Tosca (Foto: Oper im Steinbruch).
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Künstlerische und technische Vorbereitungen für die Festspielsaison im burgenländischen St. Margarethen abgeschlossen

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Mit dem offiziellen Beginn der Probenarbeiten haben im Steinbruch St. Margarethen die intensiven Vorbereitungen für die diesjährige Opernsaison begonnen. Im Zentrum der Produktion steht im Sommer 2026 Giacomo Puccinis Meisterwerk Tosca, das nach einer viel beachteten Aufführung im Jahr 2015 nun in einer vollständigen Neuinszenierung auf die monumentale Freilichtbühne zurückkehrt.

Die künstlerische Leitung hat für diese Spielzeit ein Konzept erarbeitet, das die historische Handlung im Rom des Jahres 1800 verortet, einer Epoche, die von tiefen politischen Umbrüchen, den Napoleonischen Kriegen und dem Spannungsfeld zwischen klerikaler Autorität und revolutionären Bewegungen geprägt war. Vom 15. Juli bis zum 22. August 2026 wird das monumentale Areal des Steinbruchs Schauplatz dieser veristischen Oper, wobei das Leading-Team auf eine Symbiose aus traditioneller Operndramatik und moderner, robotergestützter Bühnenbautechnik setzt, um die historischen Schauplätze Roms visuell greifbar zu machen.

Historischer Kontext und visuelle Konzeption der Inszenierung

Das kreative Fundament der diesjährigen Produktion liegt in den Händen von Regisseur und Bühnenbildner Thaddeus Strassberger sowie des Kostümbildners Giuseppe Palella. Das Duo arbeitet nach den erfolgreichen gemeinsamen Produktionen von Turandot im Jahr 2021 und Aida im Jahr 2024 bereits zum dritten Mal im Burgenland zusammen. Für das Jahr 2027 ist zudem bereits eine Inszenierung von Giuseppe Verdis Rigoletto in derselben Konstellation angekündigt. Für die aktuelle Tosca-Inszenierung verlässt das Team die asiatischen und altägyptischen Bildwelten der vergangenen Jahre und widmet sich der europäischen Kulturgeschichte an der Schwelle zum 19. Jahrhundert.

Die Handlung der Oper entfaltet sich vor drei realen, ikonischen Schauplätzen des historischen Roms: der Basilika Sant’Andrea della Valle, dem Palazzo Farnese und der Festung Engelsburg. Das künstlerische Konzept orientiert sich stilistisch an der Ästhetik des römischen Barocks und nutzt gezielt visuelle Kontraste. Strassberger integriert architektonische Prinzipien von Francesco Borromini und Guarino Guarini in das Bühnenbild, um durch perspektivische Verzerrungen und räumliche Tiefe die innere Zerrissenheit und die emotionale Bedrängnis der Figuren widerzuspiegeln. Zudem orientiert sich die visuelle Umsetzung an den dramatischen Hell-Dunkel-Effekten, dem sogenannten Chiaroscuro des Malers Caravaggio, sowie an der Theatralik der Werke von Gian Lorenzo Bernini, Artemisia Gentileschi und Domenichino. Die Kostüme von Giuseppe Palella, der die Schauplätze im Vorfeld im Rahmen von Studienzwecken in Rom analysierte, verbinden historische Detailtreue mit barocker Pracht, um eine glaubwürdige Verankerung der Charaktere in ihrer Epoche zu gewährleisten.

Detaillierte Dimensionen und technische Herausforderungen des Bühnenbaus

Die Umsetzung der überdimensionalen Entwürfe im Steinbruch stellte die beteiligten Gewerke vor logistische und technische Herausforderungen. Für die Fertigung der Kulissen zeichnete zum 16. Mal die Wiener Dekorationswerkstätte Winter Artservice verantwortlich, die in enger Kooperation mit der burgenländischen Spezialfirma Metallbau Pinterich sowie dem Verbindungstechnik-Spezialisten Würth Austria arbeitete. Insgesamt wurden für die Realisierung der Kulissen über 13.000 Arbeitsstunden aufgewendet, davon allein 1.300 Stunden für die computergestützte Planung und Programmierung, die ein Datenvolumen von mehr als 80 Gigabyte in rund 50 technischen Plänen umfasste. In der Produktion kamen neben handwerklichen Methoden auch automatisierte CNC-Holzbearbeitungsmaschinen sowie 3D-Fräs- und 3D-Druckverfahren zum Einsatz, die rund 6.500 Maschinenstunden beanspruchten.

Das statische Fundament der Kulisse besteht aus 80 Tonnen Stahl und Gerüstbau, die mit rund 500.000 Schrauben verbunden wurden. Zudem wurden sechs Kilometer Holzstaffeln und Theaterlatten, 8.300 Quadratmeter Holzplatten sowie über sechs Tonnen Putz und Farbe verarbeitet. Zu den zentralen Elementen der Bühne gehört ein monumentaler Hauptaltar mit einer Breite von 24,5 Metern und einer maximalen Höhe von 7,6 Metern, dessen Stahlkonstruktion zwölf Tonnen wiegt. Flankiert wird dieser Bereich von zwei riesigen Kerzenständern am Mittelfelsen mit Höhen von 6,5 und 7,5 Metern. Das zentrale Gebäude der Inszenierung, das sogenannte Heiligtum, weist eine Breite von 16,5 Metern sowie eine Höhe und Tiefe von jeweils zwölf Metern auf und bringt ein Eigengewicht von etwa 40 Tonnen auf die Waage.

