Der Weinherbst in Niederösterreich begeht in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum und manifestiert sich einmal mehr als die „fünfte Jahreszeit“ der Region. Bis Ende November verbindet das umfangreiche Programm aus Kulinarik, Kultur und regionalem Brauchtum das tief verwurzelte Traditionsbewusstsein des Weinbaus mit modernen touristischen Angeboten. Dieses Konzept dient nicht nur der Pflege der regionalen Identität, sondern trägt maßgeblich zur Verlängerung der touristischen Herbstsaison und zur Steigerung der Auslastung in Hotellerie und Gastronomie bei. Die Initiative erstreckt sich über die acht Weinbaugebiete Niederösterreichs – vom Weinviertel über die Donau-Regionen bis in den Wienerwald – und bietet Besuchern authentische Einblicke in die Weinerzeugung und das gesellschaftliche Leben der Region.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hob die Bedeutung der Veranstaltung hervor und bezeichnete sie als jährlichen Fixpunkt, der die einzigartige Stimmung in den Kellergassen und Rebzeilen erlebbar mache. Michael Duscher, Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung, unterstrich den touristischen Mehrwert, indem er betonte, dass der Weinherbst ideal mit einem Kurzurlaub verbunden werden könne – sei es durch Wanderungen oder den Besuch spannender Ausflugsziele. Die Erfolgsformel des Weinherbstes liegt in der gelungenen Inszenierung der Weinlese als kulturelles und genussvolles Großereignis.
Regionale Vielfalt: Weinviertel setzt auf Kultur und Kulinarik
Das Weinviertel, als größtes Weinbaugebiet Niederösterreichs, profiliert sich mit einem besonders facettenreichen Programm. Ein Höhepunkt ist der „wein.lese.herbst“, der Kulinarik, Literatur und Wein zu einem anspruchsvollen Erlebnis verschmilzt. Hier kreieren Spitzenköche herbstliche Menüs, die von Wild und Kürbis dominiert werden, während zwischen den Gängen Lesungen regional bekannter Autoren wie Jimmy Schlager, Michael Staribacher und Martin Neid dargeboten werden.
Neben diesen kulinarisch-literarischen Veranstaltungen laden zahlreiche traditionelle und moderne Ausflugsziele zur Erkundung ein. Die wein + trauben welt in Poysdorf bietet Einblicke in die Welt der Rebe, während der Retzer Erlebniskeller, einer der größten historischen Weinkeller in Mitteleuropa, noch bis Anfang November geöffnet ist. Ein besonders traditionsreiches Ereignis ist das Kürbisfest im Retzer Land, das in der malerischen Kellergasse „Maulavern“ in Zellerndorf stattfindet. Dieses Brauchtumsfest bietet Kürbisspezialitäten, Kunsthandwerk und Live-Musik und zieht Besucher aus nah und fern an, um die herbstliche Fülle der Region zu feiern.
Brauchtum und Historie in der Donau-Region und im Wienerwald
In den Gebieten entlang der Donau und in der Thermenregion Wienerwald stehen die Pflege jahrhundertealter Traditionen und die kulturelle Historie im Vordergrund. Die Thermenregion, Heimat der autochthonen Rebsorten Rotgipfler und Zierfandler, veranstaltet am 9. November in Perchtoldsdorf das wohl größte Erntedankfest Österreichs. Ein zentraler Bestandteil ist der „Hiataeinzug“, dessen Ursprünge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen und der als immaterielles Kulturerbe der UNESCO gewürdigt wird. Bei diesem Fest haben Besucher die Gelegenheit zur Verkostung des jungen, sogenannten „staubigen“ Jahrgangs.
Die Wachau, die selbst Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist, verbindet den Weinherbst mit einer langen Erntedank-Tradition. Bis Ende Oktober stehen hier unter anderem Sturmfrühschoppen, Konzerte, Rieden- und Fackelwanderungen sowie Zillenfahrten auf der Donau auf dem Programm, die das Weinerlebnis in die einzigartige Flusslandschaft einbetten. Die Jungweinsegnungen und Weintaufen in Weißenkirchen, Rossatz und Arnsdorf im November markieren den feierlichen Abschluss der Lese und die Einführung des neuen Jahrgangs.
