Nur ein Euro Vergütung: Reisebüros fühlen sich von Lufthansa verhöhnt

Airbus A321neo (Foto: Lufthansa).
Airbus A321neo (Foto: Lufthansa).

Nur ein Euro Vergütung: Reisebüros fühlen sich von Lufthansa verhöhnt

Airbus A321neo (Foto: Lufthansa).
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Eigentlich bezahlt Lufthansa den Reisebüros seit vielen Jahren keine Vermittlungsprovisionen mehr. Doch nun legt man „großzügige Prämien“ für Flugscheine, die noch im August und September 2022 abgeflogen werden auf. Den Agenturen winkt eine Vergütung von nur einem Euro pro Ticket.

Das Vorgehen der größten Fluggesellschaft Deutschlands sorgt unter den Reisebüroverbänden für Kopfschütteln, den im Anschreiben, das von Key-Accoung-Managerin Rosamunde Rubino gezeichnet ist, schreibt das Unternehmen: „Da die Mehrarbeit, die auf euch lastet, uns durchaus bewusst ist, hat man einen speziellen Summer Incentive zur Anerkennung eurer Arbeitsleistung ins Leben gerufen“. Daher wolle man die Mehrarbeit für alle Europa-Einzeltickets, die noch im August und September 2022 mit einem Bonus von einem Euro incentivieren.

Die geringe Höhe der Vergütung wird von gleich mehreren Verbänden als blanker Hohn aufgefasst, denn den Agenturen würde durch ständige Streichungen, die von Lufthansa vorgenommen werden, erhebliche Mehrarbeit entstehen. Sind nur einzelne Segmente von Absagen betroffen, so können diese oftmals nicht über GDS oder vergleichbare Plattformen von den Agenturen geändert werden, sondern nur über eine spezielle Hotline. Der zusätzliche Arbeitsaufwand wird jedoch von Lufthansa nicht abgegolten.

Während im Anschreiben an die Reisebüros unmissverständlich die Rede davon ist, dass mit dem einen Euro, den es pro vermitteltem Ticket gibt, der Mehraufwand abgegolten werden soll, dementiert dies die Medienstelle des Kranich-Konzerns. Eine Sprecherin erklärte unter anderem, dass das aktuelle Programm in keinem Zusammenhang mit dem Mehraufwand stehen soll. Sie hob hervor: „Durch die hohe Anzahl verkaufter Flugsegmente ergeben sich aufgrund der verkauften Menge trotz eines geringen Bonus signifikante Auszahlungen“.

Doch genau an dieser Stelle setzt heftige Kritik von den Betreibern von Reisebüros ein. Diese kritisieren, dass Lufthansa eindrucksvoll demonstrieren würde, dass man nicht in der Lage ist einen stabilen und zuverlässigen Flugbetrieb durchführen zu können. Dabei verweist man auch auf die Aussagen ranghoher Manager, die davon ausgehen, dass es nicht vor dem Winterflugplan 2022/23 zu einer echten Entspannung kommen wird. Dass das Verkaufen zusätzlicher Flugscheine auch noch belohnt wird, auch wenn es nur ein Euro ist, halten einige Inhaber für problematisch. Wenn es dann wieder zu Absagen und Verspätungen wegen Personalmangel kommen würde, blieben der Ärger und die Mehrarbeit im Reisebüro hängen und Lufthansa würde dies mit nur einem Euro honorieren.

Echte Provisionen bezahlt die Lufthansa Group schon seit vielen Jahren nicht mehr. Reisebüros müssen die Flugtickets zum aktuellen Tarif einkaufen und schlagen anschließend eine Buchungsgebühr drauf. Die Höhe dieser kann von Standort zu Standort stark abweichen. Zusätzlich erhebt der Kranich-Konzern für Buchungen, die über GDS-Systeme, die von Reisebüros typischerweise genutzt werden, einen Zuschlag. Dieser entfällt dann, wenn die Agentur auf eine eigene Plattform von Lufthansa zurückgreift.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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