Die geplante multilaterale Verteidigungsbank „Defence, Security and Resilience Bank“ (DSRB) hat eine wesentliche Richtungsentscheidung über ihre künftige Struktur getroffen. Wie aus Regierungskreisen Kanadas und Luxemburgs hervorgeht, wird das internationale Finanzinstitut seinen globalen Hauptsitz in Kanada einrichten, während Luxemburg als europäische Basis fungieren soll.
Die offizielle Vorstellung des Projekts, das im politischen Sprachgebrauch bereits als „NATO-Bank“ bezeichnet wird, ist für den bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara im Juli 2026 angekündigt. Das Institut verfolgt das Ziel, ein Finanzierungsvolumen von rund 135 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren, um die Rüstungsproduktion und die Stabilität von Lieferketten der Partnerstaaten im europäisch-atlantischen und indopazifischen Raum zu unterstützen.
Das Geschäftsmodell der DSRB sieht vor, dass die beteiligten souveränen Mitgliedstaaten das Eigenkapital bereitstellen, während sich die Bank über die Ausgabe von Anleihen mit einer erstklassigen AAA-Bonitätsnote am internationalen Kapitalmarkt refinanziert. Mithilfe dieser Mittel sollen günstige Kredite an Regierungen vergeben sowie Kreditgarantien für private Geschäftsbanken bereitgestellt werden, um die Finanzierung von Rüstungsbetrieben und Zulieferern zu erleichtern. Der Aufbau des Instituts wird beratend von mehreren großen internationalen Finanzhäusern begleitet, darunter auch der Deutschen Bank. Ein zentrales Vergabekriterium der DSRB besagt, dass Kreditnehmer die finanzierten Aufträge vorrangig an Industrieunternehmen aus denjenigen Ländern vergeben müssen, die Mitglied der Bank sind.
In Deutschland hat die Nachricht über die konkreten Pläne eine intensive Debatte über eine Beteiligung der Bundesregierung ausgelöst, die bislang noch aussteht. Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnte in einem Diskussionsbeitrag vor den Folgen einer politischen Zurückhaltung. Da das Finanzierungssystem der Bank auf Gegenseitigkeit beruhe, würde ein deutscher Nichtbeitritt die heimische Verteidigungsindustrie von einem bedeutenden Auftragsvolumen der Verbündeten isolieren. Die Abwesenheit in diesem neuen ökonomischen Netzwerk käme einem industriellen Ausschluss gleich, weshalb die Branchenverbände den Druck auf die Politik im Vorfeld des Gipfels in Ankara spürbar erhöhen.
Wirtschaftsanalysten und Finanzexperten betrachten das ambitionierte Projekt jedoch auch mit deutlicher Skepsis. Die angestrebte finanzielle Hebelwirkung, bei der auf jeden Euro staatlichen Eigenkapitals ein Vielfaches an privatem Fremdkapital kommen soll, erhöht das Verlustrisiko bei unvorhergesehenen geopolitischen Krisen oder Zahlungsausfällen von Schuldnerstaaten. Zudem stoßen reine Rüstungsfinanzierungen am globalen Kapitalmarkt zunehmend auf regulatorische Hindernisse, da viele kommerzielle Großbanken und institutionelle Investoren strengen internen Richtlinien zur Risikobewertung unterliegen. Ob die DSRB unter diesen Rahmenbedingungen die geplanten Summen reibungslos am Markt aufnehmen kann, bleibt eine offene Frage für die künftigen Trägerstaaten.