Der österreichische Flugzeughersteller Diamond Aircraft reaktiviert die europäische Produktion eines seiner bekanntesten Modelle: die zweisitzige Schulungsmaschine DA20i Katana. Nach über zehnjähriger Produktionspause in Europa nimmt das Werk in Wiener Neustadt die Auftragsbücher für eine modernisierte Version des leichten Trainingsflugzeugs wieder auf. Dieser Schritt erfolgt als direkte Antwort auf eine wachsende Nachfrage von Flugschulen, Luftsportvereinen und Privatpiloten, die nach kosteneffizienten und zeitgemäßen Trainingsplattformen suchen.
Die Entscheidung von Diamond Aircraft spiegelt einen umfassenderen Trend in der allgemeinen Luftfahrt wider: Angesichts eines anhaltenden Bedarfs an Pilotennachwuchs und dem gleichzeitigen Bemühen der Betreiber, veraltete Flotten zu ersetzen, setzen Hersteller verstärkt auf die Modernisierung bewährter Designs. Die neue DA20i Katana kombiniert die seit den 1990er-Jahren erprobte Faserverbundbauweise mit einem leistungsfähigen, modernen Antrieb und einem Avionik-Upgrade auf dem neuesten Stand der Technik, um die Lücke zwischen Basistrainern und komplexeren Flugzeugtypen zu schließen. Die Wiederbelebung des Modells unterstreicht die Verpflichtung von Diamond Aircraft gegenüber dem Ausbildungssegment, das den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens legte und eine Modelllinie, die sich bis zur DA40-, DA42- und DA62-Familie erstreckt.
Technologische Aufrüstung: Effizienz und digitales Cockpit
Die Rückkehr der DA20i Katana nach Europa ist primär technologisch motiviert, um den modernen Anforderungen des Ausbildungsmarktes gerecht zu werden. Das Herzstück der Modernisierung ist die Rotax 912 iSc3 Sport-Triebwerk , ein Einspritzmotor, der die älteren Vergasermotoren der ursprünglichen Katana-Modelle ersetzt. Dieser Antrieb ist für seinen sparsamen Betrieb und die Fähigkeit bekannt, sowohl mit Flugbenzin (Avgas 100LL) als auch mit herkömmlichem Superbenzin (Mogas) betrieben zu werden.
Der Umstieg auf das Einspritzsystem verspricht einen ruhigeren und gleichmäßigeren Motorlauf sowie eine Reduzierung der Betriebskosten, was insbesondere für Flugschulen mit hohem Flugaufkommen ein wichtiges wirtschaftliches Argument darstellt. Die DA20i Katana, angetrieben vom 100 PS starken Rotax-Motor, zeichnet sich durch einen besonders niedrigen Treibstoffverbrauch aus: Bei maximaler Reichweite verbraucht sie nur etwa 11,1 Liter pro Stunde. Dies ermöglicht eine Reichweite von bis zu 1.302 Kilometern.
Eine weitere entscheidende Neuerung findet sich im Cockpit: Die DA20i wird mit dem Garmin G500TXi Glascockpit ausgestattet. Dieses System ersetzt die herkömmliche Instrumentierung und umfasst hochauflösende Touchscreens. Die Integration moderner Anzeigefunktionen, darunter synthetische Sicht (Synthetic Vision), Gelände- und Verkehrswarnsysteme (Terrain and Traffic Awareness), verbessert die Situationswahrnehmung des Piloten deutlich. Durch die schnellere Datenverarbeitung und die intuitive Touchscreen-Bedienung wird die Arbeitsbelastung des Piloten reduziert, was die Effizienz und Sicherheit während des Trainings erhöht. Das G500TXi-System ist ein Standard in der modernen allgemeinen Luftfahrt und ermöglicht eine nahtlose Schulung, die als Überführung zu komplexeren Flugzeugmustern dient.
Der Rumpf: Bewährtes Design aus Faserverbundwerkstoff
Während Motor und Avionik umfassend modernisiert wurden, bleibt die Flugzeugzelle der DA20 Katana weitgehend unverändert. Sie basiert auf der ursprünglichen Faserverbundbauweise aus glas- und kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, die Diamond Aircraft bereits in den 1990er-Jahren etablierte.
Dieser Konstruktionsansatz führt zu einer leichten und aerodynamisch geformten Struktur mit geringem Luftwiderstand, was nicht nur zur Treibstoffeffizienz, sondern auch zur guten Steigleistung beiträgt. Die Verbundwerkstoff-Konstruktion ist zudem unempfindlich gegenüber Korrosion und wurde über Tausende von Flugstunden im harten Schulungsbetrieb als besonders langlebig und wartungsfreundlich bewiesen. Dies sind essenzielle Merkmale für Betreiber, die ihre Flotten mit hoher Auslastung betreiben und minimale Wartungsstillstandszeiten anstreben. Mit einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 226 km/h (etwa 122 Knoten) und einer maximalen Reichweite von über 700 nautischen Meilen (ohne Reserve) bietet die Katana eine ausgewogene Balance aus Leistung und Wirtschaftlichkeit für das Basistraining.
Die Marktsituation: Trainer-Bedarf im Aufwind
Die Entscheidung zur Wiederaufnahme der europäischen Produktion ist eng mit der aktuellen Dynamik auf dem weltweiten Piloten- und Trainingsmarkt verbunden. Prognosen von Branchenanalysten wie Boeing und CAE zeigen, dass in den kommenden Jahrzehnten Hunderttausende neuer Piloten für die zivile Luftfahrt benötigt werden, um die Flottenerweiterung und altersbedingte Abgänge auszugleichen. Die globale Marktanalyse für Pilotenschulungen prognostiziert, dass der Markt bis 2034 ein erhebliches Wachstum erfahren wird.
Flugschulen in Europa und weltweit stehen unter dem Druck, ihre oft überalterten Flugzeugflotten zu erneuern, was durch steigende Kosten für neue Flugzeuge und lange Lieferzeiten erschwert wird. In diesem Kontext positioniert sich die DA20i Katana als zugängliche und technisch moderne Option. Der Flugzeughersteller bedient mit der lokalisierten Produktion in Österreich gezielt den europäischen Markt, während die nordamerikanische Variante, die DA20-C1 mit dem 125 PS starken Continental IO-240-B32B Motor, weiterhin in Kanada produziert wird. Die DA20i Katana füllt somit eine Marktlücke für ein speziell auf europäische Standards und Betriebsabläufe zugeschnittenes Trainingsflugzeug.
Die Rückkehr des Modells aus Wiener Neustadt, wo die Katana ursprünglich entwickelt wurde, trägt auch der emotionalen Bindung vieler Piloten und Fluglehrer zu dem Flugzeug Rechnung. Jane Wang, Direktorin für Vertrieb, Marketing und Flugbetrieb von Diamond Aircraft Austria, betonte, dass die Katana stets einen besonderen Platz in den Herzen der Piloten innehatte und nun mit ihren Upgrades bereit sei, die nächste Generation von Luftfahrtenthusiasten zu inspirieren. Die Wiederbelebung eines Klassikers durch moderne Technologie ist ein Indiz dafür, dass die allgemeine Luftfahrt in bewährte, aber zukunftsfähige Trainingsplattformen investiert, um den wachsenden globalen Pilotenbedarf zu decken.