Die Fluggesellschaft Lufthansa stellt ihr Gastronomiekonzept auf Kurz- und Mittelstreckenflügen zum 1. September 2026 um. In der Economy Class werden auf Flügen ab zwei Stunden Flugdauer erstmals wieder fünf warme Gerichte angeboten, darunter klassische Hausmannskost und Markenprodukte von Systemgastronomen.
Das Speisenangebot wird im Rahmen des kostenpflichtigen Katalogs Onboard Delights vertrieben. Ein Spontankauf während des Fluges ist jedoch nicht möglich: Sämtliche warmen Speisen müssen von den Passagieren im Zeitraum von vier Wochen bis spätestens 24 Stunden vor dem planmäßigen Abflug kostenpflichtig vorbestellt werden.
Parallel dazu baut die Fluggesellschaft den Vorab-Auswahldienst Pre-Select für die Business Class auf der Langstrecke aus. Während dieser Service seit Sommer 2023 lediglich auf Flügen ab den Drehkreuzen Frankfurt am Main und München verfügbar war, wird die Option nun auch auf den überwiegenden Teil der Rückflüge nach Deutschland ausgeweitet. Fluggäste der Business Class können dabei im Vorbestellfenster aus sechs statt wie bisher aus drei Hauptgerichten wählen. Der Konzern begründet die Maßnahmen mit einer verbesserten Planbarkeit für die Passagiere sowie einer optimierten Menüauswahl im internationalen Flugverkehr.
Die Erweiterung des kostenpflichtigen Speisenangebots auf Kontinentalstrecken ist Teil einer branchenweiten Umstellung, bei der traditionelle Fluggesellschaften Elemente von Low-Cost-Anbietern übernehmen. Durch das reine Vorbestellprinzip bei warmen Menüs versucht die Fluggesellschaft, die Lade- und Vorratskosten gering zu halten und Abfälle durch nicht verkaufte Lebensmittel zu vermeiden. Dennoch stieß die schrittweise Abschaffung kostenfreier Mahlzeiten in der Economy Class auf europäischen Strecken bei Verbraucherschützern wiederholt auf Kritik, da Passagiere Zusatzleistungen zunehmend gesondert bezahlen müssen.
Kritische Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die logistische Abwicklung der Vorbestellungen für das Kabinenpersonal bei kurzen Flugzeiten organisatorische Herausforderungen birgt. Zwar erhöht das System die Planungssicherheit für das Catering, doch bleibt die Akzeptanz bei den Passagieren von der Qualität der angelieferten Speisen und der Preisgestaltung abhängig. Die Reaktionen auf die Einführung der kostenpflichtigen Menüs werden als Indikator für die Zahlungsbereitschaft von Fluggästen auf europäischen Strecken gewertet.