach Bangkok Suvarnabhumi, Manila Ninoy Aquino International und Denpasar, was die Bedeutung dieser regionalen Korridore für das Geschäft von Jetstar Asia unterstreicht. Das Unternehmen war ein 51/49 Joint Venture zwischen Westbrook Investments und der Qantas Group, wobei Qantas den Mehrheitsanteil hielt.

Die Einstellung von Jetstar Asia ist nicht der erste Rückzug der Qantas Group aus einem Jetstar-Joint Venture in den letzten Jahren. Bereits im Jahre 2020 zog sich der australische Konzern aus der vietnamesischen Jetstar Pacific zurück. Diese Fluggesellschaft, die sich nun im Besitz von Vietnam Airlines befindet, wurde anschließend in Pacific Airlines umbenannt und ist weiterhin im Betrieb. Allerdings kämpft Pacific Airlines seither mit finanziellen Schwierigkeiten und betreibt derzeit nur eine Flotte von zwei aktiven Airbus A321-200. Dies zeigt, daß der asiatische Billigflugmarkt, trotz seines enormen Potenzials, auch hohe Risiken birgt und nicht jedes Geschäftsmodell dort langfristig erfolgreich sein kann. Die Entscheidung von Qantas, Jetstar Asia aufzulösen, ist somit ein klares Indiz dafür, daß die Rentabilitätserwartungen für dieses spezielle Segment in Singapur nicht mehr erfüllt wurden.

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