Der globale Luftfrachtmarkt verzeichnete im Mai 2026 eine Zunahme der Nachfrage. Nach Angaben des internationalen Luftfahrtverbandes IATA stieg das weltweite Frachtaufkommen, gemessen in Frachttonnenkilometern, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,0 Prozent.
Gleichzeitig erhöhte sich die angebotene Kapazität lediglich um 1,9 Prozent, was zu einer Erhöhung des globalen Ladefaktors auf 46,3 Prozent führte. Diese Entwicklung verlief regional jedoch stark fragmentiert. Während die Fluggesellschaften in Afrika ein Wachstum von 13,3 Prozent und in Nordamerika von 10,5 Prozent verbuchten, verzeichnete der Nahe Osten aufgrund anhaltender kriegerischer Konflikte einen Rückgang des Frachtvolumens um 8,9 Prozent.
Wirtschaftsanalysten betrachten die Dynamik trotz des Zuwachses mit Zurückhaltung. Zwar stieg der weltweite Einkaufsmanagerindex für die Produktion im verarbeitenden Gewerbe auf 53,5 Punkte, doch der Teilindex für neue Exportaufträge verharrte mit 49,6 Punkten unter der Wachstumsschwelle. Dies deutet darauf hin, dass das Frachtwachstum nicht auf einer breiten Erholung des Welthandels basiert, sondern durch spezifische Handelsströme getragen wird. Zudem belasten die Treibstoffkosten die Bilanzen der Fluggesellschaften. Obwohl die Kerosinpreise im Mai im Vergleich zum Vormonat um 16,3 Prozent nachgaben, lagen sie immer noch um 93,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, was den Margendruck im Transportsektor erhöht.
Ein wesentlicher Treiber für das hohe Frachtaufkommen auf bestimmten Routen, wie der Verbindung zwischen Asien und Nordamerika mit einem Plus von 19,9 Prozent, ist die anhaltende Überlastung der maritimen Lieferketten. Durch die Sicherheitskrise im Roten Meer und die Beeinträchtigungen des Suezkanals weichen Reedereien weiterhin auf längere Seewege aus, was die Transportzeiten verlängert. In der Folge verlagern Industrieunternehmen dringende Vorprodukte und Konsumgüter, insbesondere aus dem asiatischen E-Commerce-Sektor, auf den Luftweg. Demgegenüber meldeten die Routen zwischen Europa und dem Nahen Osten sowie zwischen dem Nahen Osten und Asien deutliche Kontraktionen von rund 19,8 beziehungsweise 16,5 Prozent, bedingt durch geopolitisch erzwungene Luftraumumgehungen und logistische Blockaden am Golf.
Für den weiteren Jahresverlauf äußert sich die IATA verhalten optimistisch, verweist jedoch auf strukturelle Risiken. Die ungleiche Verteilung der Frachtströme führt zu Kapazitätsengpässen auf den Transpazifik- und Asien-Europa-Routen, während andere Weltregionen unterausgelastet bleiben. Da die globale Produktionsaktivität Anzeichen einer Abkühlung bei den Exporten zeigt, bleibt die Luftfrachtbranche von der Entwicklung geopolitischer Krisenherde und der Volatilität der Treibstoffmärkte abhängig. Eine flächendeckende, stabile Erholung der Erträge ist vor diesem Hintergrund im laufenden Geschäftsjahr nicht gesichert.