Airbus A321F (Foto: Lufthansa Cargo).
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Lufthansa Cargo navigiert durch Handelswirren und erweitert ihr globales Netz

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Die internationale Luftfrachtbranche sieht sich im Jahr 2025 mit einer komplexen Gemengelage aus sich wandelnden Handelsbeziehungen, neuen Zollbestimmungen und veränderten Warenströmen konfrontiert.

Vor diesem Hintergrund hat die Lufthansa-Frachttochter Lufthansa Cargo ihren Winterflugplan 2025/2026 vorgelegt, der eine Anpassung an diese globalen Herausforderungen darstellt. Im Fokus steht dabei die Etablierung eines „stabilen“ Angebotes, insbesondere auf den für die deutsche Exportwirtschaft so wichtigen transatlantischen Routen nach Nordamerika. Die jüngst zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union vereinbarten Handelsabkommen, welche einen pauschalen Einfuhrzoll von 15 Prozent für EU-Waren vorsehen, haben zu Beginn des Jahres 2025 zu erheblichen Schwankungen geführt. Während Lufthansa Cargo diese Turbulenzen in der Vergangenheit als „Achterbahnfahrt“ beschrieb, bietet die neue Handelslandschaft nun verläßlichere Orientierungspunkte für die strategische Planung.

Das Unternehmen setzt im bevorstehenden Winter auf Kontinuität und eine breite Vernetzung, um seinen Kunden auch unter den veränderten Rahmenbedingungen verlässliche Transportlösungen zu gewährleisten. Die Fluggesellschaft reagiert auf die neuen Gegebenheiten, indem sie ihre Kapazitäten optimiert und das Netzwerk gezielt ausbaut, um die Resilienz gegenüber plötzlichen Marktschwankungen zu erhöhen und die Warenströme zu sichern.

Stabilisierung des Nordamerika-Verkehrs

Das Nordamerika-Geschäft, das zu Jahresbeginn aufgrund der neuen US-Zollpolitik von Nachfragespitzen und plötzlichen Einbrüchen geprägt war, soll im Winterflugplan eine feste Größe werden. Lufthansa Cargo plant, das Frachterangebot auf diesem Sektor zu stabilisieren. Mit bis zu 87 wöchentlichen Rotationen zu insgesamt 36 Destinationen, darunter elf Ziele in Nordamerika, sichert das Unternehmen schnelle Verbindungen für seine Kunden. Diese Strategie reflektiert die anhaltende Bedeutung des transatlantischen Handels für die europäische Wirtschaft.

Die neuen Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, die am 21. August 2025 in einer gemeinsamen Erklärung festgehalten wurden, spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Der pauschale Einfuhrzoll von 15 Prozent auf die meisten EU-Waren schafft zumindest eine kalkulierbare Grundlage, im Gegensatz zu den vorherigen, sprunghaften tarifären Maßnahmen. Ausnahmen von diesem Zollsatz gelten unter anderem für Flugzeuge und Flugzeugteile, was für die Luftfrachtbranche von besonderer Relevanz ist. Die EU hat im Gegenzug versprochen, Zölle auf US-Industriegüter zu beseitigen, um den Handel zu erleichtern und somit eine neue Basis für verläßliche Handelsströme zu schaffen.

Neben dem Frachterangebot kann Lufthansa Cargo auch auf die Kapazitäten der Passagierflotte der Lufthansa Group und nunmehr auch der ITA Airways zurückgreifen. Die Fracht, die im Bauch (englisch: Belly) der Passagiermaschinen transportiert wird, bleibt ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts. Angesichts starker Buchungen aus den USA und einer wachsenden Nachfrage nach höherpreisigen Sitzen, plant Lufthansa im Winter ein zumindest moderates Wachstum ihres Passagierangebots, was auch der Frachtsparte zugutekommen dürfte.

