Flagge des Iran (Foto: Pixabay).
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Luftraum über Iran wieder offen, doch EASA warnt weiter vor anhaltendem Risiko

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Obwohl der iranische Luftraum nach den jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen Iran, Israel und den Vereinigten Staaten im Juni wieder für den zivilen Flugverkehr geöffnet wurde, bleibt die europäische Luftfahrtaufsichtsbehörde EASA vorsichtig. Sie spricht weiterhin eine generelle „No-Fly“-Empfehlung für den Iran aus, die vorerst bis zum 31. Juli 2025 in Kraft bleibt.

Während Fluggesellschaften aus den Golfstaaten den iranischen Luftraum bereits wieder rege nutzen, begründet die EASA ihre Zurückhaltung mit der anhaltend angespannten Lage und einem erhöhten Abschußrisiko für zivile Flüge, insbesondere im Luftraum um Teheran. Die Erinnerung an den versehentlichen Abschuß einer Passagiermaschine im Jahre 2020 wiegt schwer und prägt die aktuelle Sicherheitsbewertung.

Die Wiederöffnung des Luftraums: Ein Spiel mit dem Risiko?

Nach einer Periode erhöhter militärischer Spannungen und direkter Konfrontationen zwischen Iran, Israel und den Vereinigten Staaten im Juni ist der iranische Luftraum, der für wichtige Überflugrouten dient, wieder für den zivilen Flugverkehr freigegeben worden. Die Raketen- und Luftangriffe, die über zwölf Tage hinweg stattfanden und sogar iranische Nukleareinrichtungen betrafen, haben die Region in Atem gehalten. Mit dem Abklingen dieser militärischen Aktivitäten kehrt eine gewisse Normalität in den Luftverkehr zurück.

Fluggesellschaften aus den Golfstaaten, die oft auf diese Routen angewiesen sind, machen bereits wieder rege Gebrauch vom iranischen Luftraum. Dies deutet auf ein Vertrauen in die aktuelle Sicherheitslage hin, das jedoch nicht von allen Akteuren geteilt wird.

Die Vorsicht der EASA: Eine anhaltende Warnung

Im Gegensatz zu einigen regionalen Fluggesellschaften rät die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) europäischen Betreibern weiterhin dringend von Ein- und Überflügen im iranischen Luftraum ab. In einem aktuellen Bulletin begründete die EASA ihre anhaltende Vorsicht: „Angesichts der weiterhin angespannten Lage ist davon auszugehen, daß der Iran die erhöhte Alarmbereitschaft seiner Luftstreitkräfte und Raketenabwehr aufrechterhalten wird.“ Diese erhöhte Alarmbereitschaft birgt für zivile Flüge ein potentielles Abschußrisiko, insbesondere im sensiblen Luftraum um die Hauptstadt Teheran.

Die EASA, die für die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs in Europa zuständig ist und regelmäßig Risikobewertungen für Konfliktzonen vornimmt, stützt ihre Empfehlungen auf eine umfassende Analyse der geopolitischen Lage und der militärischen Aktivitäten in der Region. Ihr Urteil ist ein klares Zeichen an europäische Airlines, höchste Vorsicht walten zu lassen, auch wenn der Luftraum technisch wieder offen ist. Die „No-Fly“-Empfehlung der EASA für den Iran gilt vorerst bis zum 31. Juli, was darauf hindeutet, daß die Behörde die Situation kontinuierlich bewertet und sich Spielraum für Anpassungen je nach Entwicklung der Lage offen hält.

Das Trauma von Flug 752: Eine schmerzhafte Erinnerung

Die besondere Vorsicht der EASA ist untrennbar mit einem tragischen Vorfall aus der jüngeren Vergangenheit verbunden, der die gesamte Luftfahrtwelt schockierte: Am 8. Januar 2020 schoß die iranische Luftabwehr versehentlich eine Boeing 737-800 von Ukraine International Airlines ab. An Bord des Fluges 752 von Teheran nach Kiew starben alle 176 Insassen.

Dieser Zwischenfall ereignete sich in einer Zeit erhöhter Spannungen, kurz nach einem iranischen Raketenangriff auf US-Militärbasen im Irak als Vergeltung für die Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani. Der Abschuß einer zivilen Passagiermaschine durch die eigene Luftabwehr unterstreicht die extremen Gefahren, die für den zivilen Luftverkehr in Regionen mit erhöhter militärischer Alarmbereitschaft bestehen können. Selbst bei nicht-zielgerichteten Angriffen oder Fehlidentifikationen kann es zu verheerenden Konsequenzen kommen. Die Erinnerung an Flug 752 prägt zweifellos die aktuelle Risikobewertung der EASA und verstärkt die Notwendigkeit maximaler Vorsicht, um eine Wiederholung einer solchen Katastrophe zu verhindern.

