Norwegian (Foto: Alex Tino Friedel/Flughafen München GmbH).
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Norwegian Group fokussiert auf Flottenbesitz und hält Tür für größeres B737-Max-10-Modell offen

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Die Norwegian Group, Muttergesellschaft von Flugbetrieben wie Norwegian Air Shuttle und Widerøe, steuert ihre Flottenstrategie mit dem Ziel, die Eigentümerquote ihrer Flugzeuge deutlich zu erhöhen und gleichzeitig die langfristige Flottenplanung flexibel zu gestalten. Trotz der jüngsten Entscheidung, 30 zusätzliche Boeing 737 Max 8 zu bestellen, bekräftigte CEO Geir Karlsen das Interesse der Gruppe am größeren Modell B737-10. Die Bevorzugung der Max 8 in der aktuellen Bestellung sei primär den anhaltenden Zertifizierungsverzögerungen der Max 10 geschuldet.

Die Strategie sieht vor, langfristig ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen eigenen und geleasten Flugzeugen von etwa 50:50 anzustreben. Dies soll die Abhängigkeit von teuren Leasingverträgen reduzieren, die in einem Umfeld steigender Finanzierungskosten zunehmend unattraktiv werden. Karlsen bestätigte bei der Präsentation der Quartalsergebnisse, dass die Gruppe bereit sei, weitere Sale-and-Leaseback-Transaktionen durchzuführen, jedoch nur, wenn die Marktpreise für Leasinggeschäfte attraktiver werden. „Im Moment ist der Preis zu hoch“, kommentierte er die aktuelle Marktlage.

Strategische Flottenerweiterung und -erneuerung

Die Norwegian Group hat ihre Gesamtbestellung für die Boeing 737 Max 8 auf 80 fest bestellte Einheiten erhöht, deren Auslieferung bis zum Jahr 2031 gestaffelt ist. Die Fluggesellschaft hat Anpassungen am Lieferplan vorgenommen, um diesen besser an den geplanten moderaten Wachstumspfad sowie an die Rückgabefristen auslaufender Leasingverträge für Teile der Bestandsflotte anzupassen. Die ersten 25 Flugzeuge sollen etwa zur Hälfte im Besitz der Norwegian Group sein.

Der Fokus der Flottenstrategie liegt klar auf der Erneuerung der Flotte und nicht auf aggressivem Wachstum. CEO Karlsen kündigte an, dass das Wachstum in den kommenden Jahren bei moderaten vier bis fünf Prozent liegen werde. Das Hauptziel ist die Ausmusterung älterer Boeing 737 ngs zugunsten der modernen B737 Max-Flotte. Nach dem Austritt aus der covid-19-Pandemie mit 51 Flugzeugen wird die Flotte bis zum nächsten Sommer auf 95 Flugzeuge nahezu verdoppelt, wobei dieser Zuwachs auf eine profitable Weise vollzogen wurde. Die weitere Expansion wird nun aber primär über den Austausch der älteren Flugzeuge erfolgen.

Derzeit besteht die Flotte laut ch-aviation Daten zu einem großen Teil aus geleasten Flugzeugen, darunter vierunddreißig B737-8s und einundsechzig B737-800s von namhaften Leasinggebern wie Air Lease Corporation, AerCap und DAE Capital. Durch den signifikanten Anteil an Leasingverträgen behält die Gruppe die Flexibilität, Verträge zu verlängern oder Flugzeuge zurückzugeben, um das Wachstum an die aktuellen Marktbedingungen anzupassen.

Das Kalkül um die Boeing 737 Max 10

Die Entscheidung, die kürzlich ausgeübten Optionen auf die B737 Max 8 festzulegen, war eine direkte Folge der anhaltenden Zertifizierungsunsicherheiten bezüglich der B737 Max 10. Das größere Modell, das eine höhere Kapazität und damit eine bessere Wirtschaftlichkeit auf stark frequentierten Strecken bieten würde, hat eine komplexe Zulassungshistorie. Die endgültige Zertifizierung der Max 10 wird erst nach der Zulassung der kleineren B737 Max 7 erwartet, deren Zeitplan ebenfalls noch unklar ist.

Geir Karlsen betonte jedoch, dass das Interesse an der Max 10 bestehen bleibt. Er ließ die Tür für eine spätere Umwandlung eines Teils der Max 8-Bestellungen in die Max 10 offen, sobald der Zertifizierungsverlauf durch die US-Luftfahrtbehörde (faa) und die europäische EASA klarer wird. Die Max 10 bietet als größtes Mitglied der 737-Familie potenziell die niedrigsten Stückkosten und wäre für Norwegian auf ihren wichtigsten europäischen Hauptstrecken wirtschaftlich attraktiv. Die Gruppenleitung zeigt sich bereit, auf einen präziseren Zeitplan zu warten, um möglicherweise noch von den Kapazitätsvorteilen des größten Modells zu profitieren.

Kauf statt Leasing: Die Strategie zur Kostenkontrolle

Um die Abhängigkeit von hohen Leasingraten zu verringern, forciert die Norwegian Group den Erwerb von Flugzeugeigentum. Allein in diesem Jahr hat die Gruppe 14 Flugzeuge erworben und damit ihre eigene Flotte auf aktuell 17 Einheiten erhöht. Dieser strategische Schritt zahlt sich bereits finanziell aus. Im dritten Quartal konnte die Norwegian Group durch den Rückkauf von drei zuvor geleasten Flugzeugen einen einmaligen Gewinn von rund 270 Millionen norwegischen Kronen (etwa 27 Millionen US-Dollar) verbuchen, wie CFO Hans-Jørgen Wibstad bestätigte.

Diese Buy-Back-Aktivitäten sind ein direkter Hebel zur Senkung der laufenden Betriebskosten und zur Risikominderung in einem unsicheren Finanzierungsumfeld. Durch den Besitz der Flugzeuge kann die Airline flexibler über deren Einsatz und Verbleib entscheiden, ohne an die Restriktionen und die oft hohen Kosten von Leasingverträgen gebunden zu sein, deren Konditionen in einem Umfeld steigender Zinsen und knapper Flugzeugverfügbarkeit unattraktiv werden.

Positiv hob CEO Karlsen die Produktionsverbesserungen bei Boeing hervor. Das Unternehmen lieferte in diesem Jahr bereits zwölf B737-8s an die Norwegian Group aus, und eine dreizehnte Einheit steht kurz vor der Übergabe. Diese Zuverlässigkeit auf der Produktionsseite ist für die strategische Planung der Airline entscheidend, um die Flottenerneuerung und das moderate Wachstum wie geplant umsetzen zu können. Die Fortsetzung dieser Zuverlässigkeit wird auch für die kommenden Jahre erwartet, was die Basis für die weitere Umstellung auf die B737 Max-Flotte bildet.

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