Ein schwerwiegender Vorfall am Flughafen Shanghai-Hongqiao sorgt derzeit für Diskussionen in der internationalen Luftfahrtbranche. Am 2. Mai 2026 kollidierte ein Airbus A350-900 der China Eastern Airlines während des Andockvorgangs mit einer Fluggastbrücke. Die Maschine, die zuvor unter der Flugnummer 5406 aus Chengdu eingetroffen war, verkeilte sich dabei so unglücklich mit der Infrastruktur des Terminals, dass erhebliche Schäden an der Flugzeughülle sowie an der Brücke entstanden.
Für besonderes Aufsehen sorgten im Anschluss Videoaufnahmen, die dokumentieren, wie die Cockpitbesatzung versuchte, das Flugzeug mittels massivem Gegenschub aus der misslichen Lage zu befreien. Dieser Einsatz der Triebwerke in unmittelbarer Nähe zum Gebäude gilt als hochgradig ungewöhnlich und gefährlich. Die chinesischen Luftfahrtbehörden haben umgehend eine Untersuchung eingeleitet, um sowohl die Ursache der Kollision als auch die Angemessenheit des anschließenden Manövers zu prüfen.
Ablauf des Zwischenfalls am Terminal
Der Vorfall ereignete sich am Vormittag des 2. Mai, als der Airbus A350-900 seine Parkposition am Terminal erreichte. Nach ersten Berichten von Augenzeugen und Bodenmitarbeitern schien die Maschine beim Einrollen auf die Standposition nicht rechtzeitig zum Stehen gekommen zu sein oder die Markierungen verfehlt zu haben. Infolgedessen bohrte sich die Fluggastbrücke, die für das Aussteigen der Passagiere vorgesehen war, in den vorderen Bereich des Rumpfes hinter dem Cockpit. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass die Metallkonstruktion der Brücke deformiert wurde und die Außenhaut des Airbus deutlich sichtbare Risse und Dellen davontrug.
Normalerweise verbleibt eine Maschine nach einer solchen Kollision in ihrer Position, bis Techniker und Sicherheitskräfte die Stabilität der Strukturen geprüft haben und ein Schlepper das Flugzeug vorsichtig zurückzieht. Im Fall von Flug 5406 entschieden sich die Piloten jedoch für einen anderen Weg. Aufnahmen in sozialen Netzwerken zeigen, wie die Triebwerke des Typs Rolls-Royce Trent XWB hochgefahren werden und der Umkehrschub aktiviert wird. Die dabei entstehenden Luftmassen wirbelten Staub und Trümmerteile auf dem Vorfeld auf, während sich der tonnenschwere Jet ruckartig nach hinten bewegte, um sich von der Brücke zu lösen.
Gefahrenpotenzial des Umkehrschubs am Gate
Der Einsatz von Triebwerksschub in unmittelbarer Nähe von Flughafengebäuden und Bodenpersonal ist in den Betriebshandbüchern fast aller Fluggesellschaften streng untersagt. Triebwerke der Größe des A350 entwickeln beim Anfahren enorme Ansaugkräfte an der Vorderseite und stoßen gleichzeitig einen gewaltigen Abgasstrahl nach hinten aus. Am Gate besteht dadurch das Risiko, dass loses Gerät, Gepäckwagen oder sogar Personen in die Triebwerke gesaugt oder durch den Strahl umgeworfen werden. Zudem können die Triebwerke selbst durch das Einsaugen von Fremdkörpern, die durch den Kontakt mit der Brücke abgefallen sind, schwer beschädigt werden.
Luftfahrtsexperten äußerten sich besorgt über das Manöver. Ein Rückwärtsrollen aus eigener Kraft, das sogenannte Powerback, ist bei modernen Strahlflugzeugen aufgrund der Gefahr von Triebwerksschäden und der Beeinträchtigung der Sichtverhältnisse am Boden unüblich. Dass die Piloten in Shanghai dieses Risiko eingingen, während das Flugzeug bereits strukturelle Schäden aufwies, wirft Fragen zum Krisenmanagement im Cockpit auf. Es ist unklar, ob die Besatzung in Panik handelte oder eine fehlerhafte Einschätzung der Lage zu diesem Entschluss führte.
