Die Flugbegleiter der US-Regionalfluggesellschaft Horizon Air haben mit einer deutlichen Mehrheit für eine offizielle Streikfreigabe gestimmt. Mit diesem Schritt erhöht das Kabinenpersonal den Druck auf die Muttergesellschaft Alaska Air Group in den bereits seit mehr als zwei Jahren andauernden Tarifverhandlungen.
Die zuständige Gewerkschaft Association of Flight Attendants-CWA (AFA-CWA) wirft der Konzernführung vor, bislang kein Gehaltsangebot vorgelegt zu haben, das den gestiegenen Lebenshaltungskosten an den Hauptbasen der Fluglinie gerecht wird. Insbesondere an den großen Drehkreuzen wie Seattle-Tacoma an der US-Westküste sind die Mieten und allgemeinen Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen.
Ein unmittelbarer Ausstand steht im amerikanischen Luftverkehr trotz des Votums rechtlich noch nicht bevor. Nach dem komplexen US-Arbeitsrecht für die Transportbranche (Railway Labor Act) müssen vor einem legalen Streik langwierige Vermittlungsschritte durch die nationale Schlichtungsstelle (National Mediation Board) durchlaufen werden. Ein Streik ist erst dann zulässig, wenn die Behörde die Verhandlungen offiziell für gescheitert erklärt und eine darauffolgende gesetzliche Abkühlungsphase von 30 Tagen ergebnislos verstreicht. Die Gewerkschaft nutzt die Streikfreigabe daher primär als strategisches Druckmittel, um das Management zu substanziellen Zugeständnissen am Verhandlungstisch zu bewegen.
Horizon Air operiert als hundertprozentige Regionaltochter im Verbund der Alaska Air Group und bedient ein Streckennetz von 45 Städten im Nordwesten der USA sowie in angrenzenden Regionen, darunter auch grenzüberschreitende Verbindungen nach Kanada. Die Fluggesellschaft führt ihre Flüge ausschließlich unter der Dachmarke Alaska Airlines durch. Während das operative Fluggeschäft und das Personal von Horizon Air gestellt werden, liegen die übergeordneten Bereiche wie Flugplanung, Ticketvermarktung und Preisgestaltung komplett in den Händen der Muttergesellschaft. Ein potenzieller Streik des Kabinenpersonals würde somit das regionale Zubringernetz von Alaska Airlines empfindlich treffen.
Branchenexperten beobachten im gesamten US-Luftfahrtsektor eine deutliche Zunahme von Tarifkonflikten, da das fliegende Personal nach den Belastungen der vergangenen Jahre und angesichts der anhaltenden Inflation deutliche Nachbesserungen bei den Grundgehältern und den Arbeitsbedingungen fordert. Ähnliche Konflikte gab es zuletzt auch bei anderen großen US-Fluglinien und deren Regionalpartnern. Das Management der Alaska Air Group betonte in einer ersten Stellungnahme die Absicht, weiterhin an einer einvernehmlichen Lösung am Verhandlungstisch zu arbeiten, um betriebliche Störungen für die Passagiere im wichtigen Kernmarkt an der Westküste abzuwenden.