Der Iran als zentrale Überflugregion und die Reaktionen der Airlines

Geographisch gesehen ist der Iran eine wichtige Überflugregion, insbesondere für Flugrouten zwischen Europa und Asien. Viele Flüge, die den Nahen Osten umgehen, nutzen den iranischen Luftraum als Korridor, um Ziele in Südasien, Südostasien und Australien zu erreichen. Beispielsweiße quert die deutsche Lufthansa in Normalzeiten auf der Linie nach Bangalore den Iran komplett von Nord nach Süd.

Die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen hatten erhebliche Auswirkungen auf diese Routen. Fluggesellschaften mußten umfassende Umwege in Kauf nehmen, was zu längeren Flugzeiten, höherem Treibstoffverbrauch und damit zu erhöhten Betriebskosten führte. Aktuell nimmt Lufthansa auf der Strecke nach Bangalore weiterhin Umwege in Kauf, was die Einhaltung der EASA-Empfehlung signalisiert.

Lufthansa hat auch ihre direkten Linien nach Tel Aviv und Teheran aktuell ausgesetzt. Ein positives Zeichen für die Region ist jedoch die Ankündigung der Lufthansa, ihre Linien nach Tel Aviv zum 1. August wieder aufzunehmen. Dies deutet auf eine verbesserte Einschätzung der Sicherheitslage in Israel hin, während die Vorsicht für den Iran weiterhin bestehen bleibt. Die Entscheidung einer Fluggesellschaft, bestimmte Routen auszusetzen oder umzuleiten, ist stets eine Abwägung zwischen Sicherheitsrisiken, operativer Effizienz und wirtschaftlicher Rentabilität. Angesichts der EASA-Empfehlung und der Erfahrungen der Vergangenheit priorisieren europäische Fluggesellschaften eindeutig die Sicherheit ihrer Passagiere und Besatzungen.

Geopolitische Gemengelage: Spannungen in einer Schlüsselregion

Die jüngsten militärischen Schlagabtäusche zwischen Iran und Israel im Juni waren eine Eskalation langjähriger Spannungen und unterstreichen die fragile Sicherheitslage in der gesamten Nahostregion. Diese Konfrontationen waren eine direkte Folge israelischer Angriffe auf das iranische Atomprogramm und Regimestellen in Teheran, denen iranische Vergeltungsschläge folgten. Die aktive Beteiligung der US-Regierung, die iranische Nukleareinrichtungen während des Feldzuges mit Bunkerbrechern bombardieren ließ, verdeutlicht die globale Dimension des Konflikts.

Die Region ist nicht nur geostrategisch bedeutsam wegen ihrer Öl- und Gasvorkommen, sondern auch ein Brennpunkt geopolitischer Interessen verschiedener Mächte. Die militärische Alarmbereitschaft bleibt in der gesamten Region hoch, was jederzeit zu unvorhergesehenen Zwischenfällen führen kann. Für den zivilen Luftverkehr bedeutet dies eine permanente Risikobewertung und die Notwendigkeit, flexible Routenanpassungen vornehmen zu können. Die Entscheidung der EASA, eine „No-Fly“-Empfehlung aufrechtzuerhalten, spiegelt diese Realität wider und dient dem Schutz des europäischen Luftverkehrs vor den unberechenbaren Dynamiken eines Krisengebietes.

Sicherheit über Rentabilität

Die Entscheidung der EASA, trotz der Wiedereröffnung des iranischen Luftraums an ihrer „No-Fly“-Empfehlung festzuhalten, unterstreicht die Priorität der Flugsicherheit gegenüber operativer oder wirtschaftlicher Effizienz. Die Erinnerung an den Abschuß von Flug 752 im Jahre 2020 wiegt schwer und prägt die vorsichtige Haltung der europäischen Luftfahrtbehörde.

Während Fluggesellschaften aus den Golfstaaten bereits wieder die kürzeren Routen durch den iranischen Luftraum nutzen, bleiben europäische Airlines angewiesen, aufwendigere Umwege zu fliegen. Dies ist ein klares Zeichen dafür, daß in unsicheren Zeiten die Sicherheit der Passagiere und Besatzungen an erster Stelle steht. Die Situation im iranischen Luftraum wird weiterhin genau beobachtet werden, und die Empfehlungen der EASA werden entsprechend der weiteren Entwicklung der geopolitischen Lage angepaßt werden.


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