Das Rüstungsprogramm für den modernsten Kampfjet der Welt, die F-35 von Lockheed Martin, sieht sich bei seinen internationalen Kunden mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Von massiven Kostensteigerungen über politische Handelszölle bis hin zu Bedenken bezüglich der Souveränität ringen die Nationen um die Zukunft ihrer Luftwaffen.
Während einige strategische Partner wie Kanada trotz steigender Kosten an der teuren Anschaffung festhalten, haben andere, wie Spanien, ihre Pläne verworfen. Die Schweiz und Deutschland sehen sich ebenfalls mit finanziellen und politischen Hürden konfrontiert. Die Debatte um die F-35 ist gewiß mehr als nur eine Frage der militärischen Beschaffung. Sie reflektiert die komplexen Beziehungen zwischen den USA und ihren Alliierten und wirft ein Schlaglicht auf die immensen fiskalischen Herausforderungen, die mit der Modernisierung von Streitkräften verbunden sind.
Kanadas schwierige Entscheidung: Geopolitik versus finanzielle Bedenken
Kanada, einer der größten externen Kunden des F-35-Programms, steht exemplarisch für das Dilemma, in dem sich viele Alliierte befinden. Nach einer langen und politisch kontroversen Debatte hatte sich die kanadische Regierung im Jahr 2023 für die Beschaffung von 88 F-35-Jets entschieden, die die alternde Flotte der CF-18 ersetzen sollen. Die anfängliche Kostenschätzung von 13,9 Milliarden US-Dollar ist jedoch obsolet. Aktuelle Berichte warnen, daß die Gesamtkosten für die Jets, die zugehörige Infrastruktur und die Pilotenausbildung am Ende zwischen 20,0 und 24,0 Milliarden US-Dollar liegen werden.
Trotzdem scheint sich die kanadische Regierung, die zeitweise einen Teilausstieg aus dem Vertrag erwogen hatte, nun wieder klar zur F-35 zu bekennen. Die Gründe sind vielschichtig. Ein Ausstieg aus den Verträgen würde nicht nur die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten belasten, sondern wäre auch mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Eine Alternative, wie die europäische Saab Gripen-E, hätte zwar möglicherweise niedrigere Anschaffungskosten, würde jedoch den Aufbau einer völlig neuen Logistikkette, die Schulung von Piloten und Technikern sowie die Umstellung von operativen Prozeduren erfordern. Die F-35 hingegen verspricht eine nahtlose Interoperabilität mit den US-Streitkräften und den meisten NATO-Partnern, ein gewichtiger strategischer Vorteil, der die höheren Gesamtkosten rechtfertigt.
Die Europäische Zwickmühle: Die Fälle Spanien und Schweiz
Auch in Europa zeigt sich das Dilemma der F-35-Kunden. Spanien hat kürzlich seine Pläne, die senkrechtstartenden F-35B-Jets als Ersatz für die veralteten Harrier-Kampfjets seiner Marine zu beschaffen, verworfen. Experten vermuten, daß die Entscheidung primär aus finanziellen Erwägungen getroffen wurde. Die hohen Anschaffungskosten und die langfristigen Unterhaltskosten der F-35-Flotte stellten eine erhebliche fiskalische Belastung für die spanischen Streitkräfte dar, die sich derzeit in einem umfassenden Modernisierungsprogramm befinden.
Der Fall der Schweiz ist ähnlich gelagert, jedoch noch komplexer. Bern hatte sich nach einem umfassenden Evaluationsprozeß, bei dem die F-35 die Konkurrenz wie die Dassault Rafale und den Eurofighter Typhoon ausstach, für die Anschaffung von 36 F-35A-Jets entschieden. Die US-Regierung hat jedoch Zölle in Höhe von 35 Prozent auf die Lieferung der Maschinen auferlegt. Obwohl die Schweiz an dem Vertrag festhält und auch die F-35-Hersteller eine Lösung für das Problem suchen, zeigt der Fall die Abhängigkeit der Kunden von der politischen Willkür der Exportnation. Dies ist besonders für ein neutrales Land wie die Schweiz, das auf unabhängige Beschaffungsentscheidungen angewiesen ist, eine heikle Angelegenheit.
Deutschland: Kostenexplosion bei der nuklearen Teilhabe
In Deutschland sind die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem F-35-Programm ebenfalls präsent. Das Land hat sich für die Anschaffung von F-35A-Jets entschieden, um die Rolle als Träger der nuklearen Teilhabe der NATO zu übernehmen. Die Jets sollen die alten Tornado-Jets der Luftwaffe ersetzen, die als Träger für die amerikanischen Atomwaffen dienen.
Ab dem Jahr 2027 sollen die ersten F-35A auf dem Fliegerhorst Büchel stationiert werden. Doch auch hier ist die finanzielle Realität hart. Die Kosten für die aufwendige Umrüstung des Stützpunkts, die notwendig ist, um die Jets zu beherbergen und die nukleare Aufgabe zu erfüllen, sind explodiert. Die anfänglich kalkulierten 670 Millionen Euro sind auf 1,95 Milliarden Euro angewachsen, fast das Dreifache der ursprünglichen Schätzung. Die Mehrkosten werden mit komplexen Bauvorhaben, gestiegenen Material- und Lohnkosten sowie strengen Sicherheitsanforderungen begründet. Die Kostenexplosion am Standort Büchel verdeutlicht, daß die Anschaffung der F-35 nur die halbe Miete ist. Die zugehörige Infrastruktur ist ebenso teuer und komplex.
Das globale Dilemma: Einblick in ein Rüstungsprojekt unter Druck
Die genannten Beispiele zeigen, daß die F-35 zwar als militärisch überlegener Jet gilt, ihr Beschaffungsprozeß jedoch mit enormen Herausforderungen verbunden ist. Die hohen Kosten, die technische Komplexität und die Abhängigkeit von den USA führen zu Bedenken bei den Verbündeten.
Das Vorgehen der USA, Zölle auf Rüstungsgüter zu erheben, die von strategischen Partnern gekauft werden, ist ein zusätzlicher Faktor, der die Entscheidungen von Nationen beeinflusst. Dies könnte auf lange Sicht auch zu einer Stärkung der europäischen Rüstungsindustrie führen, da europäische Jets wie die Rafale oder der Eurofighter als unabhängige Alternativen attraktiver werden. Das Dilemma für die Kunden bleibt jedoch, daß die Vorteile der F-35-Technologie und die Interoperabilität mit den US-Streitkräften gewiß unbestreitbar sind.