Ein gezielter Angriff auf die Start- und Landebahn des internationalen Flughafens von Sanaa hat am 13. Juli 2026 zu einer schwerwiegenden Verschärfung des Konflikts im Jemen geführt. Die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Regierung übernahm die Verantwortung für den Militärschlag, mit dem die Landung eines iranischen Verkehrsflugzeugs der Fluggesellschaft Mahan Air in der von den Huthi-Rebellen kontrollierten Hauptstadt verhindert werden sollte.
Das betroffene Flugzeug, ein Airbus A340-300, musste daraufhin an die jemenitische Rotmeerküste ausweichen. Der Vorfall markiert die schwerste militärische Konfrontation zwischen den Konfliktparteien seit dem Abkommen zur Deeskalation im Jahr 2022. Internationale Beobachter und die Vereinten Nationen äußerten sich besorgt über das Risiko eines erneuten Ausbruchs offener Kampfhandlungen in der Region.
Hintergründe des blockierten Fluges aus Teheran
Dem militärischen Eingreifen ging ein diplomatischer Streit über die Souveränität des jemenitischen Luftraums voraus. Nach Angaben der international anerkannten jemenitischen Regierung, die von der südjemenitischen Stadt Aden aus operiert, hatte die iranische Regierung offiziell um die Erlaubnis für einen Sonderflug von Teheran nach Sanaa gebeten. An Bord der Maschine befand sich eine Delegation der Huthi-Führung, die zuvor nach Iran gereist war, um an den Beisetzungsfeierlichkeiten für das verstorbene Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei teilzunehmen. Die jemenitische Regierung wies den Antrag ab und warf den Huthi-Rebellen vor, das Flugzeug ohne rechtmäßige Genehmigung in das Staatsgebiet schleusen zu wollen.
Der Vorsitzende des jemenitischen Präsidentschaftsrates, Rashad al-Alimi, erklärte, dass die Regierung den Huthi-Vertretern angeboten habe, die Rückreise an Bord einer Maschine der nationalen Fluggesellschaft Yemenia durchzuführen. Dies sei von den Rebellen jedoch abgelehnt worden, da diese auf der Nutzung des iranischen Flugzeugs beharrten. Bereits am 3. Juli 2026 war ein iranisches Flugzeug in Sanaa gelandet, um die Delegation nach Teheran zu transportieren. Die Huthi-Führung gab an, dass sich auf dem damaligen Hinflug auch mehr als 200 medizinische Patienten befunden hätten, und beschuldigte saudi-arabische Kampfflugzeuge, die Landung behindert zu haben, was von saudi-arabischer Seite nicht kommentiert wurde.
Der militärische Zugriff auf die Infrastruktur
Da die diplomatischen Bemühungen zur Abwendung des Fluges scheiterten, befahl der jemenitische Verteidigungsminister Taher al-Aqili den Angriff auf die Infrastruktur des Flughafens in Sanaa. Regierungsnahe Kräfte attackierten die Hauptlandebahn unmittelbar vor der erwarteten Ankunft der iranischen Maschine. Aufnahmen des von den Huthis betriebenen Fernsehsenders Al-Masirah zeigten schwere Explosionen auf dem Flughafengelände. Durch die Beschädigung der Piste war eine Landung des Airbus A340-300 in der Hauptstadt unmöglich geworden, sodass die Maschine Kurs auf den Flughafen von Hodeidah nehmen musste, der ebenfalls unter der Kontrolle der Huthi-Rebellen steht, und dort sicher landete.
Als unmittelbare Reaktion auf den Vorfall ordneten die jemenitischen Luftfahrtbehörden die vorübergehende Schließung aller Flughäfen des Landes an. Erst nach mehreren Stunden wurde der Betrieb für den zivilen Luftverkehr wieder freigegeben. Die jemenitische Regierung betonte in einer offiziellen Erklärung, dass sie künftig alle verfügbaren Mittel einsetzen werde, um nicht autorisierte Einflüge in den jemenitischen Luftraum zu unterbinden, und machte die iranische Führung für die wiederholten Verletzungen der territorialen Integrität des Jemen verantwortlich. Bislang wurden keine Details darüber veröffentlicht, welche Waffen oder Einheiten für den Angriff auf die Landebahn eingesetzt wurden.
Reaktionen der Konfliktparteien und Drohungen mit Vergeltung
Die Huthi-Rebellen machten primär Saudi-Arabien für den Angriff verantwortlich und stuften die Aktion als eklatanten Bruch bestehender Vereinbarungen ein. Der militärische Sprecher der Bewegung, Yahya Saree, erklärte, dass der Angriff auf den Flughafen das Ende der seit 2022 anhaltenden Phase der Deeskalation bedeute und diese Handlung nicht unbeantwortet bleiben werde. Regierungsstellen in Riad lehnten eine sofortige Stellungnahme zu einer direkten Beteiligung saudi-arabischer Streitkräfte an dem Vorfall ab. Westliche Geheimdienste weisen jedoch darauf hin, dass die logistische und militärische Durchführung eines solchen Angriffs auf ein Ziel im kontrollierten Norden des Landes ohne Absprache mit der saudi-arabischen Militärkoalition kaum denkbar ist.
Die Fluggesellschaft Mahan Air steht bereits seit längerer Zeit im Fokus internationaler Sicherheitsbehörden. Den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Regierungen zufolge unterhält das private iranische Unternehmen enge Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden und wird regelmäßig für den Transport von Rüstungsgütern und Militärpersonal in Konfliktzonen des Nahen Ostens genutzt. Die jemenitische Vertretung bei den Vereinten Nationen erklärte vor dem Sicherheitsrat, dass der Versuch, die Maschine ohne Genehmigung in Sanaa landen zu lassen, ein gezielter Test der internationalen Gemeinschaft gewesen sei.
Internationale Besorgnis über ein Scheitern des Friedensprozesses
Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Hans Grundberg, äußerte sich tief besorgt über die jüngsten Entwicklungen im jemenitischen Luftraum. Er warnte davor, dass der Vorfall eine unkontrollierbare Dynamik auslösen könnte, die mühsam ausgehandelte diplomatische Kanäle dauerhaft blockiert. Grundberg rief beide Seiten eindringlich dazu auf, die relative Ruhe zu bewahren, die seit dem formellen Waffenstillstand von 2022 im Land herrscht. Obwohl dieses Abkommen rechtlich ausgelaufen ist, hatte es die Intensität der Kämpfe in den vergangenen Jahren erheblich reduziert und den Weg für humanitäre Erleichterungen geebnet.
Die Eskalation am Flughafen von Sanaa verdeutlicht die fragile Natur des jemenitischen Scheinfriedens. Da der Jemen weiterhin de facto geteilt ist zwischen dem huthi-kontrollierten Norden und dem von der Regierung beherrschten Süden, bleibt die Infrastruktur des Landes ein zentraler Hebel im politischen Machtkampf. Der Vorfall zeigt, dass der Luftraum und die Kontrolle über internationale Transportwege weiterhin als strategische Druckmittel eingesetzt werden, was die Gefahr einer Rückkehr zum offenen Bürgerkrieg erhöht und die Stabilität auf der gesamten Arabischen Halbinsel gefährdet.