Kommentar: Wenn’s ums Geld geht, vergisst die AUA die “Reduktion der Kontakte”

Becher und Serviette an Bord von Austrian Airlines (Foto: Robert Spohr).
Becher und Serviette an Bord von Austrian Airlines (Foto: Robert Spohr).

Kommentar: Wenn’s ums Geld geht, vergisst die AUA die “Reduktion der Kontakte”

Becher und Serviette an Bord von Austrian Airlines (Foto: Robert Spohr).
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Wenn es darum geht Geld zu verdienen, dann ist die Begründung warum Austrian Airlines im Vorjahr mit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs den Bordservice in der Economy-Class auf der Kurzstrecke stark zurückgefahren hat, schnell vergessen.

Seit Juni 2020 bis vor wenigen Tagen erhielten die AUA-Fluggäste lediglich Tee, Kaffee oder Wasser. Snacks und andere Getränke wurden unter dem „Deckmantel Corona“ gestrichen. Der Carrier begründete die Maßnahme im Vorjahr damit, dass man so die Kontakte zwischen Crew und Passagieren reduzieren will. Welchen Unterschied es macht, ob die Kabinenbesatzung einen Becher Orangensaft oder Wasser überreicht, konnte Austrian Airlines niemals schlüssig erklären.

Hinter der Maßnahme, die viele Economy-Class-Fluggäste massiv verärgert hat, steckte ein ganz anderer Grund. Das Unternehmen wollte Geld sparen und nutzte schlichtweg Corona als geschickten Vorwand, der nicht sonderlich häufig hinterfragt wurde. Doch bereits damals gab es sehr konkrete Gerüchte, dass auf Paid-Catering umgestellt wird.

Wenn es aber darum geht, dass mit Speisen und Getränken an Bord Geld verdient werden kann, dann sind die vormaligen Begründungen warum nur noch Tee, Kaffee und Wasser angeboten wurde, schnell vergessen. Die Glaubwürdigkeit der Austrian Airlines sinkt beim Blick auf die Infektionszahlen noch weiter: Eingeführt wurde das „Mini-Getränkeservice“ in einer Zeit, in der europaweit die Inzidenzen äußerst niedrig waren. Das „Kassieren“ hat man aber bei äußerst hohen Ansteckungszahlen begonnen. Insofern: Haben die Crews nun weniger Kontakt, wenn die Produkte verkauft werden? Nein, aber die Einnahmen steigen.

Lowcost-Produkt zum „Premium-Preis“

Austrian Airlines versucht sich seit einigen Jahren krampfhaft als „Premium-Airlines“ zu verkaufen. Was ist eigentlich „Premium“? Eine Airline, die nachweislich Flüge storniert ohne die Passagiere zu benachrichtigen und sich mit dem „Corona-Stichwort“ versucht vor Ausgleichszahlungen nach EU-VO 261/2004 zu drücken, jedoch nach Einschaltung eines Rechtsanwalts dann doch in Raketengeschwindigkeit bezahlt?

Diese Argumentation schickt Austrian AIrlines AG unzulässigerweise an Kunden. Der Name des Sachbearbeiters/der Sachbearbeiterin wurde von Aviation Direct geschwärzt.

Tatsache ist, dass sich Austrian Airlines mit der Abschaffung des inkludierten Bordcaterings, das auch „vor Corona“ in der Kurzstrecken-Eco eher mickrig war, das letzte Unterscheidungsmerkmal gegenüber Mitbewerbern wie Ryanair oder Wizzair genommen hat. Abgesehen von abweichenden Abmessungen beim Handgepäck sind die Produkte mehr oder weniger identisch. Für jeden Handgriff, beispielsweise Aufgabegepäck oder Getränke/Snacks an Bord, muss extra bezahlt werden. Der Hauptunterschied liegt also nur noch im Preis: Die AUA ist tendenziell teurer, wobei diese Aussage subjektiv ist, denn es kann vorkommen, dass Billigflieger höhere Preise haben können.

Die Anzahl jener Passagiere, die Austrian Airlines buchen, weil man „österreichisch“ fliegen will, ist mittlerweile verschwindend gering. Die überwiegende Mehrheit bucht den günstigsten Preis. Die AUA kann derzeit kein Argument liefern, dass für die häufig höheren Ticketkosten ein essentieller Mehrwert geboten wird. Gerade in Corona-Zeiten sollte Austrian Airlines eine andere Strategie fahren: Statt Lowcoster zum Apothekerpreis spielen, sollte man sich klar positionieren: „Bei uns kostet es ein bisschen mehr, aber Koffer, Catering, Check-in am Schalter, alles dabei, gibt keine bösen Überraschungen am Flughafen“. Damit könnte Austrian Airlines Vertrauen auf dem Markt schaffen und sicherlich viele Passagiere gewinnen, die sich aufgrund des Mehrwerts für diese Airline entscheiden würden.

Gerade bei Austrian Airlines sollte man sehr genau wissen welche Konsequenzen der letzte Ausflug ins Paid-Catering hatte. Unter dem Generaldirektor Vagn Sørensen wurde Anfang der 2000er-Jahre für Speisen und Getränke zur Kasse gebeten. Kostenlos gab es ein Wasser, was dazu führte, dass der Verkauf weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Auch sind die Buchungszahlen eingebrochen und viele Passagiere auf Lowcoster wie SkyEurope ab Bratislava ausgewichen. Der ansonsten eher glücklose Nachfolger Alfred Ötsch schaffte das Paid-Catering wieder ab.

Ursprünglich wollte man kein Wasser vergönnen

Aufgrund der Erfahrungen, die man Anfang der 2000er-Jahre gemacht hat, wollte die AUA – im Gegensatz zu Lufthansa und Swiss – ursprünglich kein kostenloses Wasser vergönnen. Ein firmeninterner Aufstand der Flugbegleiter führte aber zu einem Umdenken, so dass die AUA sich nun „großherzig“ zeigt und weiterhin Wasser zur Verfügung stellt. Großzügigerweise muss dafür nicht bezahlt werden…

Leider sieht man das in Frankfurt gänzlich anders, denn man ist der Meinung, dass das Baukastensystem der Billigfluggesellschaften der große Heilsbringer für die Lufthansa Group ist. Natürlich hat niemand einen Rechtsanspruch auf kostenlose Speisen und Getränke, doch diese Frage wird sich bei Altbuchungen schon bald stellen, denn rechtlich gesehen haben Inhaber von Tickets, die vor der Ankündigung der Umstellung ausgestellt wurden, sehr wohl einen Anspruch darauf, weil es bei der Buchung eben als inkludiert ausgezeichnet wurde. In diesem Zusammenhang erging in Deutschland sogar ein Urteil gegen Eurowings. Bei der Abschaffung des vormals im Smarttarif inkludierten Caterings hatte man auf Altbuchungen „vergessen“. Ein Passagier klagte tatsächlich Brötchen und Getränk ein. Eine durchaus kuriose Klage, doch er obsiegte gegen die Lufthansa-Tochter.

Becher und Serviette an Bord von Austrian Airlines (Foto: Robert Spohr).

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