Der Lufthansa-Konzern arbeitet seit Monaten intensiv an einer Vereinfachung seiner komplexen Unternehmensstruktur, um die Effizienz zu steigern und besser auf die sich wandelnden Marktbedingungen reagieren zu können.
Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ sind die Vorbereitungen für das unter dem Projektnamen „Matrix Next Level“ laufende Vorhaben bereits weit fortgeschritten. Insiderkreise deuten an, daß der Konzernvorstand das Umbauprojekt noch im Mai auf den Weg bringen könnte. Ziel der neuen Organisation ist es, die Profitabilität des Gesamtkonzerns nachhaltig zu verbessern und eine angestrebte operative Gewinnmarge von acht Prozent im Airlinegeschäft zu erreichen, ein Ziel, das bislang primär die Tochtergesellschaft Swiss in Zürich erfüllt.
Komplexe Struktur als Herausforderung
Mit derzeit 14 Fluggesellschaften und – nach der Teilübernahme der ITA Airways in Rom – sechs Interkontinental-Drehkreuzen unterhält die Lufthansa Group ein weit verzweigtes und als komplex wahrgenommenes Betriebssystem.
Großaktionär Klaus-Michael Kühne hatte die gegenwärtige Aufstellung des Konzerns wiederholt als ineffizient kritisiert und angemahnt, Lufthansa habe sich mit einer Vielzahl von „Nebenprodukten“ und einem unübersichtlichen Airlinegeflecht „total verzettelt“. Diese Kritik scheint nun im Konzern Gehör zu finden.
Zentrale Steuerung und Synergieeffekte im Fokus
Ein wesentlicher Bestandteil der geplanten Umstrukturierung ist die stärkere Zentralisierung wichtiger Entscheidungsbefugnisse auf Konzernebene, insbesondere in Bezug auf die Netzplanung und die Umsatzsteuerung. Das Ressort von Lufthansa-Vorstand Dieter Vranckx leistet hierbei bedeutende Vorarbeit, da bei ihm die kommerzielle Steuerung der verschiedenen Drehkreuze zusammenläuft. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Flugbetrieben der Lufthansa Group zu intensivieren und Synergieeffekte besser zu nutzen.
Dazu könnten auch Veränderungen in der Produktionsverteilung innerhalb des Systems gehören. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte bereits Ende 2024 angedeutet, daß sich der Konzern unabhängiger von der Kernmarke Lufthansa entwickeln wolle, insbesondere im Interkontinentalverkehr, wo eine funktionierende Verknüpfung der Drehkreuze und der Zubringerverkehr als entscheidend angesehen werden, um mit Wettbewerbern wie Air France-KLM und IAG mithalten zu können.
Anpassung an veränderte Marktbedingungen
Spohr wies zudem darauf hin, daß sich Lufthansa in Deutschland an demographische Veränderungen, ein verändertes Reiseverhalten mit weniger Geschäftsreisenden und zunehmenden touristischen Strömen anpassen müsse. Die geplante neue Konzernstruktur soll es ermöglichen, schneller und flexibler auf diese Veränderungen zu reagieren. Ein Sorgenkind im Konzern ist derzeit Lufthansa Airlines selbst, die im ersten Geschäftsquartal 2025 einen deutlichen Betriebsverlust von 553 Millionen Euro verzeichnete.
Der ursprüngliche Kernbereich soll im Passagiergeschäft auf die Marken Lufthansa Classic, Lufthansa City Airlines und Discover Airlines gestutzt werden. Die wesentlichen Leitlinien der neuen Konzernorganisation sind demnach die Reduzierung von Komplexität und die Schaffung höherer Synergien, um letztendlich die Profitabilität des gesamten Lufthansa-Konzerns nachhaltig zu steigern.