Ein neues internationales Schienenverkehrsprojekt verknüpft seit dem Frühjahr Mitteleuropa direkt mit Skandinavien. Im Mai wurde die durchgehende Fernverkehrsstrecke von Prag über Dresden, Berlin und Hamburg bis in die dänische Hauptstadt Kopenhagen offiziell in Betrieb genommen.
Nach dem Abschluss umfangreicher Sanierungsarbeiten und der vollständigen Wiederfreigabe des zentralen Schienenkorridors zwischen Berlin und Hamburg konnte das Angebot Mitte Juni auf die maximale Kapazität hochgefahren werden. Die Verbindung wird nun dreimal täglich pro Richtung bedient, wobei in den nachfragestarken Sommermonaten eine der täglichen Frequenzen als grenzüberschreitender Nachtzug geführt wird, um Geschäftsreisenden und Urlaubern eine flexible Reiseplanung zu ermöglichen.
Durch den Abschluss der baulichen Modernisierungsmaßnahmen auf den deutschen Teilstrecken haben sich die Reisezeiten für die Passagiere im internationalen Streckennetz spürbar verkürzt. Die Fahrzeit auf dem stark frequentierten Abschnitt zwischen Prag und der Metropolregion Hamburg verringerte sich um rund 40 Minuten auf eine Nettofahrzeit von genau sechs Stunden. Für die gesamte kontinentale Distanz von der tschechischen Republik durch die Bundesrepublik bis nach Dänemark benötigen die Züge eine Gesamtlaufzeit von etwa elf Stunden und 45 Minuten. Das Projekt gilt als logistischer Meilenstein bei der Verknüpfung europäischer Ballungsräume und soll den grenzüberschreitenden Schienenpersonenfernverkehr als konkurrenzfähige Alternative zu regionalen Flugverbindungen etablieren.
Der operative Betrieb der neuen Verbindung wird gemeinschaftlich von drei nationalen Eisenbahnunternehmen getragen. Die Deutsche Bahn kooperiert hierzu eng mit der Tschechischen Bahn (České dráhy) sowie der Dänischen Staatsbahn (Danske Statsbaner). Zum Einsatz kommen hochmoderne, klimatisierte Wagengarnituren der neuen Generation des tschechischen Typs ComfortJet. Diese weisen eine zeitgemäße Serviceinfrastruktur auf, die neben einem vollwertigen Bordrestaurant, kostenfreiem WLAN-Zugang und Ladesteckdosen an den Plätzen auch ein digitales Informations- und Unterhaltungsportal umfasst. Zudem verfügt der Fuhrpark über barrierefreie Einstiege, dedizierte Familienabteile sowie Stellplätze für die Fahrradmitnahme.
Die europäische Dimension des Vorhabens geht über eine reine Linienkooperation hinaus. Die Verbindung zwischen Prag und Kopenhagen stellt das erste realisierte Pilotprojekt einer strategischen Initiative dar, die von der Europäischen Union gezielt unterstützt und gefördert wird. Insgesamt zehn solcher staatenübergreifenden Pilotverbindungen wurden von der EU-Kommission ausgewählt, um administrative und technische Barrieren im europäischen Eisenbahnnetz abzubauen und die Harmonisierung der nationalen Zugsicherungssysteme voranzutreiben. Der erfolgreiche Vollbetrieb dieser Dreiländer-Verbindung dient den beteiligten Staatsbahnen und europäischen Verkehrsplanern als wichtiges Referenzmodell für künftige Netzerweiterungen im kontinentalen Fernverkehr.