Im Kremstal lädt die Weinerlebniswelt Sandgrube 13 wein.sinn zu einer modernen, mehrstufigen Reise durch die Welt des Weins ein. Acht thematische Stationen, darunter ein 270°-Erlebnisfilm und Weinproben, vermitteln auf unterhaltsame Weise Wissen über den Weinbau. Die Möglichkeit, das imposante Benediktinerstift Göttweig mit seiner monumentalen Kaiserstiege und den berühmten Fresken von Paul Troger zu besichtigen, rundet das kulturelle Angebot ab und zeigt die enge Verflechtung von Weinbau, Kultur und Architektur in der Region.
Übernachtungsangebote und touristische Anreize
Die gezielte Verlängerung der touristischen Saison durch den Weinherbst wird durch attraktive Übernachtungsmöglichkeiten unterstützt. Das Kremstal beherbergt einige der als Selected Stays ausgezeichneten Gastgeber, wie das Weingut Hotel Restaurant Nigl in Senftenberg und das Malat Weingut und Hotel in Palt. Diese Unterkünfte zeichnen sich durch hohe Qualität, regionale Verbundenheit und eine einzigartige Gestaltung, sei es in der Architektur oder der Geschichte, aus. Sie fungieren als Hide-Aways und bieten eine ideale Basis für mehrtägige Aufenthalte.
Das Kamptal mit der größten Weinstadt Österreichs, Langenlois, setzt auf eine Mischung aus Tradition und Moderne. Neben jahrhundertealten Weingütern finden sich hier moderne Weinbauten wie das Loisium Wine & Spa Hotel und die Loisium WeinWelt. Letztere ermöglicht Besuchern die Besichtigung $900$ Jahre alter Weinkeller. Die Gebietsvinothek Ursin Haus präsentiert mit rund $300$ Weinen von etwa $60$ Kamptaler Winzern die Vielfalt der Region. Spezielle Aktionen wie „Weinschaun beim Winzer“ mit Kellerführungen und Verkostungen direkt bei den Winzerhöfen bis in den Dezember hinein dienen der Attraktivitätssteigerung der Region in den späten Herbstmonaten. Der Oktober steht zudem unter dem Motto „Prickelndes Langenlois“ anlässlich des Tages des Sekt Austria.
Wein, Tanz und Musik als gesellschaftliche Höhepunkte
Auch das Traisental feiert mit dem Winzerball unter dem Titel „Soirée des Traisentaler Weins“ im Cityhotel D&C St. Pölten am 7. November ein gesellschaftliches Jubiläum anlässlich des $30$-jährigen Bestehens des Weinbaugebiets. Dieses Ereignis wird ergänzt durch das St. Pöltner Kellergassenfest am Tag darauf.
Im Wagram vereint der Weinherbst-Jazzbrunch im Mörwalds Relais & Châteaux Restaurant „Zur Traube“ am 26. Oktober Musikgenuss mit gehobener Kulinarik. Der Wagram Wein Herbst dauert noch bis Anfang November an und bietet mit Veranstaltungen wie der Feuersbrunner Weintaufe die Gelegenheit, Jungweine und „Staubige“ zu verkosten. Die Gebietsvinothek Weritas Wagram dient als modernes Aushängeschild der Region und präsentiert den typischen Grünen Veltliner sowie die Spezialität Roter Veltliner.
Das Brauchtum lebt im Carnuntum und in Klosterneuburg weiter. Das Fasslrutschen über das legendäre 1.000-Eimer-Fass im Binderstadl des Stifts Klosterneuburg zelebriert den jahrhundertealten Brauch zu Leopoldi, der mit dem großen Leopoldifest am Rathausplatz verbunden ist. Im Carnuntum lädt der Göttlesbrunner Leopoldigang im November zur Verkostung des neuen Jahrgangs ein, bei dem rund $20$ Winzer und lokale Gastronomen ihre Produkte präsentieren. Der jährliche Petroneller Weinrundgang am 8. November rundet das Angebot in den Heurigenlokalen und Weinkellern ab. Der Niederösterreichische Weinherbst beweist mit dieser Bandbreite an Angeboten seine Rolle als vitaler Wirtschaftsfaktor und kultureller Anziehungspunkt.