Airbus A321LR (Foto: Steffen Lorenz).
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Lissabon plant Verkauf von TAP Air Portugal und lockt europäische Großkonzerne

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Die portugiesische Regierung hat nach einer längeren Verzögerung durch eine Regierungskrise die Weichen für die Wiederprivatisierung der nationalen Fluggesellschaft TAP Air Portugal gestellt. Mit einem offiziellen Dekret hat Lissabon die Bedingungen für den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung von 44,9 Prozent an private Investoren festgelegt.

Der angestrebte Verkaufspreis beträgt 817,7 Millionen US-Dollar. Weitere fünf Prozent der Anteile sollen den Mitarbeitern vorbehalten bleiben. Der Abschluß des Verkaufs wird für Anfang 2026 angestrebt. Mit der geplanten Teilprivatisierung positioniert sich die Fluggesellschaft, die als Spezialistin für den Südatlantikverkehr gilt, als begehrtes Ziel für große europäische Airline-Gruppen. Sowohl die Lufthansa Group als auch Air France-KLM haben bereits ihr Interesse bekundet, nachdem beide zuletzt die Übernahme des spanischen Konkurrenten Air Europa scheitern ließen.

Portugals strategische Ziele und die Bieterlandschaft

Die portugiesische Regierung hat klare Vorstellungen von der Zukunft von TAP Air Portugal. Die strategische Beteiligung eines Investors soll nicht nur die finanzielle Situation der Fluggesellschaft stabilisieren, sondern auch die zentrale Rolle des Flughafens Lissabon als Drehkreuz, insbesondere für den Verkehr nach Südamerika, Brasilien und in afrikanische Länder mit portugiesischer Sprache, langfristig sichern. Die Regierung hat daher als Bedingung für den Zuschlag die Garantie der Drehkreuzfunktion festgelegt. Die staatliche Kontrolle soll jedoch durch einen Mehrheitsanteil in der Hand des Staates von über 50 Prozent gesichert bleiben. Die Privatisierung wurde finanziell motiviert, um die während der Covid-Krise getätigte staatliche Investition von 3,2 Milliarden Euro wieder hereinzuholen.

Die Neuauflage der Privatisierung kommt zu einem günstigen Zeitpunkt, da die europäische Luftfahrtindustrie eine Phase der Konsolidierung erlebt. Die Lufthansa Group, bereits Partner von TAP in der Star Alliance, hat ihr Interesse an der portugiesischen Fluggesellschaft bekräftigt. Mit der Übernahme von ITA Airways und dem geplanten Einstieg bei TAP könnte die Lufthansa ihr Netzwerk in Südeuropa und auf den wichtigen Strecken nach Südamerika erheblich ausbauen und ihre Abhängigkeit vom nordamerikanischen Markt verringern. Für Lufthansa ist der Einstieg bei TAP bereits der zweite Versuch, nachdem im Frühjahr 2020 geplante Verhandlungen durch die globale Luftfahrtkrise abgebrochen wurden.

Der Wettbewerb um die Beteiligung wird jedoch stark sein. Air France-KLM, die ebenfalls eine Beteiligung an TAP anstrebt, könnte ihr Netzwerk in Lateinamerika ausbauen und einen direkten Konkurrenten der Lufthansa in der Region schaffen. Auch die International Airlines Group (IAG) hat in der Vergangenheit Interesse an TAP bekundet. Mit dem Ausstieg von Lufthansa und Air France-KLM aus den Verhandlungen um Air Europa hat sich das Bieterfeld für TAP Air Portugal weiter geöffnet.

Gescheiterte Übernahmen und neue Chancen

Der kürzlich gescheiterte Übernahmeversuch von Air Europa durch die Lufthansa Group und Air France-KLM hat die strategische Bedeutung von TAP Air Portugal für die großen europäischen Konzerne unterstrichen. In beiden Fällen scheiterten die Verhandlungen Berichten zufolge am Preis, und Air Europa fand mit Turkish Airlines einen neuen Investor. Für die Lufthansa und Air France-KLM bedeutet dies, daß sie weiterhin nach einem strategischen Partner suchen, um ihre Position auf dem lukrativen Transatlantikmarkt, insbesondere nach Südamerika, zu stärken.

Die Übernahme einer Minderheitsbeteiligung an TAP Air Portugal ist für die Bieter aus Deutschland und Frankreich eine attraktive Alternative. Die portugiesische Fluggesellschaft hat sich nach einer umfassenden Restrukturierung wieder stabilisiert und ist zu einer profitablen Fluggesellschaft geworden. Ihre starke Präsenz in Brasilien und anderen portugiesischsprachigen Ländern macht sie zu einem wichtigen strategischen Partner. Die Entscheidung Portugals, einen Investor zu suchen, der die Drehkreuzfunktion in Lissabon langfristig sichert, spielt den großen europäischen Fluggesellschaften in die Hände, da sie in der Regel auf eine Netzwerkstrategie mit starken Hubs setzen.

Auswirkungen auf die europäische Luftfahrtlandschaft

Die Privatisierung von TAP Air Portugal wird weitreichende Konsequenzen für die europäische Luftfahrtlandschaft haben. Ein Einstieg der Lufthansa würde die Star Alliance in Südeuropa stärken und die Wettbewerbssituation gegenüber der SkyTeam-Allianz (zu der Air France-KLM gehört) und der Oneworld-Allianz (zu der IAG gehört) verschärfen. Die Übernahme von ITA Airways durch Lufthansa und die Beteiligung von Air France-KLM an SAS haben bereits gezeigt, daß die Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt voranschreitet. Die Übernahme von TAP wäre ein weiterer Meilenstein in diesem Prozeß.

Die portugiesische Regierung hat mit den festgelegten Bedingungen ein klares Signal an die Investoren gesendet: Sie sucht nicht nur nach einem finanziellen Partner, sondern nach einem strategischen Akteur, der die Zukunft der Fluggesellschaft sichert. Es ist jedoch zu erwarten, daß die Verhandlungen komplex sein werden, da die Interessenten versuchen werden, ihre eigenen strategischen Ziele zu verfolgen und gleichzeitig die Forderungen der Regierung zu erfüllen. Der angestrebte Abschluß Anfang 2026 erscheint angesichts der Komplexität ambitioniert. Dennoch hat die portugiesische Regierung die Weichen gestellt, um TAP Air Portugal in eine neue Ära zu führen, und die gesamte Luftfahrtindustrie schaut gespannt auf die Entwicklung in Lissabon.

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1 Comment

  • Eckhard , 9. September 2025 @ 15:10

    Interessant ist, daß in diesem Artikel die IAG erst gar nicht als potenzieller Bieter genannt wird.
    Sind die schon abgeschrieben wg Madrid / Iberia ?

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