Eine besondere mechanische Herausforderung stellt ein überdimensionales Weihrauchfass dar, das dem historischen Vorbild aus der Kathedrale von Santiago de Compostela nachempfunden wurde. Der rund einen Meter hohe und 40 Kilogramm schwere Kessel ist an einem speziellen Schwenkarm an der Oberkante des Heiligtums befestigt und wird während der Aufführung mittels einer Pendelmechanik manuell in Schwingung versetzt. Ebenfalls technisch komplex konstruiert ist eine Engelsfigur, die über bewegliche Bauteile verfügt, die ein kontrolliertes Zerfallen auf der Bühne ermöglichen und so konstruiert sind, dass der intakte Zustand für die nachfolgenden Aufführungen wiederhergestellt werden kann. An der rechten Felskante des Steinbruchs ist zudem in 20 Metern Höhe eine zwei Tonnen schwere, historisch nachgebildete Kanone positioniert, die im Verlauf des Stücks akustisch in voller Lautstärke zum Einsatz kommt. Um wirtschaftliche Effizienz zu gewährleisten, wurden die Bauteile so konzipiert, dass einzelne Elemente nach dem Ende der Spielzeit für zukünftige Produktionen oder andere Verwendungszwecke modifiziert und wiederverwendet werden können.

Musikalische Leitung und internationale Besetzung

Die musikalische Verantwortung für die Produktion liegt bei dem italienischen Dirigenten Valerio Galli, der nach seiner Leitung von Georges Bizets Carmen im Jahr 2023 an den Steinbruch zurückkehrt. Galli gilt als Spezialist für das Repertoire des Verismo und insbesondere für die Werke Puccinis. Er leitet das Piedra Festivalorchester, das als festes Residenzorchester des Festivals fungiert. Die vokale Struktur wird durch den Philharmonia Chor Wien unter der Leitung von Walter Zeh sowie erstmals durch das Kinderchorensemble der Gumpoldskirchner Spatzen verstärkt, die insbesondere im monumentalen Te Deum am Ende des ersten Aktes eine zentrale Rolle einnehmen.

Die Hauptrollen der Oper sind dreifach international besetzt, um der hohen Anzahl an Spielterminen gerecht zu werden. In der Titelrolle der Floria Tosca alternieren die Sopranistinnen Joyce El-Khoury, Celine Byrne und Melissa Purnell. Die anspruchsvolle Tenorpartie des Malers Mario Cavaradossi wird von Bror Magnus Tødenes, Yongzhao Yu und Adorján Pataki interpretiert. Als Antagonist, der korrupte Polizeichef Baron Scarpia, stehen die Baritone Gevorg Hakobyan, Hansung Yoo und Marco Caria auf der Bühne. In den Nebenrollen sind unter anderem Volodymyr Morozov und Zoltán Nagy als Angelotti beziehungsweise Schließer sowie Ivan Zinoviev und Ilia Kazakov als Messner (Sagrestano) und Sciarrone zu hören. Die Rollen der Agenten Spoletta werden von Michał Prószyński und Peter Kirk übernommen.

Regionale Verankerung und touristische Relevanz

Für die administrative Leitung der Festspiele hat die Inszenierung eine hohe Bedeutung, die über den rein künstlerischen Aspekt hinausreicht. Daniel Serafin, Intendant der Oper im Steinbruch, betont die Eignung der rauen Felslandschaft für das dramatische Geschehen der Oper, da die natürliche Topografie des ehemaligen Steinbruchs die visuelle Wirkung der monumentalen Barockbauten verstärkt. Das Festival hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil der europäischen Kultur- und Festivallandschaft entwickelt.

Aus Sicht der Esterhazy Privatstiftungen, deren Generalintendant Rico Gulda die Gesamtverantwortung trägt, erfüllt die Oper im Steinbruch eine wichtige Funktion für die regionale Wirtschaft im Burgenland. Das Kulturprojekt fungiert als Impulsgeber für den regionalen Tourismus, sichert Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor und generiert Wertschöpfung in der Hotellerie, der Gastronomie und dem lokalen Handwerk. Die Spielstätte liegt eingebettet im Ruster Hügelland, einem Teil des UNESCO-Welterbegebiets Fertő/Neusiedler See, und zieht jährlich ein internationales Publikum an.

Aufführungsmodalitäten und Ticketinformationen

Die Spielzeit umfasst insgesamt 24 Termine im Zeitraum von Mitte Juli bis Ende August. Nach der feierlichen Premiere am 15. Juli 2026 folgen regelmäßige Aufführungen an den Wochenenden sowie an ausgewählten Wochentagen.

Aufgrund der Lichtverhältnisse bei Open-Air-Aufführungen variieren die Beginnzeiten saisonal: Im Juli beginnen die Vorstellungen um 20.30 Uhr bei einem Einlass ab 18.30 Uhr, während im August der Beginn auf 20.00 Uhr vorverlegt wird und der Einlass ab 18.00 Uhr erfolgt. Die Gesamtdauer der Aufführung ist mit circa 2 Stunden und 45 Minuten inklusive der regulären Pause bemessen. Karten sind in verschiedenen Kategorien im Vorverkauf über das zuständige Ticketbüro pan.event erhältlich.

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