Die Niederlande bereiten sich auf die Einführung der europaweit höchsten Fluggesellschaftsabgabe vor. Bis zum Jahr 2027 soll die Steuer pro Ticket auf über 40 Euro steigen, was mehr als dem Achtfachen des aktuellen EU-Durchschnitts von etwa 5 Euro entspricht.
Diese Entwicklung resultiert aus früheren Regierungsbeschlüssen und steht im deutlichen Kontrast zu den Bestrebungen der derzeitigen Koalition, eigentlich eine koordinierte europäische Lösung bei der Besteuerung des Luftverkehrs anzustreben. Die massiven Erhöhungen betreffen alle Routen, wobei Mittelstreckenflüge nach Ägypten oder Marokko um etwa 60 Prozent teurer werden könnten. Auf der Langstrecke drohen Preissteigerungen von bis zu 140 Prozent, was für eine vierköpfige Familie eine steuerliche Zusatzbelastung von fast 290 Euro pro Reise bedeuten würde.
Die Regierung in Den Haag erwartet durch diese Maßnahme Mehreinnahmen in Höhe von rund 300 Millionen Euro im Jahr 2027, wodurch die jährlichen Gesamteinnahmen aus der Ticketsteuer auf circa 1,1 Milliarden Euro ansteigen würden. Wirtschaftsexperten weisen darauf hin, dass die generierten Mittel derzeit keiner direkten Zweckbindung für die Luftfahrtindustrie unterliegen, sondern in den allgemeinen Staatshaushalt fließen. Branchenanalysen warnen vor einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung innerhalb des europäischen Binnenmarktes. Eine Untersuchung des Instituts Markeffect zeigt, dass etwa 74 Prozent der niederländischen Reisenden bereit wären, auf Flughäfen im Ausland auszuweichen, sollten die Abgaben in diesem Maße steigen.
Die nationale Fluggesellschaft KLM äußert bereits deutliche Bedenken hinsichtlich der strategischen Auswirkungen auf den Luftfahrtstandort. Ein wachsendes Steuergefälle zu Nachbarländern wie Deutschland oder Belgien könnte zu einer massiven Abwanderung von Passagieren zu konkurrierenden Drehkreuzen wie Brüssel oder Düsseldorf führen. Dieses Phänomen des „Passenger Leakage“ birgt das Risiko, die Netzstabilität und die Konnektivität des Amsterdamer Flughafens Schiphol langfristig zu schwächen. Eine geringere Nachfrage könnte zu Streichungen von Flugverbindungen führen, was wiederum negative Auswirkungen auf die allgemeine Wirtschaftsleistung und die Rentabilität der ansässigen Fluglinien hätte.
Zusätzliche Recherchen verdeutlichen, dass die Niederlande bereits in der Vergangenheit mit Ticketsteuern experimentiert haben, diese jedoch aufgrund massiver Abwanderungsbewegungen zeitweise wieder aussetzten. Die geplante Erhöhung erfolgt zudem in einer Phase, in der auch andere europäische Nationen über Anpassungen ihrer Luftverkehrsabgaben nachdenken, jedoch in deutlich geringerem Umfang. KLM und andere Branchenvertreter fordern daher eine stärkere Harmonisierung der Steuersätze auf europäischer Ebene, um ungleiche Wettbewerbsbedingungen zu vermeiden und die Attraktivität des niederländischen Luftraums für internationale Fluggesellschaften und Passagiere zu erhalten.