Am vergangenen Mittwoch kam es am Flughafen César Manrique–Lanzarote zu einem folgenschweren Zwischenfall für Fluggäste der Fluggesellschaft Ryanair. Insgesamt 89 Passagiere, die nach Bristol reisen wollten, verpassten ihren Flug FR4756, da sie aufgrund massiver Warteschlangen an der Passkontrolle nicht rechtzeitig das Boarding-Gate erreichten.
Da das Vereinigte Königreich kein Mitglied des Schengen-Raums ist, müssen Reisende in diesem Bereich ihre Pässe stempeln lassen, was zu einer Überlastung der Kontrollstellen führte. Trotz der hohen Zahl an festsitzenden Personen entschied sich die Fluggesellschaft gegen eine Wartezeit und hob mit einer Verspätung von 46 Minuten ab, nachdem das Gepäck der betroffenen Passagiere in einem fast einstündigen Prozess wieder entladen worden war.
Dieses Ereignis reiht sich in eine Serie von Abfertigungsproblemen am Flughafen Lanzarote ein, die besonders Passagiere aus Nicht-EU-Staaten betreffen. Bereits im Februar 2025 kam es zu ähnlichen Szenarien, als die zeitgleiche Landung von 17 Maschinen aus Nicht-Schengen-Ländern die Kapazitäten der Grenzpolizei sprengte. Lokale Wirtschaftsvertreter, darunter José Valle von der Handelskammer Lanzarote, hatten bereits im Sommer 2025 vor personellen Engpässen und einer unzureichenden Infrastruktur gewarnt. Die Situation wird durch die Einführung des digitalen EU-Einreise- und Ausreisesystems (EES) zusätzlich verschärft, da die digitale Erfassung biometrischer Daten die Bearbeitungszeit pro Passagier deutlich erhöht.
Branchenexperten sehen in dem harten Vorgehen von Ryanair auch eine Reaktion auf den anhaltenden Streit zwischen der Airline und dem spanischen Flughafenbetreiber AENA. Hintergrund sind erhöhte Flughafengebühren, gegen die Ryanair-Chef Michael O’Leary seit geraumer Zeit protestiert. Das strikte Festhalten an Slot-Zeiten, auch wenn dabei fast hundert Passagiere am Boden bleiben, verdeutlicht den wirtschaftlichen Druck im Billigflugsegment, bei dem jede Minute Verzögerung hohe Folgekosten nach sich zieht. Für den Flughafen Lanzarote stellt die wiederkehrende Überlastung ein erhebliches Reputationsrisiko dar, da der britische Markt einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für den lokalen Tourismus bildet.
Die betroffenen Passagiere fordern nun Entschädigungen, wobei die Rechtslage in solchen Fällen komplex ist, da die Überlastung der staatlichen Passkontrolle oft als außergewöhnlicher Umstand gewertet wird, der außerhalb des direkten Einflusses der Fluggesellschaft liegt. Dennoch steht die Informationspolitik am Flughafen in der Kritik, da das Ausladen des Gepäcks fast so viel Zeit in Anspruch nahm, wie eine moderate Verzögerung des Abflugs gedauert hätte. Ohne eine kurzfristige Aufstockung des Grenzpersonals und eine Erweiterung der Kontrollbereiche für Nicht-Schengen-Reisende drohen in der kommenden Urlaubssaison weitere Engpässe an den spanischen Ferienflughäfen.