Airbus A340-300 (Foto: Jan Gruber).
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Mit Hilfe von Plus Ultra: Wie Cubana de Aviacion die Luftbrücke nach Deutschland neu aufbaut

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Für Reisende, die von Deutschland aus nach Kuba gelangen möchten, zeichnet sich eine signifikante Veränderung ab. Ab Dezember 2025 kehrt die staatliche kubanische Fluggesellschaft Cubana de Aviacion auf die Langstrecke zurück und bietet wieder direkte Flugverbindungen zwischen Frankfurt und der Karibikinsel an.

Dieser Schritt beendet eine Periode, in der deutsche Reisende auf umständliche Umsteigeverbindungen angewiesen waren, nachdem andere europäische Carrier ihre direkten Flüge eingestellt hatten. Die Neuaufnahme des Flugbetriebs, organisiert von der deutschen Generalrepräsentanz Friends Touristik Marketing, signalisiert einen wiedererwachenden Optimismus im kubanischen Tourismussektor und eröffnet Reisenden eine neue, unkomplizierte Option, um das Land zu besuchen. Die Flüge werden mit einem Airbus A330-200 durchgeführt, der in einer Kooperation mit der spanischen Fluggesellschaft Plusultra betrieben wird, was die globale Vernetzung der Reisebranche unterstreicht.

Ein Ende der Umwege: Die neue Verbindung als strategischer Schritt

Die Wiederaufnahme des Linienbetriebs von Cubana de Aviacion ist ein entscheidender Moment für den deutschen Reisemarkt. Seit dem Ende des Winterflugplans 2024/2025, mit dem deutsche Ferienflieger wie Condor ihre Direktflüge nach Kuba eingestellt hatten, bestand eine Lücke in der direkten Luftanbindung. Der Ausstieg jener Carrier war das Resultat verschiedener Faktoren, darunter ökonomische Schwierigkeiten und die rückläufigen Touristenzahlen der letzten Jahre.

Dies führte dazu, daß Reisende, die nicht auf Schiffe oder Flußfahrten auswichen, gezwungen waren, auf Routen über europäische Drehkreuze wie Amsterdam, Paris oder Madrid auszuweichen, was die Reisezeit verlängerte und die Komplexität erhöhte. Die neue Verbindung von Cubana zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen und den deutschsprachigen Markt wieder direkt an die wichtigsten Destinationen Kubas anzubinden. Die Flüge sind zweimal wöchentlich, mittwochs und samstags, geplant. Der Hinflug am Mittwoch beinhaltet einen Stopover in Holguin im Osten des Landes, während der Rückflug am Samstag von Havanna ebenfalls über Holguin führt. Die Flüge am Samstag sind als Direktflüge von Frankfurt nach Havanna und zurück angekündigt. Diese Routenstruktur ermöglicht es den Reisenden, sowohl die Hauptstadt als auch die östlichen Regionen Kubas flexibel zu erreichen.

Tourismus unter besonderen Bedingungen: Infrastruktur versus Versorgungslage

Die Berichte über die schwierige Versorgungslage in Kuba sind in den vergangenen Jahren immer wieder in den Medien aufgetaucht. Diese Situation, die vor allem die kubanische Bevölkerung betrifft, hat zu Besorgnis bei potenziellen Reisenden geführt. Es ist gewiß, daß das Land mit strukturellen Problemen in der Lebensmittel- und Energieversorgung kämpft, die den Alltag der Einheimischen beeinträchtigen. Doch im Tourismussektor scheint sich die Lage anders zu gestalten.

Branchenvertreter, wie der von Alltours, bestätigten in Interviews, daß die touristische Infrastruktur weitgehend funktionsfähig ist. Die Hotelanlagen, Resorts und die für Reisende bestimmten Dienstleistungen operieren trotz der allgemeinen Engpässe. Die Gäste sind oft von den Problemen des Alltagslebens abgeschirmt und berichten von zufriedenstellenden Aufenthalten. Dieser Umstand ist ein entscheidender Faktor für die Fluggesellschaften und Reiseveranstalter, die auf die verläßliche Funktionalität der touristischen Einrichtungen angewiesen sind, um ihre Angebote aufrechterhalten zu können. Zudem arbeitet die kubanische Regierung an der Modernisierung ihrer Tourismusinfrastruktur, um das Land wieder attraktiver zu machen. Die Einführung eines elektronischen Visumssystems, das die Einreise vereinfacht, ist ein Beispiel für die Bemühungen, den Tourismussektor zu stärken.

Die Logistik hinter den Kulissen: Partnerschaft und Vertrieb

Die Durchführung der Flüge durch einen Airbus A330-200 der spanischen Fluggesellschaft Plusultra ist ein wichtiges Detail. Dies ist eine sogenannte „Wet-Lease“-Vereinbarung, bei der Cubana de Aviacion das Flugzeug mitsamt Besatzung und Wartung von Plusultra anmietet. Diese Vorgehensweise ermöglicht es der kubanischen Airline, die Flugverbindung ohne die eigenen operativen Herausforderungen auf der Langstrecke wieder aufzunehmen. Das Flugzeug bietet Platz für 287 Passagiere, aufgeteilt in eine Economy- und eine Business-Klasse, und erfüllt die hohen internationalen Standards.

Ein weiterer komplexer Aspekt ist der Vertrieb der Tickets. Da Cubana de Aviacion derzeit nicht im standardisierten BSP (Billing and Settlement Plan) System vertreten ist, können Reisebüros die Tarife über die Dokumente der sogenannten „Spezialisten“ Hahn Air oder Euroairlines ausstellen lassen. Diese Dienstleister, die auf die Abwicklung von Ticketing für Airlines spezialisiert sind, die nicht Teil des BSP-Systems sind, agieren hier als Vermittler. Für Reiseveranstalter gibt es zudem die Option, den E-Ticketing-Direct von Amadeus zu nutzen oder die Tickets direkt von der Generalrepräsentanz Friends Touristik Marketing ausstellen zu lassen. Dieser mehrgleisige Vertriebsweg zeigt die komplexen Mechanismen, die hinter der Wiederherstellung einer solchen Flugverbindung stehen, und betont die Wichtigkeit von spezialisierten Partnern in der Reisebranche.

Wiederbelebung des Marktes: „Famtrips“ und „ethnische Tarife“

Um die Reiseverbindung erfolgreich zu etablieren, sind gezielte Marketingmaßnahmen geplant. So sollen sogenannte „Famtrips“ (Familiarization Trips) für Reiseverkäufer stattfinden. Diese Reisen sollen es den Verkäufern ermöglichen, sich einen persönlichen Eindruck von der Versorgungslage in den Resorts und den verschiedenen Ausflugs- und Rundreisemöglichkeiten zu machen.

Das Ziel ist es, das Vertrauen in die Destination zu stärken und die Verkäufer mit den notwendigen Informationen auszustatten, um die Reisen überzeugend an ihre Kunden zu vermitteln. Ein weiterer strategischer Ansatz ist die Möglichkeit, „ethnische Tarife“ zu buchen. Diese speziellen Tarife richten sich an Personen mit familiären oder kulturellen Verbindungen zu Kuba, die oft zu günstigeren Konditionen angeboten werden, um den Reiseverkehr der kubanischen Diaspora zu fördern. Beide Maßnahmen zeigen, daß die Reederei und ihre Partner eine gezielte Strategie verfolgen, um verschiedene Marktsegmente anzusprechen und die neue Flugverbindung auf breite Basis zu stellen.

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