Die niederländische Fluggesellschaft KLM Royal Dutch Airlines steht vor einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Trotz steigender Einnahmen kämpft die traditionsreiche Airline mit hohen Kosten, die das Umsatzwachstum übertreffen.
Um die finanzielle Stabilität und ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, hat KLM ein umfangreiches Maßnahmenpaket angekündigt. Ziel ist es, die operative Leistung zu verbessern, die Kosteneffizienz zu erhöhen und weiterhin eine führende Rolle in der Luftfahrtbranche zu spielen. Doch die Herausforderungen sind gewaltig.
Finanzielle Herausforderungen trotz voller Flüge
KLM befindet sich in einer schwierigen finanziellen Lage, obwohl die Nachfrage nach Flugreisen stark angestiegen ist. Die Fluggesellschaft verzeichnete im ersten Halbjahr 2023 eine Auslastung von beeindruckenden 87,1 % ihrer Flüge – ein Zeichen für die Erholung des Luftverkehrs nach der Pandemie. Dennoch bleibt die Kapazität unter dem Niveau von 2019, was auf anhaltende Personalengpässe und Lieferkettenprobleme zurückzuführen ist. Die steigenden Betriebskosten, darunter höhere Treibstoffpreise und steigende Gehälter aufgrund des globalen Arbeitskräftemangels, setzen der Fluggesellschaft stark zu.
Um dem entgegenzuwirken, plant KLM, das Betriebsergebnis um 450 Millionen Euro zu verbessern. Dabei konzentriert sich die Fluggesellschaft auf die langfristige Steigerung ihrer Gewinnmarge, die im Zeitraum von 2026 bis 2028 auf über 8 % erhöht werden soll.
Erneuerung der Flotte als strategisches Ziel
Ein zentraler Bestandteil der Strategie von KLM ist die Erneuerung ihrer Flotte. In den letzten Jahren hat die Airline erhebliche Investitionen in treibstoffeffizientere Flugzeuge getätigt. Die Einführung neuer Modelle wie der Airbus A321neo und der Embraer E195-E2 soll nicht nur die Betriebskosten senken, sondern auch die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens unterstützen. Moderne Flugzeuge verbrauchen weniger Treibstoff und stoßen somit weniger CO₂ aus, was mit den zunehmend strikten Umweltauflagen der Europäischen Union im Einklang steht. KLM hat sich verpflichtet, bis 2030 ihre CO₂-Emissionen um 50 % im Vergleich zu 2005 zu reduzieren.
Trotz dieser Investitionen bleibt das Unternehmen vorsichtig: Die Fluggesellschaft plant, ihre Ausgaben in anderen, weniger kritischen Bereichen wie Immobilien zu reduzieren. Auch der Verkauf von Unternehmensteilen wie KLM Equipment Services im Februar 2023 ist Teil dieser Bemühungen.
Personalprobleme und Produktivitätssteigerungen
Eine der größten Herausforderungen, vor denen KLM steht, ist der Mangel an qualifiziertem Personal. Besonders in den Bereichen Technik und Wartung fehlen Fachkräfte, was zu Verzögerungen und Flugausfällen führt. Um dem entgegenzuwirken, plant die Fluggesellschaft, die Automatisierung und Mechanisierung von Arbeitsprozessen voranzutreiben, um die Produktivität zu steigern und den Personalbedarf zu senken. Bis 2025 soll die Arbeitsproduktivität um mindestens 5 % gesteigert werden.
Zudem sollen interne Prozesse verbessert und Fehlzeiten reduziert werden. Die Airline arbeitet eng mit den Gewerkschaften zusammen, um Lösungen für den bestehenden Pilotenmangel zu finden und das Flugangebot besser an die verfügbaren Ressourcen anzupassen. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Interkontinental- und Europaflügen ist hierbei ein zentraler Aspekt.
Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit als Leitmotiv
Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen bleibt KLM ihrem Ziel treu, eine hohe Kundenzufriedenheit zu gewährleisten. Die Fluggesellschaft plant, das Produktangebot an Bord zu verbessern und neue Dienstleistungen einzuführen. Eine Verbesserung des Catering-Angebots sowie eine Optimierung der Kabinenausstattung sollen jährlich etwa 100 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen generieren.
Gleichzeitig setzt KLM auf Nachhaltigkeit. Neben der Flottenmodernisierung spielt auch die Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks im Flug- und Bodenbetrieb eine wichtige Rolle. Die Airline investiert in nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) und plant, ihre Kreislaufwirtschaft weiter auszubauen. Dies umfasst Maßnahmen wie das Recycling von Materialien sowie die Optimierung der Wartungsprozesse.
Der Weg in die Zukunft: Strukturreformen und Effizienzmaßnahmen
Um die Effizienz zu steigern und die Kostenstruktur zu verbessern, setzt KLM auf eine Vereinfachung ihrer Organisationsstruktur. Das Unternehmen plant, Doppelstrukturen abzubauen und Bereiche, die nicht direkt zum Flugbetrieb gehören, möglicherweise auszulagern oder zu verkaufen. Diese Maßnahmen sollen helfen, die operativen Kosten zu senken, ohne dabei das Kerngeschäft zu gefährden.
Der Verkaufsabschluss von KLM Equipment Services an das belgische Unternehmen TCR International im Jahr 2023 war bereits ein Schritt in diese Richtung. Weitere Veräußerungen oder die Reduzierung von Investitionen in nicht-essentielle Bereiche könnten folgen, wobei KLM weiterhin sicherstellen will, dass die Betriebssicherheit und die Einhaltung von Vorschriften gewährleistet bleiben.
Ein strategischer Balanceakt für die Zukunft
KLM steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Die wirtschaftlichen Herausforderungen der letzten Jahre, gepaart mit den hohen Kosten für Personal, Wartung und Treibstoff, haben die Fluggesellschaft gezwungen, tiefgreifende Änderungen vorzunehmen.
Gleichzeitig setzt KLM auf Innovation und Nachhaltigkeit, um im globalen Wettbewerb der Luftfahrtbranche bestehen zu können. Die Maßnahmen, die nun ergriffen werden, zielen darauf ab, das Unternehmen nicht nur finanziell zu stabilisieren, sondern auch den Weg für eine erfolgreiche Zukunft zu ebnen. Es bleibt abzuwarten, wie effektiv diese Anpassungen umgesetzt werden und wie KLM ihre traditionsreiche Rolle als Pionier der Luftfahrt auch in den kommenden Jahrzehnten bewahren kann.