Das Netz wird dichter: Asien-Pazifik und der Nahe Osten

Die Strategie von Lufthansa Cargo zielt nicht nur auf die Sicherung etablierter Routen ab, sondern auch auf die Erweiterung des globalen Netzwerks. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist die Ausweitung des Transpazifik-Fluges von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Los Angeles um einen Zwischenstopp in Schanghai. Mit dieser Neuerung kann nun auch Fracht direkt aus Schanghai nach Nordamerika transportiert werden, was eine wichtige Ergänzung im Flugplan darstellt. Diese zusätzliche Verbindung wurde bereits Ende August buchbar gemacht und schafft somit noch vor der offiziellen Einführung des Winterflugplans eine neue Option für die Kunden. Insgesamt stehen der Luftfrachtsparte nun bis zu 50 Frequenzen pro Woche in der Region Asien-Pazifik zur Verfügung, die 17 asiatische Ziele anfliegen.

Die strategische Relevanz Asiens für die globale Logistik ist unbestreitbar. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, daß die Einfuhren aus China im ersten Halbjahr 2025 um 10,7 Prozent gestiegen sind und China seine Position als wichtigster Lieferant für Deutschland ausgebaut hat. Diese Verschiebung in den Handelsbeziehungen unterstreicht die Notwendigkeit für Logistikunternehmen wie Lufthansa Cargo, ihre Routen anzupassen und neue Knotenpunkte zu schaffen.

Auch auf der Kurz- und Mittelstrecke in Europa, im Nahen Osten und in Afrika setzt Lufthansa Cargo auf Expansion. Die Flotte der A321F-Frachter wird in diesem Winter bis zu 37 wöchentliche Umläufe zu 20 Destinationen von den Drehkreuzen Frankfurt und München aus anbieten. Durch die kürzliche Eröffnung einer neuen Frachtstation in Beirut Anfang Juli wurde das Netzwerk in dieser Region weiter gestärkt.

Kooperation und wirtschaftliche Stärke

Ein weiterer wichtiger Baustein in der Strategie von Lufthansa Cargo ist die verstärkte Zusammenarbeit mit Partnern. Die Vermarktung von zusätzlichen Beiladekapazitäten der ITA Airways, die im Januar 2025 eine Beteiligung durch die Lufthansa-Gruppe erfuhr, erweitert das Netzwerk erheblich. Lufthansa Cargo hat damit Zugriff auf die Frachträume von ITA-Flugzeugen und kann ihren Kunden noch mehr Verbindungen anbieten. Dieser Schritt, der im Mai 2025 mit der Vermarktung von Kapazitäten auf Südamerika-Routen begann und sukzessive auf weitere Strecken ausgedehnt wird, stärkt das gesamte Belly-Netzwerk des Unternehmens.

Ashwin Bhat, der Chef der Frachttochter, betonte, daß die erweiterte Kapazität und das dichte Frachterflugnetz es der Airline ermöglichen, auch kurzfristig auf „verändernde Warenströme“ zu reagieren. Diese Flexibilität ist in der volatilen Handelswelt von 2025 ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Die strategischen Anpassungen und die Erweiterung des Angebotes spiegeln sich auch in den Geschäftszahlen wider. Im ersten Halbjahr 2025 vervielfachte Lufthansa Cargo ihr Betriebsergebnis auf 135 Millionen Euro. Diese positive wirtschaftliche Entwicklung versetzt das Unternehmen in die Lage, seine Position am Markt zu festigen und weiter in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu investieren. Die Nachfrage nach Luftfrachttransporten bleibt stabil, auch wenn die globalen Handelsrouten neu ausgerichtet werden. Das operative Ergebnis des Lufthansa-Konzerns insgesamt belief sich im Geschäftsjahr 2024 auf 1,6 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen.

In einem Umfeld, das von geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt ist, beweist Lufthansa Cargo eine hohe Anpassungsfähigkeit. Die Kombination aus einem stabilen Frachterangebot auf wichtigen Hauptrouten, der strategischen Erweiterung des Netzwerkes in wachsenden Märkten und der Nutzung von Synergien mit Partnern wie ITA Airways scheint der richtige Weg zu sein, um die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern und die Grundlage für zukünftiges Wachstum zu legen. Die Neuausrichtung des Winterflugplans ist somit nicht nur eine logistische, sondern auch eine strategische Antwort auf die komplexen Bedingungen des globalen Handels.

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