Norse Atlantic Airways, die junge norwegische Fluggesellschaft, hat eine bedeutende strategische Entscheidung für das Jahr 2025 bekannt gegeben. Bis zu sechs der insgesamt sieben Boeing 787-9 Dreamliner der Flotte sollen im Rahmen eines Wet-Lease-Vertrages an eine andere internationale Fluggesellschaft verleast werden.
Dieser Schritt, der auf einer Absichtserklärung vom 2. Dezember 2024 basiert, soll der Airline zusätzliche Einnahmen bringen und die betriebliche Flexibilität steigern. Mit einem geschätzten Vertragswert von bis zu 462 Millionen US-Dollar, einschließlich potenzieller Verlängerungen, stellt das Abkommen eine der größten finanziellen Transaktionen in der noch jungen Geschichte von Norse Atlantic Airways dar.
Die Details des Leasing-Abkommens
Die Vereinbarung sieht vor, daß zwei Flugzeuge im Februar 2025 übergeben werden, gefolgt von vier weiteren im September desselben Jahres. Norse erwartet für jedes Flugzeug eine monatliche Vergütung, basierend auf einer Mindestnutzung von 350 Blockstunden. Überschreitungen dieser Schwelle würden zusätzliche Zahlungen nach sich ziehen. Obwohl die Identität der Kundenfluggesellschaft noch nicht offiziell bestätigt wurde, deutet vieles auf Riyadh Air hin, eine neue saudi-arabische Airline, die Anfang 2025 ihren Betrieb aufnehmen wird. Riyadh Air, die mit Verzögerungen bei der Lieferung ihrer eigenen Boeing 787-9 kämpft, könnte die geleasten Maschinen nutzen, um diesen Engpaß zu überbrücken.
Eine Strategie für saisonale Herausforderungen
Norse Atlantic Airways hat sich seit ihrem Start im Juni 2022 durch eine geschickte Anpassung an die Marktdynamik ausgezeichnet. Die Airline kombiniert reguläre Linien- und Charterflüge mit Wet-Lease-Vereinbarungen, die in verkehrsschwachen Zeiten für stabile Einnahmen sorgen. Dies ist insbesondere während des nördlichen Winters von Bedeutung, wenn die Nachfrage nach Transatlantikflügen traditionell geringer ist. Die strategische Nutzung von Wet-Lease-Verträgen ermöglicht es der Airline, ihre Maschinen und Besatzungen das ganze Jahr über produktiv einzusetzen.
Die Entscheidung, sechs der sieben Dreamliner zu verleasen, ist auch Ausdruck des Bestrebens, die Flottenauslastung zu maximieren und die finanziellen Ressourcen effizient einzusetzen. Dieser Ansatz hat sich bereits bei früheren Kooperationen bewährt. Aktuell fliegen vier Norse-Maschinen für die italienische Charterfluggesellschaft Neos und bedienen Langstreckenverbindungen.
Die Boeing 787-9: Rückgrat der Flotte
Die Boeing 787-9 Dreamliner bildet das Herzstück der Flotte von Norse Atlantic Airways. Mit einem Durchschnittsalter von 6,5 Jahren sind die Flugzeuge technisch modern und bieten Platz für 338 Passagiere in einer Zwei-Klassen-Konfiguration. Die Kombination aus Komfort und Energieeffizienz macht die Dreamliner zu einer idealen Wahl für Langstreckenverbindungen.
Norse hat bisher ein breites Streckennetz aufgebaut, das im Sommer 2024 Ziele wie New York, Miami, Las Vegas und Los Angeles umfaßte. In der Wintersaison 2024/25 erweiterte die Airline ihr Portfolio um exotische Destinationen wie Kapstadt und Bangkok. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Leasing-Vereinbarung auf den Flugbetrieb auswirken wird, insbesondere auf die Planung für den Sommerflugplan 2025.
Zukunftsperspektiven
Mit dem neuen Wet-Lease-Abkommen zeigt Norse Atlantic Airways erneut ihre Fähigkeit, flexibel auf Marktbedingungen zu reagieren. Während einige Beobachter befürchten, daß die temporäre Abgabe von Flugzeugen die eigene Marktpräsenz schwächen könnte, sieht die Airline dies offenbar als Chance, Einnahmen zu sichern und langfristig zu wachsen. Die Kooperation mit einer „angesehenen internationalen Fluggesellschaft“, deren Identität möglicherweise bald enthüllt wird, könnte zudem neue Türen für strategische Allianzen öffnen.
Der Fokus auf ACMI-Verträge zeigt, daß Norse Atlantic Airways sich nicht nur als traditionelle Fluggesellschaft, sondern auch als vielseitiger Dienstleister in der Luftfahrtbranche positionieren will. Diese Doppelstrategie könnte sich als Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg erweisen, insbesondere in einem hart umkämpften Markt wie der internationalen Langstreckenfliegerei.