Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, hat die Fahrgäste auf eine langjährige Phase intensiver Bautätigkeiten im deutschen Schienennetz vorbereitet. In einer aktuellen Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur dpa betonte Palla, dass die vollständige Instandsetzung der maroden Infrastruktur etwa zehn Jahre in Anspruch nehmen wird.
Trotz Rekordinvestitionen des Bundes, die allein im laufenden Jahr bei rund 23 Milliarden Euro liegen, sei die Sanierung aufgrund jahrzehntelanger Unterfinanzierung ein langwieriges Unterfangen. Das Ziel ist die Ertüchtigung von über 40 hochbelasteten Streckenkorridoren bis zum Jahr 2036, um Störungen und Verspätungen dauerhaft zu reduzieren.
Ein zentraler Bestandteil der Strategie bleibt die sogenannte Generalsanierung, bei der Strecken für mehrere Monate voll gesperrt werden, um alle notwendigen Arbeiten gebündelt durchzuführen. Dieses Konzept verteidigte Palla als alternativlos, räumte jedoch witterungsbedingte Verzögerungen ein. So kann der ursprüngliche Fertigstellungstermin der wichtigen Verbindung Hamburg–Berlin Ende April 2026 aufgrund gefrorener Böden im Winter nicht gehalten werden. Die Bahn plant, Mitte März über den genauen neuen Inbetriebnahmetermin zu informieren, wobei Palla von einer Verzögerung im Wochen- statt im Monatsbereich ausgeht. Kritiker, insbesondere aus dem Güterverkehr, bemängeln indes die oft unzureichenden und überlasteten Umleitungsstrecken während dieser Vollsperrungen.
Um die Akzeptanz bei den Reisenden kurzfristig zu erhöhen, kündigte das Unternehmen Sofortprogramme an. Diese sollen spürbare Verbesserungen in den Bereichen Sauberkeit an Bahnhöfen, Sicherheit sowie bei der Information der Fahrgäste bewirken. Trotz der aktuellen Baustellenlast hält die Bahnführung an ihrem Pünktlichkeitsziel für den Fernverkehr im Jahr 2026 fest. Finanziert werden die massiven Maßnahmen unter anderem aus dem staatlichen Sondervermögen für Infrastruktur, das unter der aktuellen Bundesregierung zur Priorität erklärt wurde. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einer Rekordzahl von etwa 28.000 Baustellen im gesamten Bundesgebiet.
Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits kurz nach Amtsantritt die Notwendigkeit einer realistischeren Zeitplanung betont und den Sanierungszeitraum gestreckt, um die operativen Kapazitäten der Bauindustrie und des Schienenersatzverkehrs nicht zu überfordern. Die Herausforderung besteht nun darin, den Spagat zwischen notwendiger Radikalsanierung und der Aufrechterhaltung eines verlässlichen Grundangebots zu meistern. Während Pendler zwischen Köln, Wuppertal und Hagen derzeit mit einer fünfmonatigen Vollsperrung konfrontiert sind, soll das modernisierte Netz nach Abschluss der Arbeiten eine signifikant höhere Kapazität und Zuverlässigkeit für den Wirtschaftsstandort Deutschland bieten.