Technische Schäden und operative Folgen
Der betroffene Airbus A350-900, eines der modernsten Langstreckenflugzeuge der Welt, musste nach dem Vorfall sofort außer Dienst gestellt werden. Techniker untersuchen nun die Integrität der Flugzeugstruktur im Bereich der Einstiegstüren. Da der Rumpf eines A350 zu einem großen Teil aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff besteht, sind Reparaturen an der Außenhaut komplexer und zeitaufwendiger als bei herkömmlichen Aluminiumflugzeugen. Jeder Riss in der Struktur muss genauestens auf Delamination geprüft werden, um die Druckfestigkeit der Kabine für zukünftige Flüge zu garantieren.
Auch die beschädigte Fluggastbrücke am Flughafen Hongqiao konnte vorerst nicht weiter genutzt werden. Dies führte zu Verzögerungen im Betriebsablauf des Flughafens, da ankommende Maschinen auf andere Parkpositionen umgeleitet werden mussten. China Eastern Airlines sah sich gezwungen, mehrere Anschlussflüge der betroffenen Maschine zu streichen oder auf Ersatzflugzeuge umzubuchen. Der finanzielle Schaden durch die Reparaturen am Flugzeug, die Instandsetzung der Flughafeninfrastruktur und die operativen Ausfälle wird auf mehrere Millionen US-Dollar geschätzt.
Untersuchungen durch die chinesische Luftfahrtbehörde
Die staatliche Luftfahrtbehörde Chinas hat die Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder der Maschine sichergestellt. Ein Schwerpunkt der Ermittlungen liegt auf der Kommunikation zwischen dem Piloten und dem Einweiser am Boden beziehungsweise dem automatischen Andocksystem. Es muss geklärt werden, ob die technischen Hilfsmittel zur Positionierung des Flugzeugs versagt haben oder ob die Piloten Anweisungen zum Stoppen ignoriert haben.
Darüber hinaus wird das Verhalten der Crew nach dem Aufprall intensiv geprüft. Die Ermittler wollen wissen, warum die Triebwerke nicht sofort abgeschaltet wurden und wer die Entscheidung traf, das Flugzeug mittels Gegenschub zu bewegen. In China gelten strenge Sicherheitsvorschriften für das Bodenhandling, und Verstöße gegen diese Protokolle ziehen oft harte Sanktionen für das fliegende Personal nach sich. Auch die Rolle der Fluggesellschaft China Eastern Airlines steht im Fokus, insbesondere im Hinblick auf die Ausbildung und die Sicherheitskultur innerhalb des Unternehmens.
Sicherheitsstandards im Bodenbetrieb
Dieser Zwischenfall rückt die Sicherheit beim Bodenhandling erneut in den Fokus der weltweiten Luftfahrtöffentlichkeit. Obwohl moderne Flughäfen über hochpräzise Laser-Leitsysteme verfügen, die den Piloten die genaue Distanz bis zum Haltepunkt anzeigen, kommt es immer wieder zu Kollisionen mit Fluggastbrücken oder Catering-Fahrzeugen. Experten plädieren seit langem für eine stärkere Automatisierung der Bremsvorgänge beim Andocken, um menschliches Versagen auszuschließen.
In Shanghai-Hongqiao, einem der verkehrsreichsten Flughäfen Chinas, ist der Druck auf die Besatzungen und das Bodenpersonal aufgrund der hohen Taktung der Flüge enorm. Dennoch darf Zeitdruck niemals zu Lasten der Sicherheit gehen. Der Vorfall mit dem Airbus A350 wird voraussichtlich zu neuen Sicherheitsanweisungen für alle chinesischen Fluggesellschaften führen, insbesondere was das Verhalten bei Unfällen am Boden betrifft. Die Luftfahrtwelt wartet nun auf den vorläufigen Untersuchungsbericht, um Lehren aus diesem außergewöhnlichen Manöver ziehen zu können.